Neu-Ulm Ost-Ampelmännchen erobert Neu-Ulm

Neu-Ulm / BEATE ROSE 24.02.2014
Das Ost-Ampelmännchen ist besser als seine West-Kollegen, weil es besser erkannt wird. Ein Grund, weswegen es in Pfuhl den Weg weist.

Es gibt viele Gründe, der DDR keine Träne nachzuweinen. Aber, wie gelernte DDR-Bürger gerne zu sagen pflegen: Es war nicht alles schlecht.

Auf die Erkenntnis ist vor geraumer Zeit auch die Stadtverwaltung Neu-Ulm gekommen. Schließlich hat sie sich dafür entschieden, künftig in Neu-Ulmer Fußgängerampeln das Ost-Ampelmännchen einzubauen. Passiert ist das bereits in Pfuhl an der Kreuzung Leipheimer Straße/Am Kapellenberg/Kirchstraße. Vier Überwege für Fußgänger gibt es dort, umgebaut wurde die Kreuzung für 65.000 Euro - an allen weist der Ost-Ampelmann den Weg. Aus ostalgischen Gründen? "Nö", sagt Sonja Bosch, die im Rathaus in der Abteilung Straßenbau und Verkehr für die Schaltung aller Neu-Ulmer Ampeln zuständig ist. "Das Ost-Ampelmännchen ist besser erkennbar." Er ist dicker als der West-Kollege. Bei Rot strecke der Ost-Ampelmann die Arme aus, das West-Ampelmännchen stehe dagegen nur so rum. Bei Grün wirke das Ost-Ampelmännchen im Vergleich zum West-Kollegen dynamischer, das liege nicht nur am auffälligen Hut. Das sind Ergebnisse einer Studie der Jacobs University Bremen, die in der Fachzeitschrift "Straßenverkehrstechnik" veröffentlicht wurde.

In Neu-Ulm lesen Bosch und ihre Kollegen diese Zeitschrift. Nachdem klar war, das Ost- und West-Ampelmännchen gleich viel kosten - "das sind ja nur verschiedene Streuscheiben" - war man sich in der Verwaltung einig: Der Ost-Ampelmann wird künftig Neu-Ulm erobern. Nach und nach, sobald eine Signalanlage erneuert wird, werde der Ost-Ampelmann eingebaut. In diesem Jahr soll das noch an der Kreuzung Hermann-Köhl-Straße/Gartenstraße, an der Hermann-Köhl-Straße/Friedensstraße und an der Reuttier Straße/Zeppelinstraße passieren.

Und wie kommt der Ost-Ampelmann bei den Neu-Ulmern an? Bosch berichtet von Anwohnern, die ihr begeisterte Mails geschickt haben. Ein Anwohner aus Pfuhl, Herwald Kunz, urteilt so: "Kräftige Konturen, moderner, witzig." Am Samstagnachmittag wollte er mit seinem Fahrrad über die Leipheimer Straße in Richtung Kapellenberg. Er freut sich am neuen Ampelmann, sagt er. Das Beste daran: Die Neu-Ulmer Stadtverwaltung gibt den Anwohnern genügend Zeit, den Ampelmann zu betrachten: 28 Sekunden dauerts nämlich, bis Kunz die Leipheimer Straße überqueren kann.

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