Kirche Ohne den Dialog geht es nicht

Bis Januar ist Volker Bleil noch Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche (rechts). Dann wechselt er in die Schweiz und wird theologischer Leiter des Bildungshauses Kloster Kappel.
Bis Januar ist Volker Bleil noch Pfarrer an der Martin-Luther-Kirche (rechts). Dann wechselt er in die Schweiz und wird theologischer Leiter des Bildungshauses Kloster Kappel. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Verena Schühly 12.09.2018

Mir stehen spannende Zeiten bevor“, sagt Volker Bleil, Pfarrer der evangelischen Martin-Luther-Kirche. „Und das in zwei Stufen.“ Stufe eins bedeutet, dass der 56-Jährige derzeit Koffer packt und Mitte nächster Woche für drei Monate zu einem Kontaktstudium in den Libanon aufbricht. Mitte Dezember kommt er wieder, feiert mit der Gemeinde Weihnachten und den Jahreswechsel – und dann zündet Stufe zwei: Bleil wechselt die Stelle. Er verlässt Ulm und geht in die Schweiz, wo er theologischer Leiter von Kloster Kappel wird, dem Einkehr- und Bildungshaus der Züricher Landeskirche.

Dass beides jetzt zeitlich zusammenkommt, war nicht geplant. Schon vor zwei Jahren hat sich Bleil für das Kontaktstudium beworben. Einmal im Lauf ihres Berufslebens dürfen evangelische Pfarrer ein dreimonatiges Bildungsprogramm machen. Der Ulmer geht an die Near East School of Theology (NEST) in Beirut, um den islamisch-christlichen Dialog zu vertiefen. In der NEST werden evangelische Theologen für ihren Einsatz im Nahen und Mittleren Osten ausgebildet.

„Im Libanon leben Menschen aus 18 verschiedenen Konfessionen. Dort gibt es 1400 Jahre Erfahrung im interreligiösen Miteinander“, sagt Bleil. Das ist eines seiner Steckenpferde, die er seit 15 Jahren in Ulm vorantreibt – in der Weststadt, in der Flüchtlingsarbeit und in seinem Engagement im Rat der Religionen.

Der Dialog ist für ihn von zentraler Bedeutung: „Die Welt ist ein Dorf geworden, da muss man sich kennen, um friedlich miteinander zu leben.“ Und: „Man kann heute nicht mehr Theologie betreiben, ohne nach rechts und links zu schauen“, davon ist Bleil überzeugt. „Die Wahrheit des Glaubens entfaltet sich im Kontakt. In der Begegnung kann man auch lernen, das Eigene tiefer zu verstehen.“

Und bei all den Zerrbildern, die es über Religionen und ihre Anstiftung zu Krieg und Streitigkeiten gibt, richtet Volker Bleil sein Augenmerk auf die gemeinsame Basis: die Ethik der Menschlichkeit, die Liebe und die friedensstiftende Kraft. „Das ist alternativlos.“

Seit 2003 hat Bleil das geschäftsführende Pfarramt der Martin-Luther-Kirche inne: „Ich fühle mich hier in Ulm sehr verwurzelt – und dennoch ist es gut, nach 15 Jahren nochmal was Neues zu machen. Daher gehe ich wirklich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Zehn Berufsjahre kommen auf ihn noch zu, und in denen wird er Grenzgänger sein. Denn wohnen wird er in Konstanz mit seiner Frau, die Schweizerin ist. Bleil selbst hat seit Studientagen enge Beziehungen zu den Eidgenosssen, hat selbst drei Semester in Zürich studiert und auch mal eine Pfarrstelle dort vertreten.

Am 1. Februar beginnt seine Dienstzeit als theologischer Leiter von Kloster Kappel. „Das ist eine tolle Stelle“, freut er sich auf die neue Herausforderung. Zu seinen Aufgaben gehört es, das Programm des Bildungshauses aufzustellen und geistlich zu begleiten. „Die Schweiz ist eine viel stärker säkulare Gesellschaft – und da kann Kappel ein Gegengewicht sein. Es kann Menschen Zugänge zu Ruhe und Spiritualität  eröffnen.“ Für eine Pfarrgemeinde ist Bleil dort nicht mehr verantwortlich, aber sein Hauptaugenmerk wird weiterhin darin liegen, „Menschen für das Evangelium anzusprechen“.

Die offizielle Verabschiedung von der Martin-Luther-Kirche wird am Sonntag, 13. Januar, gefeiert. 

Bildungshaus und Tagungshotel

Geschichte Das Kloster Kappel liegt zwischen dem Zuger- und dem Zürichsee und ist ein ehemaliges Zisterzienserkloster. Gegründet wurde es 1185. Nach der Reformation fiel die Anlage als Besitz an den Kanton Zürich. Seit 1983 nutzt die evangelisch-reformierte Landeskirche das Areal als Seminarhotel und Bildungshaus. Zunächst trug es den Namen „Haus der Stille und Begegnung“, seit 2008 heißt die Einrichtung wieder Kloster Kappel.

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