Pariser Frühling

Leopold Hoesch war zur Präsentation von "1913" in Ulm. Foto: Sophie Krauss
Leopold Hoesch war zur Präsentation von "1913" in Ulm. Foto: Sophie Krauss
LENA GRUNDHUBER 25.05.2013
Strawinskys Ballett "Le Sacre du Printemps" verursachte im Mai 1913 riesigen Aufruhr. Zum 100. zeigt Arte nun eine Dokumentation. Produzent Leopold Hoesch präsentierte den Film vorab im Ulmer Mephisto.

Den Menschen stehen hitzige Tage bevor, ungekannte Temperaturen wird der Sommer 1913 erreichen. Ein Jahr vor dem Krieg läuft die Welt heiß: Die Herrscher rüsten technisch auf, Ford nimmt Fließbänder in Betrieb, Picasso sprengt das Tafelbild. Seismische Wellen, die im Pariser Théâtre des Champs-Élysées zusammenlaufen - dort kommt es am 29. Mai 1913 zum Beben. Die Uraufführung von Igor Strawinskys Ballett "Le Sacre du Printemps" löst Tumulte aus.

Gerade weil es das richtige Stück zur richtigen Zeit war, so die These eines Dokumentarfilms, der kommende Woche auf Arte zu sehen ist. Am Donnerstag präsentierte ihn die SÜDWEST PRESSE als Preview im Mephisto-Kino. "1913 - Der Tanz auf dem Vulkan" heißt der Film, der Strawinskys Musik und Vaslav Nijinskys Choreografie als Ausdruck einer sich rasant verändernden Zeit begreift. Aus verschiedenen Richtungen kreisen Regisseur Dag Freyer und Kollegen ihr Thema ein. Der Zuschauer sieht Farbfilme aus der Kaiserzeit, trifft Kafka und Musil, aber auch Stalin und Hitler, die einander in Wien gesehen haben könnten. Nicht zuletzt begegnet er Strawinsky, in Interviewaufnahmen des charmanten alten Herrn.

Die 90-minütige Dokumentation bleibt auf der Höhe ihres Gegenstands - das müsse das Öffentlich-Rechtliche leisten, meinte Produzent Leopold Hoesch im Gespräch mit SWP-Kulturressortleiter Jürgen Kanold und dem Publikum. Vorbild sei Florian Illies Erfolgs-Buch "1913", das "einen Nerv getroffen" habe. Doch habe man ihn nicht kopiert, sondern nach Themen gegliedert. Das Geheimnis für eine solche Produktion sei, "nicht Dinge zu reparieren, die nicht kaputt sind", der Regie also nicht ins Handwerk zu pfuschen. Arte schiele nicht zu sehr auf die Quote, sagte Hoesch. Und bat trotzdem scherzhaft darum, am Mittwoch jeden verfügbaren Fernseher anzuschalten. Ja, man sollte sich den Gefallen tun.

Info Arte strahlt "1913" am Mittwoch, 29. Mai, um 20.15 Uhr aus.