Am 25. Januar hatten die Basketballer Grund zum Jubeln. Drei Volks- und Raiffeisenbanken aus der Region sagten Kredite für den Orange Campus zu. Die Finanzierung ist damit aber immer noch nicht gesichert. Denn der Ulmer Gemeinderat hat noch nicht über die Zuschüsse entschieden, und so lange kein öffentliches Geld fließt, geben die Banken auch keine Darlehen. Ein Überblick:

Öffentliches Geld Der Neu-Ulmer Stadtrat hat bereits beschlossen, 1,5 Millionen Euro Zuschuss zu zahlen. Ulm wäre mit rund 6,2 Millionen Euro dabei: 3 Millionen Zuschuss und 3,2 Millionen Darlehen.

Kosten Je nach Betrachtung kostet der Orange Campus 22,8 oder 19,2 Millionen Euro. Die Differenz erklärt sich aus der Vorsteuer. Sie macht bis zu 3,6 Millionen Euro aus. Der höhere Betrag ist also die Bruttosumme, der niedrigere die Nettosumme. Nach Auskunft des Neu-Ulmer Kämmerers Berthold Stier haben die Finanzbehörden zugesagt, Vorsteuer zu erstatten. Über die genaue Höhe gibt es noch keine Angaben.

Finanzierung Beim Orange Campus wird unterschieden in einen zuwendungsfähigen und einen nicht-zuwendungsfähigen Teil. Ersterer besteht aus den Sporthallen, dem Kraftraum, der Vereinsgeschäftsstelle – aus all den Bereichen also, für die öffentliches Geld verwendet werden darf. Nicht-zuwendungsfähig sind dagegen die kommerziellen Bereiche des Orange Campus, beispielsweise Fitnesszentrum, Restaurant und Shops. Sie müssen mit rein privatem Geld bezahlt werden. Dass ein so großer kommerzieller Bereich den sportlichen Teil mitfinanziert, ist ungewöhnlich und wird von Ulmer Seite derzeit in Frage gestellt. Die Finanzierung des Orange Campus ruht auf zwei Säulen.

Zuwendungsfähiger Teil Bei Gesamtkosten von brutto 22,8 Millionen Euro entfallen 10,4 Millionen (46 Prozent) auf den zuwendungsfähigen Teil. Dessen Finanzierung (gerundet) sieht so aus: 6,2 Millionen Euro sollen aus Ulm kommen, 1,5 Millionen aus Neu-Ulm, 700 000 Euro vom Württembergischen Landessportbund. 2,1 Millionen Euro will der Verein Eigenkapital einbringen.

Nicht-zuwendungsfähiger Teil 12,4 Millionen Euro (54 Prozent) müssen privat finanziert werden. 9 Millionen davon entfallen auf die Bank-Darlehen, 3,4 Millionen auf Darlehen von Basketball-Partnern und der BBU 01 GmbH, in der der Profisport zusammengefasst ist. Letztere Darlehen gelten als Risikokapital und ersetzen fehlendes Eigenkapital. Beide Städte sehen das kritisch. Es sei von den Basketballern die Erwartung geweckt worden, sie würden mehr Eigenkapital aufbringen, sagte Stier. Neu-Ulm trägt diesen Teil der Finanzierung dennoch mit, da es sich um ein „Leuchtturmprojekt“ mit überregionaler Strahlkraft handele.

Grundstück Das Gelände an der Donau, auf dem der Orange Campus entstehen soll, gehört beiden Städten. Sie stellen es dem Basketball-Verein, dem Bauherr, per Erbbaurechtsvertrag zur Verfügung. Das Grundstück bleibt im städtischen Eigentum, der Verein BBU 01 kann es aber auf Jahrzehnte hinaus nutzen und zahlt dafür pro Jahr 45 000 Euro Erbbauzins, eine Art Miete, an Ulm und Neu-Ulm.

Grundschuld Um die Bank-Darlehen abzusichern, kann der Verein eine Grundschuld auf das Grundstück eintragen lassen: in Darlehenshöhe, also über 9 Millionen Euro. Rechtlich ist das zulässig. Geht alles seinen normalen Gang, wäre diese Konstruktion problemlos. Schwierig würde es bei einer Insolvenz des Vereins.

Heimfall Die Städte haben sich abgesichert für den Fall, dass der Verein pleite ginge. Der gesamte Orange Campus würde an Ulm und Neu-Ulm fallen. Bei diesem so genannten Heimfall würden Verein und Basketball-Verantwortliche leer ausgehen: Sie bekämen keine Entschädigung für das Geld, das sie in das Projekt gesteckt haben.

Allerdings hätte der Heimfall für die Städte zwei Pferdefüße. Erstens müssten sie die Grundschuld übernehmen und die Banken auszahlen – je nach Zeitpunkt einer möglichen Insolvenz könnten bis zu 9 Millionen Euro anfallen. Zusammen mit Zuschüssen und Darlehen könnte sich die städtische Beteiligung also auf 16,7 Millionen Euro summieren.

Zweitens würde auch der kommerzielle Teil des Campus an die Städte fallen. Sie hätten zwar problemlos Verwendung für die Trainingshallen, müssten aber Büros, Restaurants und Fitnesszentrum selbst betreiben oder vermarkten. Um das Risiko zu minimieren, denkt Ulm über eine Aufteilung des Erbbaurechts auf kommerziellen und sportlichen Teil nach.

Vermietung Die Vermietung der Büros, Restaurants, Fitnessräume und Shops soll helfen, das Gesamtprojekt Orange Campus in den schwarzen Zahlen zu halten. Eine Bedingung der Städte ist: Mindestens 50 Prozent des kommerziellen Teils müssen vor Projektstart über Vorverträge vermietet sein. Diese Bedingung ist formal erfüllt. Allerdings ist der Proficlub selbst einer der Mieter, er muss also Miete an den Breitensportverein zahlen. Ginge es sportlich und finanziell bergab, könnte dies Probleme auslösen. Die übrigen Interessenten zählen nur zum kleineren Teil als „echte Fremdvermietungen“. Die meisten künftigen Mieter sind mit dem Basketball verbunden. Die Städte pochen bei den Vermietungen auf ein Kontrollrecht.