Mit der nahenden Adventszeit und dem Weihnachtsmarkt werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche organisierte Bettelbanden in Ulm erwartet. Bereits jetzt sind Mitglieder in den Fußgängerzonen unterwegs und versuchen, Geld durch Mitleid zu erbetteln.

Polizei: Organisierten Bettlern kein Geld geben

Die Polizei und die Stadt Ulm warnen ausdrücklich davor, professionellen Bettlern Geld zu geben.

„Das Geld landet nie bei der Person, die dort sitzt“, sagt Rainer Türke, Leiter der Abteilung für Sicherheit, Ordnung und Gewerbe der Stadt Ulm. „Diese Menschen leben unter teilweise katastrophalen Umständen in Zelten oder Bussen und bekommen nur das Nötigste. Das Geld liefern sie komplett an die Köpfe der Banden ab.“

Viele Passanten befürchten, dass Bettler, die ohne Geld zurückkommen, bestraft werden könnten. Das hält Türke für unwahrscheinlich. „Diese Menschen werden grundsätzlich schon sehr schlecht behandelt.“ Im Gegenteil: Je erfolgreicher ein Bettler, umso geringer sei die Chance, aus diesem Kreislauf wieder herauszukommen. Für die Bandenchefs zähle nur der Profit. Und wenn der ausbleibe, käme auch kein neues „Personal“ nach Ulm. „Wenn dagegen viel Geld reinkommt, werden auch bald immer mehr Bettler in den Straßen sitzen.“

Aufdringliches Verhalten und Anstiftung zum Betteln

Mitglieder solcher Banden seien leicht zu erkennen. „Sie versuchen aktiv, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, und halten sich immer in stark frequentierten Bereichen auf. Gebrechen werden zur Schau gestellt, Passanten angegangen. Die meisten haben einen osteuropäischen Akzent, singen lautstark Lieder. Oft sind Kinder dabei.“

Nach Paragraph 16 der Polizeiverordnung handelt es sich bei derartigen Aktionen um „aufdringliches Betteln“ und Anstiftung zum Betteln. Das stellt im Gegensatz zum „stillen Betteln“ eine Ordnungswidrigkeit dar. Betroffene müssen eine Sicherheitsleistung abgeben und bekommen einen Platzverweis. Passanten reagieren oft verständnislos. „Man hilft diesen Leuten nicht, indem man ihnen Geld gibt“, betont Türke. „Man unterstützt ein System, das gerade die Ärmsten ausbeutet.“

Freiwillige Obdachlose: keine „Konkurrenz“

Und wie steht es um die Obdachlosen? Werden sie durch die organisierten Bettler vertrieben? „Freiwillig Obdachlose möchten meist in Ruhe gelassen werden“, so Türke. Ihr Ziel sei es nicht, zu betteln, sie suchen nicht die Öffentlichkeit. „Die meisten ziehen sich eher zurück, in Parks und unter Brücken, wo sie für sich oder mit ihresgleichen zusammen sind.“ Probleme zwischen organisierten Bettlern und Obdachlosen habe es noch nie gegeben.