Projekt Orange Campus: Wird das Projekt gesplittet?

Ulm / Harald John 19.02.2018
Am Dienstag beraten Ulmer Stadträte erneut über das geplante Nachwuchs-Leistungszentrum. Offenbar liegt ein Kompromiss vor. Wird das Projekt gesplittet?

Das Münster illuminiert in Orange, die Arena ausverkauft, der Jubel der Fans groß: Ulms Basketballer haben trotz des verpassten Pokalfinales ein großartiges Wochenende hinter sich. Ob die kommenden Tage gleichermaßen erfolgreich werden, ist allerdings nicht sicher. Wenn morgen die Arbeitsgruppe des Gemeinderates zusammentritt, dürfte die heiße Phase zur Entscheidung des Orange Campus begonnen haben.

Die letzten Tage haben erneut gezeigt, wie wichtig ein Leistungszentrum für den Basketball-Nachwuchs sein könnte. Am Rande des Top-Four-Turniers wurde Ulm für seine Jugendarbeit gelobt, die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete den Club als „Zulieferbetrieb“ für die großen Vereine in Deutschland und Europa. Und der gebürtige Ulmer Uli Hoeneß, der auf der Tribüne saß, lobte das 22-Millionen-Projekt auf der Neu-Ulmer Seite der Donau.

Doch die Ulmer Stadtpolitik tut sich schwer mit einer Entscheidung. Derzeit dringen keine Informationen nach außen, weder aus dem Rathaus noch von den Basketballern. Ist das ein gutes Zeichen, dass nach atmosphärischen Störungen nun eine Phase der konzentrierten Zusammenarbeit angebrochen ist? Zuletzt hatte nur Reinhold Eichhorn von der FWG die „Alles oder nichts“-Philosophie der BBU-Geschäftsführer Andreas Oettel und Thomas Stoll kritisiert.

Hilft auch Neu-Ulm aus?

Doch nach SWP-Informationen liegt ein tragfähiger Kompromiss auf dem Tisch. Die Verwaltung hat offenbar ein Modell entwickelt, nach dem das Grundstück und die Bebauung in einen sportlichen, mit öffentlichen Mitteln geförderten Teil und einen kommerziellen  Teil gesplittet werden. Das bedeutet grob vereinfacht, dass mit den Fördermitteln der Städte Ulm und Neu-Ulm, des Landessportbundes und öffentlichen Darlehen drei Hallen gebaut werden. Zudem denkt offenbar die Stadt Neu-Ulm, die die Ulmer wegen der Entscheidungsverzögerungen kritisiert hatte, ebenfalls über ein Darlehen nach.

Die BBU-Geschäftsführer, die zu diesem Zweck mehrere GmbHs gegründet haben (siehe Grafik), argumentieren, dass der alleinige Betrieb von Sporthallen wirtschaftlich nicht tragfähig ist. Deshalb soll das Areal ergänzt werden um Fitnessstudios (eins für den Profibetrieb, ein öffentliches, für das es schon einen Bewerber gibt), um Praxen, Büros, ein Internat für den Nachwuchs und einem Biergarten.

Dieser Teil des Campus müsste separat finanziert und abgesichert werden. Und auch da konnten die Basketballer mit der Nachricht punkten, dass die drei Volks- und Raiffeisenbanken Neu-Ulm, Langenau und Laupheim-Illertal Darlehen von neun Millionen Euro eingeräumt haben. Knackpunkt: Dieses Darlehen müsste bei einem Scheitern des Gesamtprojektes von der Stadt abbezahlt werden, Ulm bliebe bei einem Heimfall auf den Hallen jenseits der Donau sitzen.

Deshalb hatten Stadträte auf Ulmer Seite mit leichter Polemik angemerkt, die Bayern könnten ja – wenn es ihnen so wichtig sei – den Orange Campus allein bauen. Aber dies- und jenseits der Donau stehen die Zeichen auf Entspannung.

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