Wegen Urlaub und Krankheit fehlt es in Mainz an Fahrdienstleitern, deshalb fallen dort sogar Zugverbindungen aus. Solche Probleme werde es in Ulm nicht geben, sagt ein Sprecher der Bahn in Stuttgart. Doch die Gewerkschaftsseite sieht das anders.

Auch im Bereich Ulm sei die Personaldecke der Fahrdienstleiter dünn, sagt Hans-Peter Hurth, Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in Ulm. Zwar gebe es hier derzeit keine größeren Probleme, doch Hurth warnt: Wenn ein paar Leute krank würden,  werde es auch in Ulm mit Sicherheit schwierig. "Was heute in Mainz ist, kann morgen in einem anderen Ort sein", sagt er.

Die Belastung der Bahnmitarbeiter sei generell sehr groß. "In allen Bereichen gibt es Überstunden ohne Ende", sagt Hurth. Das gelte für Lokführer ebenso wie für Zugbegleiter, aber auch bei den Fahrdienstleitern in Ulm hätten sich tausende Überstunden angehäuft. Zwar seien in Ulm in den vergangenen beiden Jahren neue Fahrdienstleiter ausgebildet worden, sodass die Anzahl der Überstunden inzwischen nicht mehr weiter wachse. Doch es sei noch immer zusätzliches Personal nötig.

Gewerkschafter Hurth sieht vor allem die Politik in der Pflicht, dass bei der Bahn mehr eingestellt und investiert wird. Schließlich sei immer noch der Bund der Eigentümer. Angesichts des Mainzer Beispiels stellt Hurth in Frage, ob die Bahn mit Privatisierung stärkerer Renditeorientierung auf dem richtigen Weg ist und sagt: "Die Bahn will immer lukrativer arbeiten, aber Mainz trägt dazu sicher nicht bei."

Mit den Aussagen der Gewerkschaft konfrontiert, bekräftigt ein Bahnsprecher in Stuttgart, in Ulm und Baden-Württemberg herrsche normaler Betrieb: "Und wir werden alles dafür tun, damit das auch in Zukunft so bleibt." Zu den Vorwürfen der Gewerkschaft und zur konkreten Situation in Ulm - also der zu geringen Anzahl an Mitarbeitern, die eine zu große Zahl an Überstunden leisten - äußert sich der Sprecher nicht. "Wir betrachten nicht jedes Stellwerk mit der Lupe. Und wir kommentieren keine Aussagen von Gewerkschaften oder Betriebsräten."