Ulm Ohne Shop-Navi die pure Schnitzeljagd

Steine weg, Bücher da: Winfried Bader zieht in die Räume der "Schatztruhe". Foto: Volkmar Könneke
Steine weg, Bücher da: Winfried Bader zieht in die Räume der "Schatztruhe". Foto: Volkmar Könneke
Ulm / BIRGIT EBERLE 04.10.2012
Wohin soll das bloß führen? Weil in der City einige Geschäfte umziehen, landet man bald statt im Antiquariat im hippen Szene-Laden.

Jeder hat so seine "Rennstrecken" durch die Innenstadt, bewegt sich auf eingetrampelten Pfaden. Zuerst zum Bäcker in die X-Gasse, dann zum Schuhgeschäft am Y-Platz - und zwischendurch für einen Espresso in das Café in die Z-Straße.

Damit ist für manchen routinierten Gelegenheitseinkäufer und Power-Shopper nun Schluss, denn einige Geschäftsleute stellen gerade, ob gewollt oder ungewollt, Flexibilität unter Beweis: Sie haben das Aus-, Um- und Einziehen für sich entdeckt, weshalb das Einkaufen geradezu Schnitzeljagdcharakter bekommt.

Beispiel Herrenkellergasse. Wer in dem Fachwerkhaus an der Ecke Rabengasse wie üblich antiquarische Bücher und Grafiken sucht, wird nicht mehr fündig. Noch steht der Laden leer, die Firma "Amarillo" - auf südamerikanisches Essen spezialisiert - hat ihn angemietet und verspricht etwas komplett Neues für Ulm. Das Antiquariat Bader ist weg - umgezogen in die Walfischgasse/Ecke Ulmer Gasse.

Dort angekommen, trifft der aufatmende Buchliebhaber dann vielleicht auf enttäuschte Stein-Enthusiasten, die sich wundern, was denn mit ihrer "Schatztruhe" passiert ist. Keine Panik: Sie wurde nicht geraubt, sie ist einfach nur - umgezogen. Und zwar einige Häuser weiter nach vorn in Richtung Hirschstraße. Dort ist sie in einem Separée der Schneiderei "Am selben Tag" untergekommen, genau da, wo früher der Outdoorspezialist "Rocksports" Bergsportartikel verkaufte - bevor er seine Zelte in Ulm abbrach.

Die Fans gepflegter Hifi-Anlagen wiederum reiben sich an der Ecke Hafenbad/Nördlicher Münsterplatz seit wenigen Tagen verdutzt die Augen. Wie sollen sie sich jetzt bloß die Ohren verwöhnen lassen? Die Lösung ist nah: Nichts wie ab in die Neue Straße! Unterhalb der Steinernen Brücke hat der Hifi-Spezialist Kemper nun in den ehemaligen Räumen von Bastelbedarf Rayher Unterschlupf bekommen. Weil der Laden recht groß ist, reicht er auch für die Kemper-Dependance, die bisher im Laden direkt daneben war. Die Folge: ein Doppelumzug für den "guten Ton". Wo Rayher geblieben ist? Gäbe es ein Shop-Navi, hieße es im Untergeschoss von "Abt" am Münsterplatz "Sie haben Ihr Ziel erreicht".