In Anlehnung an die „Weltstadthäuser“ wie Peek & Cloppenburg seine Geschäfte nennt, will das Unternehmen auch sein Haus in der Ulmer Bahnhofstraße aufwerten. Mit dem Vorhaben beschäftige sich das Unternehmen schon seit Jahren, sagte Planungschef Jörg Dietz, der das Projekt jetzt im Gestaltungsbeirat der Stadt Ulm vorstellte. „Ulm ist für uns ein sehr wichtiger Standort“, wie er sagte, weshalb das Haus jetzt aufgewertet werden soll.

Im Wesentlichen geht es um eine neue Fassadengestaltung mit großen Glasflächen, die für mehr Transparenz sorgen sollen. Außerdem soll das Erdgeschoss vorgezogen werden, um eine einheitliche Straßenflucht mit dem Nachbargebäude herzustellen – nicht aber mit Reischmann auf der östlichen Seite, was die Experten bemängelten.

Der Gestaltungsbeirat soll den Gemeinderat und die Verwaltung bei herausragenden Projekten beraten, die einen wichtigen Einfluss auf das Stadtbild haben. Den Vorsitz hat Professor Markus Neppl vom Karlsruher Institut für Technologie. Ihm zur Seite beraten die Architekten Julia Klumpp (Stuttgart) und Detlef Sacker (Freiburg) und die Landschaftsarchitektin Doris Grabner aus Freising.

Peek & Cloppenburg Das Unternehmen plant die Fassade in der Bahnhofstraße der Umgebung anzupassen und die bislang geschlossene Außenansicht transparenter zu gestalten, wie Architekt Wolfgang Michel erläuterte. Allerdings monierten die Experten, dass das Gebäude nicht auch in der Höhe angepasst werden soll, was durch ein zusätzliches Stockwerk leicht zu erreichen wäre, in das beispielsweise Wohnungen kommen könnten. Lediglich das Schrägdach in der obersten Etage wird verbaut, so dass die Traufhöhe optisch angehoben wird.

Der Beirat kritisierte auch die lange, gerade Flucht und schlug stattdessen vor, ab dem Eingangsbereich einen kleinen Knick einzuarbeiten, um so auch wieder die Flucht zum Gebäude von Reischmann zu bekommen. Generell jedoch wurde der Plan von allen Experten einhellig gelobt. Der Architekt sagte zu, über die Anregungen nachzudenken und sie gegebenenfalls einzuarbeiten.

Studentenwohnheim An der Heidenheimer Straße soll direkt in der Kurve nach der Unterführung der Brenzbahn auf dem brachliegenden Grundstück mit der Nummer 10 ein Wohnheim mit 35 Appartements für Studenten entstehen. Bauherr ist ein Privatmann, der das Wohnheim auch betreiben will. Allerdings regten die Experten an, die vorgelegten Pläne zu modifizieren und etwas weniger mächtig gegenüber dem benachbarten Gebäude zu gestalten. Dafür könne das Wohnheim im westlichen Teil zur Straße hin auch eine Etage mehr vertragen als vorgesehen, was aber durch den Baubürgermeister von Winning eingeschränkte wurde. Der kann sich dort vielleicht eine Etage mehr vorstellen, aber nicht gleich drei. Schwierig gestaltet sich die Eingangssituation in eine vorgesehene Tiefgarage. Grundsätzlich fanden die Experten das Vorhaben als ambitioniert, regten aber an, die Masseverteilung besser vorzunehmen. Also zum Nachbarn hin weniger, an anderer Stelle dafür mehr, so der Vorsitzende Neppl.

Hotelneubau Die Grundstücksgesellschaft Ulm beabsichtigt das Grundstück Deutschhausgasse 9 neu zu bebauen. Der Bürotrakt an der Ecke zu Galerie Kaufhof und dem Parkhaus Deutschhaus soll abgerissen und durch einen Hotelneubau ersetzt werden, der im Erdgeschoss eine gewerbliche Nutzung und im Dachgeschoss eine Wohnnutzung vorsieht.

„Wir sind da noch nicht ganz am Ziel. Die Gestaltung eines Eckgebäudes ist noch nicht ausgereift“, verdeutlichte der Beiratsvorsitzende die Zweifel an der vorgelegten Planung. Vor allem die Überschreitung der Straßenfluchten um 70 und 90 Zentimeter kam bei den Beiratsmitgliedern nicht gut an. „Das geht nicht. Da habe ich eine klare Meinung“, sagte etwa Architekt Sacker.

Kindergarten und Wohnhäuser Im Beirat vorgestellt und diskutiert wurden auch der Neubau eines Apartmenthauses in Lehr. Auf dem Flurstück 1/1 an der Mähringer Straße 6 soll die bestehende Hofanlage abgebrochen und neu bebaut werden. Die Stellplätze sollen in einer Tiefgarage untergebracht werden.

Neue Wohnhäuser sind auch in Jungingen an der Lehrer Straße 6-10 geplant. Die bestehende Bebauung wird abgerissen und durch zwei Wohngebäude ersetzt, die aus zusammengesetzten Volumen bestehen, um eine weitere Gliederung von Fassade und Baukörper zu erhalten.

Ebenfalls in Jungingen wird der Kindergarten an der Fröbelstraße erweitert. Die Pläne wurden als sehr anspruchsvoll gelobt. Nachgearbeitet werden muss allerdings noch die Gestaltung der Freiflächen, deren Qualität entscheidend sei.

Abordnung aus Heidelberg


Delegation Bei der Sitzung des Gestaltungsbeirats am Mittwoch war auch eine Abordnung des Gemeinderats aus Heidelberg anwesend. Wie Baubürgermeister Tim von Winning sagte, gibt es in Heidelberg Überlegungen einen ähnlichen Beirat nach Ulmer Vorbild einzuführen. Darunter war auch der 1. Bürgermeister Jürgen Odszuck, der Amtsleiter für Baurecht und Denkmalschutz, Jörg Hornung, und fünf Gemeinderäte.