Montag, 9. Mai
Rückblickend war der Orchesterwettbewerb ein voller Erfolg, wir haben wieder den zweiten Platz belegt, haben einige tolle Konzerte angehört und sind vor allem noch enger zusammen gewachsen. 
Ich habe das Gefühl, dass der Wettbewerb dieses Mal trotz wirklich harter Arbeit sehr viel Spaß gemacht hat.

Im Vergleich zum letzen Mal vor vier Jahren lief alles ein bisschen entspannter, obwohl es ziemlich stressig war. Vom letzen Mal kann ich mich aber vor allem an den Stress erinnern, nicht so sehr an den Spaß.
Vielleicht liegt es daran, dass wir dieses Mal nicht an- und abreisen mussten, weswegen wir auch die extra Konzerte besuchen konnten und dadurch die tolle Atmosphäre mitbekommen haben.
Es ist schon ziemlich cool, dass der Wettbewerb dieses Mal in Ulm stattgefunden hat, die Energie und Motivation war noch besser als sonst.
 
Bei den Konzerten, unter anderem bei unserem Preisträgerkonzert, wurde immer wieder von Laien und Amateurmusik gesprochen. Der Vorsitzende des Musikrates beispielsweise sprach immer von Laienmusik. Vertreter der Sponsoren, die eine Rede hielten, sprachen allerdings öfters von Amateurmusik.  Meiner Meinung nach hört sich Amateurmusik ziemlich negativ an, so, als ob wir nichts könnten. Der Begriff der Laienmusik, den vor allem die Redner benutzten, die sich mit Musik gut auskennen, trifft es besser. Die letzten zwei Wochen haben ziemlich gut gezeigt, dass auch Laienmusiker wunderbare, gefühlvolle Musik schaffen können.
 
Der Wettbewerb war für uns eine Achterbahnfahrt der Gefühle, auf lange Sicht werden jedoch die positiven Erinnerungen überwiegen.
Für mich persönlich war es auch toll dieses Tagebuch zu schreiben, wann immer ich möchte, werde ich auf diese geschriebenen Erinnerungen zurückgreifen und mich darüber freuen können, ein Teil dieses tollen Ereignisses gewesen zu sein. 

Donnerstag, 5. Mai
Mein persönliches Highlight, das Konzert des Jazzchores Freiburgs und des Landesjugend Jazzorchesters stand um 20 Uhr im CCU auf dem Programm. Bereits die ganze Woche freute ich mich auf das Konzert. Zur "Vorbereitung" habe ich mir ein paar YouTube Videos des Chores angesehen, aber natürlich übermittelt ein Video Musik nicht so schön, wie wenn sie live gespielt wird. 

Ich war wirklich beeindruckt und hatte einige Male Gänsehaut. Vor allem die Stücke "She's leaving home" und "in a mellow tone" berührten mich. 

Einige der Sänger hatten geniale Soli, manchmal war allerdings das Mikrofon zu leise. Das war wirklich schade, denn teilweise war die Stimme erst nach der Hälfte des Solos richtig zu hören (das war vor allem bei den ersten paar Soli der Fall). Der Dirigent erzählte zwischen den Stücken immer wieder witzige Sachen, ich glaube er hätte das Publikum auch ohne die musikalische Unterstützung seines Chores ganz gut unterhalten können. Als die Pause anbrach, war ich irgendwie traurig, ich hätte dem Chor gerne noch länger zugehört. 
 
Der Zweite Konzertteil war auch ziemlich gut. Beim Landes Jazzorchester gab es ebenfalls viele sehr gute Soli, vor allem "Walking on tiptoe" hat mir wirklich gut gefallen. Das Orchester tauschte die Mitglieder immer wieder durch, wodurch nicht jeder das komplette Konzert mitspielte. Das Konzert war wirklich schön - und wer nicht da war, hat definitiv etwas Großartiges verpasst. 

Mittwoch, 4. Mai 
Die Enttäuschung über den zweiten Platz saß leider immer noch tief. Immer wieder erinnerten wir uns an diese eine Minute der Achterbahnfahrt der Gefühle. Abends stand erneut eine Probe an, in den nächsten zwei Wochen müssen wir uns auf die Programmvorbereitung für unsere Konzertreise nach Rom konzentrieren. Dieses Mal treten wir unter anderem mit einem klasse Chor auf. 
 
Nach der Pause kamen wir auf das Ergebnis des vorherigen Tages zu sprechen. Herr Christ versicherte uns erneut, dass wir unser Allerbestes gegeben haben, seiner Meinung nach kann man unser Wahlstück "Hymn to the Sun" kaum besser spielen. Unser Problem war immer noch, dass wir nicht verstanden, woran die Jury ausgemacht hat, dass wir 0,6 Punkte schlechter waren als die Havixbecker. 
 
Es gibt Leute , die verstehen unsere Verwunderung falsch. Wir sind keineswegs neidisch. Wir erkennen den Erfolg anderer gerne an und lassen uns dadurch von ihnen zu Höchstleistungen puschen. Ohne unsere Konkurrenten hätten wir unser aktuelles Niveau nicht erreicht. Wir wüssten nur gerne, woran genau wir noch arbeiten können, um beim nächsten Wettbewerb vielleicht auf dem ersten Platz zu landen. 
 
Nach einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Christ über das System des Wettbewerbes waren wir leicht irritiert - man bekommt keine Rückmeldung, was genau falsch gemacht wurde. Allgemein wäre es, glaube ich, eine sehr gute Sache, genau mitgeteilt zu bekommen, was verbesserungswürdig ist. Dann könnte man auch besser daran arbeiten. Außerdem ist es für junge Leute nicht gut eine Enttäuschung bei einem Wettbewerb erfahren zu müssen, ohne eine handfeste Erklärung oder konstruktive Kritik zu erhalten. 
 
Am Ende des heutigen Abends nahmen wir Herr Christs Rat an und machten "einen Haken hinter die Sache". Wir haben die Mission Orchesterwettbewerb äußerst erfolgreich abgeschlossen und sind noch mehr zusammengewachsen. 
 
Nach der Probe fand, ausnahmsweise an einem Mittwoch, der wöchentlichen Stammtisch statt. Es war komisch danach nicht sagen zu können: "bis morgen". Wir haben uns in den letzten Wochen sehr oft gesehen, seit Freitag, den 29. April, sogar jeden Tag.

Wir können wirklich stolz auf uns sein. Jeder, also auch jede Jury, hört und versteht Musik auf eine andere Art. Das haben wir heute Abend, verstanden und können uns endlich freuen - denn wir sind uns sicher, wir sind die Sieger der Herzen.

Dienstag, 3. Mai
Der Tag der Entscheidung war gekommen. Um 11 Uhr trafen wir uns am Brunnen auf dem Marktplatz, um uns nicht im Gedränge zu verlieren. Als zuerst die Ergebnisse der anderen Kategorien verkündet wurden, stieg die Spannung immer weiter, wir konnten es kaum erwarten. 

Unser Ergebnis sind 23,4 Punkte, eine Steigerung zum letzten Wettbewerb. Noch waren wir alle etwas verhalten, schließlich bekamen wir als erste unserer Kategorie das Ergebnis. Das Ergebnis der Marktoberdorfer: 23,0 Punkte. Wir konnten es kaum glauben, wir waren besser als die Marktoberdorfer, für uns stand der Sieg schon fest. Wir jubelten und freuten uns unglaublich.
 
Naja, das Ergebnis der Havixbecker fehlte noch. 24,0 Punkte, wir waren fassungslos. Wir hätten nicht gedacht, dass sie besser als die Marktoberdorfer abschneiden würden. Die Stimmung sank sofort auf den absoluten Tiefpunkt, wir konnten es einfach nicht glauben. Einige scherzten "die haben sich bestimmt nur verlesen". Leider nicht. Ehrlich gesagt hatten wir das Gefühl, dass vielleicht Marktoberdorf den ersten Platz machen würde. Im Gegensatz zu Ihnen gab es bei Havixbeck vor allem im Pflichtstück einige Wackler und Ungenauigkeiten mehr, so dass wir wirklich nicht erwartet hätten, dass sie den ersten Platz gewinnen. 
 
Einigen von uns war wirklich zum Heulen zumute, mit diesem Ausgang hätten wir nicht gerechnet. 
Natürlich sind wir froh, dass wir Preisträger sind, aber einige von uns sind wirklich enttäuscht von der Platzierung. Herr Christ versuchte uns zu trösten, er versicherte uns immer wieder, dass wir klasse gespielt hätten und man letztendlich nie weiß, worauf die Jury achtet. 
 
Ein Mitglied hat ein Video von der Bekanntgabe gemacht. Wenn ich es anschaue, fühle ich mich wieder wie im Moment der Verkündungen auf dem Marktplatz. Es ist erstaunlich, wie stark die Stimmung des Orchesters umschwenkte. Innerhalb einer Minute-der Ergebnisverkündung der Marktoberdorfer bis zu der, der Havixbecker- schwankt die Stimmung von überglücklichem Jubel zu Fassungslosigkeit und Enttäuschung. So eine Achterbahn der Gefühle habe ich noch nie erlebt. 
 
Abends trafen wir uns zum Preisträgerkonzert, man hatte sich wieder beruhigt. Auch wenn die Enttäuschung immer noch relativ groß war und dadurch nicht mehr viel Energie vorhanden war, wollten wir nochmals unser allerbestes geben. Wir wollten zeigen, dass wir uns den Preis hart erarbeitet hatten. Manche sagten "wir werden heute Abend so gut spielen, dass die Jury an ihrer Entscheidung zweifeln wird".
 
Vor der Anspielprobe des Preisträgerkonzertes versuchte uns unsere Konzertmeisterin Sophia zu trösten und hat meiner Meinung nach genau ins Schwarze getroffen. Auch wenn wir nicht, so wie erhofft, die Sieger in unserer Kategorie sind, so sind wir doch die Sieger der Herzen. Nach unserem Wettbewerbsbeitrag sind einige Zuhörer zu uns gekommen und haben uns erzählt, wie stark wir sie berührt haben. Viele hatten Gänsehaut und ein paar mussten sogar weinen. Das wichtigste an der Musik ist doch, dass man Menschen erreicht. Dann hat man Erfolg. 
 
Ich glaube in ein paar Tagen werden wir das Ergebnis ein bisschen anders sehen und zufriedener damit sein. Letztendlich kann man Musik nicht nur durch Punkte bewerten, da jeder etwas anderes hört und somit Musik anders versteht. Wir haben es geschafft viele Menschen zu berühren und ich glaube, wir sind wirklich die heimlichen Sieger der Herzen. 

Montag, 2. Mai
Trotz des Wettbewerbes wurde heute Abend wieder geprobt. Dieses Mal standen die Stücke für unsere Konzertreise nach Rom auf dem Programm, doch bevor wir probten, sprachen wir über die verschiedenen Wettbewerbsbeiträge des vergangenen Tages. Herr Christ bestätigte unsere Beobachtungen, auch er hörte bei der Konkurrenz Wackler in der Rhythmik und der Intonation. Allerdings haben auch wir nicht einhundert Prozent perfekt gespielt, die Nervosität hat, glaube ich, bei jedem Orchester zu kleineren Fehlern geführt.
Herr Christs Fazit ist für uns alle erfreulich. Egal wie wir morgen bei der Ergebnisbekanntgabe abschneiden werden, er ist absolut zufrieden mit uns. Wir haben das Allerbeste aus uns herausgeholt und das ist alles, was zählt.

Je näher wir der Bekanntgabe kommen, desto aufgeregter sind wir alle. Aus jeder Ecke des Probenraumes hörte man Leute sagen: "Es wäre schon genial zu gewinnen!" Letztendlich liegt die Entscheidung bei der Jury, jede Jury wertet bestimmte Aspekte unterschiedlich, weswegen man nur spekulieren kann, wer gewinnen wird.
 
Geradeeben habe ich eine Email von Herr Christ empfangen. "Wir haben die Ehre zum Preisträgerkonzert am morgigen Dienstag um 16:30 im CCU eingeladen zu sein." Ich kann es kaum glauben! Das bedeutet wir haben 23 oder mehr Punkte. Auch wenn die Punktzahl nichts über den Platz aussagt, wie uns Herr Christ warnt, sind 23 Punkte im Bundeswettbewerb eine ziemlich gute Leistung.

Ich erinnere mich noch gut an das Preisträgerkonzert in Hildesheim. Wir hatten die Hoffnung als Zweitplatzierte zumindest unsere Urkunde beim Konzert überreicht zu bekommen, stattdessen kam sie mit der Post. Immerhin wird uns dieses Jahr die Urkunde beim Konzert überreicht, egal welchen Platz wir bekommen.
Zum Glück habe ich morgen dank der Abitur Zweitkorrekturen keinen Unterricht, ich könnte mich wahrscheinlich vor lauter Spannung und Nervosität überhaupt nicht konzentrieren. 

Sonntag, 1. Mai
Heute war es soweit: Unser Wettbewerbsbeitrag stand vor der Tür. Bereits direkt nach dem Aufstehen war ich ziemlich nervös, bis kurz vor dem Auftritt hatte ich das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Nachdem ich gefühlte einhundert Mal überprüft hatte, dass ich auch wirklich alles dabei hatte und wir uns eingespielt haben, ging es zum Soundcheck. Schon kurz nach 10 Uhr war der Konzertsaal voller, als bei manchen unserer Jahreskonzerten und um 10.30 Uhr, als es schließlich losging, war der Saal komplett gefüllt. Wir konnten kaum glauben, dass so viele Freunde, Verwandte und Schaulustige gekommen waren, um unsere drei Stücke anzuhören. 

Pünktlich ging es los mit "Nordic Fanfare", bei den folgenden Stücken "Deliverance" und "Hymn to the Sun" ging es um absolute Perfektion. Jeder Ton musste sitzen, jeder Rhythmus musste perfekt im Timing sein. Obwohl ich zu Beginn unseres Beitrages relativ entspannt war, fingen mittendrin plötzlich meine Hände zu zittern an und ich musste mich noch stärker konzentrieren, um alles richtig zu machen und die kleinen Klappen meiner Piccolo zu treffen.

Eine gute halbe Stunde später war alles vorbei, monatelang haben wir für den Wettbewerb geübt und dann war es so schnell vorbei. Es war nicht immer leicht, sich zu motivieren, die Stücke wieder und wieder zu üben, doch abschließend kann man sagen: Es hat sich wirklich gelohnt. Wie uns Herr Christ am Nachmittag per Whatsapp-Sprachnachricht über das Handy seiner Tochter mitteilte, hatte auch er das Gefühl, dass man hören konnte, dass wir unser Allerbestes gegeben haben.

Wir hatten es geschafft und waren so erleichtert, dass man es unseren Gesichtern sogar vom Publikum aus ansehen konnte. Einige von uns fielen sich danach überglücklich strahlend in die Arme, die Erleichterung war deutlich spürbar.
 
Nach dem Mittagessen mit ein paar ehemaligen JBU-lern hörten sich einige von uns noch Konkurrenz-Orchester an. An die Havixbecker konnte ich mich noch ziemlich gut vom letzten Wettbewerb vor vier Jahren erinnern. Auch dieses Mal sind sie definitiv wieder unter den ernst zu nehmenden Konkurrenten.
Der Tag war sehr aufregend und es war interessant, die Konkurrenz anzuhören. Durch die wirklich guten Leistungen der Orchester in unserer Kategorie bleibt es sehr spannend, bis wir am Dienstag bei der Bekanntgabe auf dem Marktplatz endlich erfahren, wer letztendlich das Rennen gemacht hat.  

Samstag, 30. April
Heute Morgen, um neun Uhr, stand unsere Generalprobe an. Der Blick in verschlafene Gesichter zeigte, dass alle ziemlich müde waren, aber so kurz vor dem Wettbewerb muss man eben ab und zu ein bisschen Schlaf opfern. Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass wir trotz der Müdigkeit von Anfang an einen guten Ansatz hatten und somit direkt effektiv Proben konnten. Während der Probe zeigte uns Herr Christ ein letztes Mal Details auf, die wir nachmittags auf unserer "Übefarm", wie er so gerne sagt, perfektionieren sollten. Nach der Probe ging es ans Verladen des Schlagzeuges. Die Stimmung im Orchester war voller Vorfreude auf Sonntag, der Tag an dem sich herausstellt, ob sich das ganze Üben gelohnt hat. 

Freitag, 29. April
In zwei Tagen ist es endlich soweit: Das Finale des Deutschen Orchesterwettbewerbes geht in Ulm über die Bühne. Als wir von Herr Christ noch vor dem Landeswettbewerb erfuhren, dass das nächste Bundesfinale in Ulm stattfinden würde, waren wir aufgeregt und umso motivierter, den ersten Platz des Landeswettbewerbes zu belegen. Im Mai 2015 erreichten wir diesen nämlich und durften zum Bundesfinale fahren.

Jetzt sind wir alle schon gespannt auf Sonntag. Wie toll wäre es im CCU einen der Spitzenplätze zu belegen! Mit dem Heimspiel kommt allerdings nicht nur die Vorfreude. Ein gewisser Druck ist ebenfalls spürbar. Wenn man schon den Heimvorteil hat, möchte jeder Einzelne das Beste aus sich herausholen, damit das Orchester eine Topleistung abliefert.

Mit lobenden Worten motivierte uns Herr Christ heute Abend nochmal ordentlich und wies auf letzte verbesserungswürdige Details hin, damit bei unserem Wettbewerbsvortrag alles sitzt. Je näher wir unserem Auftritt kommen, desto größer ist die Anspannung, vor allem aber die Vorfreude. Morgen steht noch eine letzte Probe an bevor es am Sonntag endlich los geht.


Tagebuch Blaustein Auch von der Bläserphilharmonie der Stadt Blaustein berichtet ein Teilnehmer aktuell in einem Tagebuch. Christoph Michl ist 17 Jahre und spielt Euphonium - und er erzählt von seinen Erlebnissen und Eindrücken vom Deutschen Orchesterwettbewerb in Ulm. Zu seinem Tagebuch geht es hier.