Die Debatte um den Orange Campus droht die Politik der Städte Ulm und Neu-Ulm zu spalten. Damit haben die leidenschaftlichen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate um das 20-Millionen-Euro-Nachwuchszentrum am Donauufer eine neue Dimension erreicht.

Auf beiden Seiten des Flusses befassten sich die Stadträte am Mittwochabend mit dem aktuellen Stand des Projekts. In der öffentlichen Sitzung des Neu-Ulmer Stadtrats bekannten sich OB Gerold Noerenberg und mehrere Fraktionen fest zum Projekt der Basketballer von Ratiopharm Ulm. Noerenberg und mehrere Fraktionsvorsitzende warfen der Ulmer Stadtspitze und dem Gemeinderat vor, sich von den stets gemeinsam gefassten Beschlüssen zu distanzieren.

Die Neu-Ulmer Stadträte äußerten zwar ein gewisses Verständnis für die Bedenken der Ulmer Seite – zumal Ulm deutlich mehr Geld geben würde. Neu-Ulm wäre mit 1,5 Millionen Euro Zuschuss dabei, Ulm dagegen mit 6,2 Millionen: 3 Millionen Zuschuss und 3,2 Millionen Darlehen. Die bayerische Seite hält das Risiko des Projekts für vertretbar. OB Noerenberg: „Wenn die Ulmer beim Münster so ein Problem gehabt hätten, würde es heute nicht stehen.“

Das kommentierte der OB der Münsterstadt, Gunter Czisch, nur knapp: „Eine gelegentliche Auseinandersetzung muss eine gute Partnerschaft aushalten.“ Er widerspreche aber „vehement“, dass es krisele. „Ich habe große Sympathie für den Campus, aber wir fördern das mit einer ganz anderen Intensität als Neu-Ulm.“ BBU-Geschäftsführer Andreas Oettel: „Ich hoffe, die Debatte führt nicht zu einer Spaltung.“

Der Neu-Ulmer Kämmerer Berthold Stier sprach von einem „nicht einfachen Projekt“. Es gebe Risiken, er hält sie jedoch für überschaubar. Stier wies angesichts des drohenden Aus darauf hin, dass bereits 1,3 Millionen Euro an Planungskosten ausgegeben sind – von den Basketballern.

Das unübersichtliche Konstrukt sei auf Druck beider Städte zustande gekommen, sagte Noerenberg. „Wir wollten, dass ein Verein involviert ist, weil nur ein Verein Sportförderung erhalten kann.“ Das dürfe man nicht der BBU zum Vorwurf machen.

Noch deutlicher wurde die SPD-Fraktionschefin Antje Esser: „Wir fühlen uns an die Seitenlinie gestellt.“ Für Neu-Ulm sei der Orange Campus von Anfang an ein gemeinsames Projekt mit Ulm gewesen, damals noch unter OB Ivo Gönner und seinem Nachfolger Czisch als Finanzbürgermeister. „Jetzt nochmal alles aufzudröseln, kann der Todesstoß für das Projekt sein.“ Es gelte nun Brücken zu bauen und zu schauen, wie der Campus, „der uns lieb, teuer und wichtig ist“, verwirklicht werden kann. Rückenwind kam auch von CSU, PRO und FDP. Ihr Tenor: Wenn es um hohe Summen öffentlichen Geldes gehe, müsse genau geprüft und abgewogen werden. Am Ende müsse aber das Ja zum Orange Campus stehen. Vize-Bürgermeister Albert Obert (PRO): „Ohne Risiko gibt es keinen Fortschritt.“

Auf Ulmer Seite bezeichnete CDU-Fraktionschef Thomas Kienle das Ganze als „Fiktionsdebatte“: „Wir werden jetzt ein klares Konzept vorgeben, und die Basketballer müssen schauen, ob sie da mitgehen.“ Mit der Taktik „Alles oder nichts“ würden sie aber eher bei nichts landen. Für die Grünen sagte Sigrid Räkel-Rehner: „Wenn das Projekt gelingen soll, kommt es auf Verträge und Beschlüsse an, nicht auf Siegesmeldungen.“

SPD-Fraktionschefin Dorothee Kühne sagt: „Es wäre bedauerlich, wenn Kommunikationsprobleme das Projekt gefährden würden. Die Störungen müssen ausgeräumt werden.“ Tenor von FWG und FDP: Nicht unter Druck setzen lassen und in Ruhe prüfen. Nicht alles, was verkündet werde, halte der Überprüfung stand.