Ulm Party in der Stadt, Ausklang in der Au: Tausende feiern

Ulm / SWP 20.07.2015
Alles klassisch am frühen Montagabend: Die jungen Wilden waren im Fischerviertel unterwegs, die Familien in der Au. Auf dem Münsterplatz ging’s gemischt zu. Mit Video vom Schwörwochenende

„Darf ich Ihnen kurz zwischen die Beine fassen?“ Man rechnet ja mit allem an so einem Schwörmontag – man muss aber auch dazu sagen, dass diese Bitte von Simon Rath sehr höflich, ja fast schüchtern vorgetragen wird und noch dazu einem guten Zweck dient: Rath will lediglich dabei helfen, Sicherheitsgurte anzulegen. Die waren nötig, wollte man auf der Hebebühne vor dem „Wilden Mann“ hoch hinaus, 40 Meter über die Stadt, weit weg von der Hitze und den feiernden Menschen in den Gassen des Fischerviertels. Den Rundumblick hatte Wirt Michael Freudenberger organisiert, der „mal was ganz anderes“ machen wollte. Der Erlös geht an die Aktion 100.000 und Ulmer helft. Bis Mitternacht war der Ausblick aus der Gondel möglich, es warteten stets Menschen, die auf Höhenflug gehen wollten.

Unten feierten vor allem junge Leute schon am Nachmittag zu Partymusik, aus den Boxen vor der Zill wummerten ohrenbetäubende Elektro-Beats. Der Jugend gefiel’s, sie trank und tanzte. Rund um den Münsterplatz war am frühen Abend noch gutes Durchkommen – größeren Auflauf gab es allenfalls vor den zahlreichen Essensständen vor Restaurants und Cafés, die unter anderem „Schwör-Sprizz to go“ anboten. Auf dem Platz selbst, wo vor den Live-Acts Snap und Lou Bega eine 90er-Party lief, war mit ein paar hundert Menschen aller Altersstufen zunächst nicht allzuviel los. Das änderte sich schlagartig mit dem Auftritt der House- und Trance-Tänzer von Brooklyn Bounce: Mit einem Mal war der Münsterplatz bei freiem Eintritt fast so voll wie am Sonntagabend auf dem Konzert der Fantastischen Vier.

Gut gefallen hat der Schwörmontag der Familie Kyselov, die extra aus dem ukrainischen Kharkiv angereist war, um den Ulmer Stadtfeiertag zu erleben. Gemeinsam schlenderte sie am Nachmittag durch die Innenstadt, und Sohn Yaroslav (16), befand: „Es ist total beeindruckend, wie sich so viele Menschen so ernsthaft etwas widmen, alle zusammenarbeiten und dann soviel Spaß dabei haben.“

Raus aus der Stadt, rein in die Au, wo Tausende feierten: Bei knapp 30 Grad und praller Sonne lagen viele Nabader noch um 19 Uhr in ihren Booten im Fluss. Selbst die, die es aus der Donau hinaus schafften, kamen vielfach nicht über das Ufer hinaus. Wo sie dann das Flüssige nicht mehr unter sich durch, sondern die Kehle hinablaufen ließen. In unmittelbarer Volksfestnähe hatten allein auf der Dianawiese hunderte Familien ihre Decken aufgeschlagen. Durchkommen zwischen den Biergärten Liederkranz und Teutonia? So gut wie unmöglich, aber eigentlich ja auch unnötig: Zu essen und zu trinken gab’s rundherum genug.

UPDATE um 22.45 Uhr:
Die Schwörmontagsparty in der ganzen Stadt verlief in diesem Jahr extrem entspannt und friedlich. Im Gegensatz zu 2013 waren die Partygäste deutlich weniger aggressiv und feierten gemeinsam an den unzähligen Plätzen in ganz Ulm. Hotspots waren gegen 22.45 Uhr in der Platzgasse, am Judenhof und vor allem im Fischerviertel bei der Zill und beim Wilden Mann. Auf dem Münsterplatz war hingegen noch Platz zum Feiern. Auch die Ordnungskräfte sprachen von einer entspannten und friedlichen Atmosphäre.

Und so verlief das Schwörwochenende insgesamt: