FRIZZ: Jenny, Max – was habt ihr zuletzt gespielt?

Jenny Däubler: League of Legends. Das ist ein Computerspiel, das 2009 erschienen ist und das weltweit viele Millionen Menschen spielen. Es ist ein Teamspiel, fünf gegen fünf auf einer Karte, und wir haben da in unserem Studiengang ein Turnier, bei dem wir in Teams gegeneinander spielen.

FRIZZ: Und das letzte analoge Spiel? Das war ein Exit-Spiel.

Max Reinalter: Nein, stimmt gar nicht, wir haben doch neulich mit Freunden „Mensch ärgere Dich nicht“ gespielt.
Jenny Däubler: Stimmt! Aber wir spielen schon überwiegend Online-Games.

Frizz: Wie seid ihr denn zum Gaming gekommen?

Jenny Däubler: Boah, das hat bei mir früh angefangen. Mein Vater ist auch sehr interessiert am Gaming, da hab ich im Kindesalter schon viel mitgekriegt. Mit 12 hab ich dann meine erste Playstation bekommen. Da hab ich meistens so Auto-Rennspiele oder Lego Star Wars gespielt. Max Reinalter: Ich war so 11, 12 um den Dreh. Da durfte ich auf dem alten Arbeits-PC meines Vaters spielen. Der hatte noch Windows 95 drauf. (lacht) Wir hatten in dem Alter immer eine Stunde Medienzeit am Tag, die ging bei mir komplett am PC drauf, Fernsehen hat mich gar nicht so interessiert. Ich habe dann eher um die Minuten am Computer gefeilscht, um noch ein Level fertigzubekommen. Am Anfang waren es Spiele wie „Sendung mit der Maus“ und „Löwenzahn“.
Jenny Däubler: Jaaaa ... ohhhhh ... die hab ich auch immer gespielt, die waren super! Und Disney-Spiele wie Tarzan und Mulan.

Frizz: Ihr interessiert euch also privat sehr für Spiele – wie seid ihr denn auf die Idee gekommen, das beruflich zu machen?

Max Reinalter: Mir war relativ früh klar, dass ich mit dem PC arbeiten will. Ich habe mich für ein Informatikstudium angemeldet und habe das auch angefangen, aber ich fand das sehr trocken. Aus diesem Grund habe ich mich informiert, ob es was in Richtung Gaming gibt – aber diese Studiengänge waren entweder kostenpflichtig oder weit weg. Als ich dann gemeinsam mit Jenny über einen Zeitungsartikel gestolpert bin, in dem der neue Studiengang der Hochschule Neu-Ulm vorgestellt wurde, wusste ich: Das ist es!
Jenny Däubler: Ich hatte vorher schon Game Engineering in Kempten studiert, hab das aber nicht gepackt. Den Kemptener Studiengang hatte ich damals auf der Ulmer Bildungsmesse entdeckt, die hatten da einen Stand. Das weiß ich noch genau: Da hat es mich hingezogen, weil da ein Mädel mit knall-blauen Haaren stand, das fand ich mega! Tja, und als das in Kempten nichts geworden ist, bin ich zur HNU gewechselt, weil da eine Freundin von mir studiert hat. An der Hochschule habe ich dann Max kennengelernt und wir sind ein Paar geworden. Als wir den Artikel über den Studiengang gelesen haben, haben wir gesagt: Das machen wir jetzt zusammen!

Frizz: Der Studiengang an der HNU ist ja noch sehr neu, ihr wart bei den ersten Studenten dabei ...

Jenny Däubler: Ja, in unserem Jahrgang sind so 50-60 Leute. Am Anfang hat es tatsächlich noch etwas geholpert, weil der Studiengangsleiter zum Semesterbeginn noch gar nicht da war, das war ein bisschen schwierig. Und man hatte den Eindruck, die HNU sucht händeringend nach Lehrkräften, weil wir teilweise schnelle Wechsel drin hatten.
Max Reinalter: Bis zu fünf neue in einem Fach!
Jenny Däubler: Ja, aber mittlerweile hat sich das eingespielt. Ab und zu gibt es auch ein paar Sprachbarrieren.
Max Reinalter: Genau, weißt du noch, wir hatten da mal diesen Entwickler aus Finnland ...
Jenny Däubler: Ahhh, den mochte ich, der war cool.

FRIZZ: Nicht umsonst ist ein Teil des Studiengangs auf Englisch ...

Jenny Däubler: Englisch ist sehr wichtig im Gaming, klar. Und damit auch in unserem Studiengang.

Frizz: Was zählt noch alles dazu?

Max Reinalter: Game Design, Psychologie, Programmieren und Informatik, Wirtschaft, Projektmanagement, Gamification und Serious Games ...
Jenny Däubler: Da sind wahnsinnig viele Facetten dabei, darunter auch vieles, was gerade erst noch im Entstehen ist. Game-Psychologie zum Beispiel. Es gibt glaube ich in Deutschland nur einen Experten auf dem Gebiet.
Max Reinalter: Aber man sieht, dass der Studiengang nicht dazu da ist, um Spiele zu entwickeln, es geht mehr um das Management dahinter.

FRIZZ: Was kann man denn mit dem Bachelor in der Tasche alles machen?

Jenny Däubler: Der Traum wäre es, zu zweit oder zu dritt eine kleine Firma zu gründen und unsere eigenen Spiele zu entwickeln und zu vermarkten. Aber wir sind da noch nicht festgelegt. Gaming ist ein wachsender Markt, und durch das Projektmanagement sind wir sehr breit aufgestellt, da kann man auch in anderen Branchen oder in Firmen anfangen.

Frizz: Wenn das mit der eigenen Firma nichts wird, wer wäre dein Traum-Arbeitgeber?

Jenny Däubler: Riot Games – das sind die, die League of Legends entwickelt haben. Wobei die mittlerweile zum Weltmarktführer Tencent Games gehören. Das ist eine chinesische Firma mit über 60.000 Mitarbeitern, die haben Büros in Berlin, New York, Shanghai ...
Max Reinalter: Also der Markt ist wirklich groß. Auch der Bereich Gamification und Serious Games – da schaut man quasi, wie man spieltypische Elemente und Prozesse in spielfremdem Kontext einsetzen kann. Da gibt es Jobs im medizinischen Bereich oder in Personalabteilungen. Zum Beispiel kann man mittels VR-Technologie die Menschen in einen Raum projizieren und sie coachen, wie man Präsentationen oder Pitchgespräche meistert.

FRIZZ: Eine echte Zukunftsbranche also. Wie sind denn so die Einstiegsgehälter?

Jenny Däubler: (lacht) Tja, da hat uns unser Prof schon auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Einstiegsgehälter sind jetzt nicht soooo hoch, aber es kommt natürlich immer drauf an, was man daraus macht.

FRIZZ: Mal so ein paar typische Gamer-Klischees abgefragt: Seid ihr eigentlich die klassischen Stubenhocker?

Max Reinalter: Ich fürchte, das trifft schon ein bisschen auf uns zu. Gaming nimmt als Hobby schon viel Zeit ein.
Jenny Däubler: Naja, ich gehe schon auch gerne ins Kino und treffe mich auch mit Freunden, wir sind also keine Einzelgänger ohne Sozialkontakte.

FRIZZ: Wie viel Zeit verbringt ihr denn vor dem PC?

Max Reinalter: Wir zählen da ehrlich gesagt nicht mit. Aber es ist schon viel. Wir stehen auf, fahren den PC hoch, frühstücken, machen uns fertig und dann geht es schon mit der Uni los, das ist ja momentan auch alles am PC. Und auch abseits vom Studium verbringen wir viel Zeit vor dem Bildschirm.
Jenny Däubler: Das stimmt. Aber das Gute daran ist: Corona hat unseren Alltag nicht sonderlich verändert.