Linie 2 Offizieller Beginn der Bauarbeiten für die Linie 2 mit dem Verkehrsminister

Ulm / JAKOB RESCH 15.10.2015
Also jetzt ist es wirklich endlich so weit: Der Spatenstich für die neue Straßenbahnlinie ist gesetzt worden. Von zehn Leuten. Darunter der Verkehrsminister.

Es wurde geplant, kommuniziert, entschieden, geprüft und genehmigt. Und jetzt? Wird gebaut. So fasst es Ingo Wortmann zusammen, sieben Jahre nachdem der Gemeinderat die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) damit beauftragt hat, den Betrieb einer neuen Straßenbahnlinie für Ulm zu prüfen. Wortmann ist als Verkehrschef der SWU so was wie der oberste Bauherr. Zum Spatenstich auf dem Kuhberg ist gestern nun sogar der Landesverkehrsminister gekommen. Die Statements:

Ingo Wortmann Der Mann von den SWU redet mit Blick auf die Anwohner nicht groß drumrum: „Die einzig gute Nachricht ist heute: In zwei bis drei Jahren wird alles sehr schön sein.“ Aber bis dahin dürften volle Busse, längere Fahrzeiten, Baustellen Ärger machen. „Wir bauen eine Straßenbahn in der Stadt und nicht auf der grünen Wiese.“ Gleichwohl ist Wortmann überzeugt: „Der größte Teil der Bürgerschaft steht hinter diesem Projekt.“ Das ist sein Eindruck aus den Bürgerforen, die der Vorbereitung im Übrigen den Stempel aufdrückten: Planung und Kommunikation seien heute nicht mehr voneinander zu trennen; dabei habe man es für die Linie 2 im Laufe der Jahre gerade auf dem Kuhberg schon mit einem Generationswechsel zu tun gehabt – und wieder alles von vorne erklären müssen.

Ivo Gönner Auch der Oberbürgermeister weiß zum Spatenstich: „Das Verständnis wird sich in Grenzen halten, wenn die Bagger real auffahren.“ Allerdings gehe es bei der Linie 2 nicht nur um ein Nahverkehrsprojekt, dahinter stecke „eine stadtentwicklungspolitische Überlegung“. Hintergrund: Die Linie verbindet vom Schulzentrum Kuhberg über den Hauptbahnhof bis zur Wissenschaftsstadt auf der ganzen Strecke aktuelle und künftige Entwicklungsgebiete. „Die Stadt wird wachsen.“ Die Straßenbahn werde die Menschen bedienen. Zumal die Mobilität der Menschen wachse. Für Gönner ist die Straßenbahn deswegen Teil eines „Mosaiks“ mit dem überregionalen (Schnellbahntrasse nach Stuttgart) und regionalen (Regio-S-Bahn) Verkehr. Der Fahrplan stehe: Fertigstellung in drei Jahren.

Winfried Hermann Baden-Württembergs Verkehrsminister lobt im trüben Herbst „ein Projekt, das was für die Sonne ist“. Ulm profitiere davon, dass es vor 50 Jahren nicht wie andere Städte „alles abgeräumt“ hat, was Straßenbahn war. Ohne die Schiene seien heute weder Stauprobleme noch Luftreinhaltung in den Griff zu bekommen. Hermann freut sich, dass Bund und Land ihren Teil zur Finanzierung des 190 Millionen Euro-Projekts beitragen. „Jetzt brauchen wir weitere Mittel für Projekte wie den Ulmer Stern“ – das S-Bahn-Konzept. Und, klar: „Wir brauchen die Menschen, die umsteigen.“

Ein Kommentar von JAKOB RESCH: Der große Bogen

Puh, es fröstelte die vereinten Verantwortlichen gestern ganz nett beim Spatenstich für die zweite Ulmer Straßenbahnlinie. Aber nicht, dass sie jetzt das große Zittern vor dem abzusehenden Bürger-Unmut wegen der Bauarbeiten bekommen hätten. Nein: Es ist jetzt halt Herbst.

Ohnehin sind die Ulmer Kommunalpolitiker und Verwaltungsfrontleute inzwischen hartgesotten genug gegen so manche Anfeindung. Interessant war denn auch, dass sich der Oberbürgermeister zum offiziellen Start der Arbeiten nicht etwa in den Feinheiten der Streckenabschnitte verlor, sondern auf den großen Bogen dieses Schienenprojektes abhob. Er sagte, dass es mit dem Ausbau um weit mehr gehe als um die Verbindung zweier Ulmer Berge.

Für Ivo Gönner ist das Projekt ein Meilenstein für Stadtentwicklung und Mobilität, wobei es nicht nur um umweltfreundliches Fahren geht, sondern darum, künftig überhaupt noch fortzukommen. Dafür dankte er dem Gemeinderat. Und dem Gemeinderat. Und noch mal dem Gemeinderat für Schulterschluss in dieser Sache.

Das hieß, dass Gönner Entscheidungen dieser Größenordnung nicht Einzelinteressen überlassen will. Es war aber auch eine Reminiszenz an seine lange Amtszeit. Vor 16 Jahren ging das Fünflinien-Straßenbahnkonzept nicht zuletzt wegen eines sich hämisch bekriegenden Gemeinderats unter. Die Ideologie von 1999 ist heute von vorgestern. Es geht auch ohne heiße Herzen voran. Und gestern sogar unterkühlt.

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