Verkehr Olgastraße: Nachts nur noch Tempo 30

Seit Jahren werden die nächtlichen Rennen mit teilweise schweren Unfällen auf der Olgastraße beklagt.
Seit Jahren werden die nächtlichen Rennen mit teilweise schweren Unfällen auf der Olgastraße beklagt. © Foto: Oliver Schulz
Ulm / HANS-ULI MAYER 20.08.2015
Seit Jahren werden die nächtlichen Rennen mit teilweise schweren Unfällen auf der Olgastraße beklagt. Jetzt reagieren Stadt und Polizei und wollen unter anderem in den Nachtstunden Tempo 30 einführen. Mit einem Kommentar von Hans-Uli Mayer und einer Umfrage.

Für Anwohner ist die Olgastraße seit Jahren eine Rennstrecke. Vor allem nachts, wenn wenig Verkehr ist und nach 23 Uhr die Ampelanlagen ausgeschaltet sind, heulen regelmäßig die Motoren auf und quietschen Reifen.  Der schwere Verkehrsunfall in der Nacht auf den 1. August  scheint jetzt den Ausschlag gegeben zu haben für umfangreiche Maßnahmen, mit denen Stadt und Polizei die Situation beruhigen wollen.

In einem Brief an die Fraktion der Freien Wähler im Ulmer Gemeinderat listet OB Ivo Gönner ein ganzes Bündel auf. Aus dem Antwortschreiben auf einen Antrag von Anfang August zur Verkehrssicherheit auf der Olgastraße geht hervor, dass die Stadt vor kurzem eine Woche lang verdeckt den Verkehr beobachtet hat. Insgesamt hätten sich die Geschwindigkeitsverstöße zwar im Rahmen gehalten. „Auffallend waren aber vereinzelte Fahrzeuge, (...) die mit hoher Geschwindigkeit aufgezeichnet wurden“, heißt es in dem Schreiben.

Seit einigen Tagen bereits ist der Betrieb der Verkehrsampeln um zwei Stunden von 23 Uhr auf 1 Uhr verlängert worden. Ebenfalls werden weitere verdeckte Verkehrszählungen mit Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt, um die Auswirkungen zu messen. „Wir wollen nach den Ferien auch 14 Tage konsequent kontrollieren“, kündigt der Leiter der Bürgerdienste, Roland Häußler, schon mal an. Und als dritte Sofortmaßnahme teilt der OB den Aufbau einer stationären Geschwindigkeitsmessanlage mit, für die offenbar auch schon ein „geeigneter Standort“ gefunden wurde. Dem Vernehmen nach soll der Starenkasten zwischen Salzstadelgasse und Landgericht installiert werden.

Bis zum Jahreswechsel soll zudem eine weitere, vielleicht die wichtigste Maßnahme umgesetzt werden. Wie schon länger geplant will die Stadt während der Nachtstunden zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens die Höchstgeschwindigkeit auf der Olgastraße auf Tempo 30 beschränken.

Hierfür braucht es noch einen Beschluss des Gemeinderats, weshalb diese Beschränkung nicht sofort umgesetzt werden kann. „Das ist immer problematisch auf Hauptverkehrachsen, aber das müssen wir jetzt einfach versuchen“, sagt Häußler, der überdies beklagt, wie vergleichsweise niedrig in Deutschland die Bußgelder bei Tempoverstößen seien. Häußler: „Das ist auch im europäischen Vergleich wirklich nicht überzogen.“ Er selbst jedenfalls wäre sofort dafür, so genannte Schnellfahrer deutlich härter zu bestrafen.


Am Samstagabend Raser an roter Ampel erwischt

Ein Kommentar von Hans-Uli Mayer: Endlich wird reagiert

Es ist wirklich traurig. Aber wieder einmal hat sich der alte Spruch bestätigt, dass erst etwas passieren muss, bevor ein Missstand behoben wird. Passiert ist wahrlich genug auf der Olgastraße. Schwere Unfälle, bei denen zumeist unbeteiligte Personen Opfer wildgewordener Hochgeschwindigkeits-Junkies wurden, die sich mit ihren aufgemotzten Fahrzeugen auf dem Altstadtring Rennen geliefert hatten. Seit Jahren ist die nächtliche Raserei unter Anwohnern ein dauerhaftes Thema. Und es ist ein Ärgernis, dass die Polizei die Rennen auf dem Altstadtring seit Jahren mehr oder weniger bestreitet. Es mag schwierig sein, in den Nachtstunden einzelne Raser zu überführen – unmöglich ist es aber nicht, wie das jüngste Beispiel vom vergangenen Wochenende eindrucksvoll zeigt. Jetzt also wird reagiert. Endlich! Tempo 30 und die verlängerten Ampelzeiten erscheinen sinnvoll. Ob man sich von einer stationären Messstelle, also einem so genannten Starenkasten, viel versprechen soll, darf bezweifelt werden. Die jungen Raser mögen intellektuelle Defizite haben, vor einem solchen Blitzer zu bremsen, schaffen aber auch sie noch. Stadt und Polizei müssen deshalb auf dem Altstadtring weiterhin konsequent mit mobilen Anlagen kontrollieren. Nur wenn sie einige der Vollgasgeber erwischen und sich hartes Durchgreifen gegen sie und die juristische Folgen in der Szene herumsprechen, lassen sich andere Raser vielleicht abschrecken.