Schreiben Offener Brief zu „Feuchts Einwurf“ im SpaZz

Ulm / swp 13.02.2018
Der offene Brief an den KSM Verlag zu „Feuchts Einwurf“ im SpaZz vom Dezember 2017.

Der SpaZz, so heißt es auf der Internetseite des herausgebenden KSM Verlags, sei ein Stadtmagazin, „das Spaß macht!“ Und der neue Verlagsleiter Michael Köstner fügt in seinem Antrittsinterview im Heft vom Januar 2018 hinzu: „Die Marke SpaZz steht für mich vorrangig für offenen und ehrlichen Journalismus.“ Keine Frage, das ist ein guter und richtiger Ansatz. Auch das Eintreten für kritisches, pointiertes Hinterfragen, für das Aufzeigen von Missständen und – so zusammenfassend in der Selbstdarstellung – für „kontroverse Inhalte“ ist eine positive und in Ulm durchaus notwendige Position. Was aber heißt das konkret, wenn man in das Heft vom Dezember 2017 sieht und dort „Feuchts Einwurf“ liest. Da wird nämlich wieder einmal „Quergedachtes von Walter Feucht“ abgedruckt, diesmal ein „Einwurf“ unterdem Titel „Eine Schlaraffiade“. Dieser Artikel spricht der Schlussformel von Herrn Feucht Hohn, er ist nämlich weder „seriös“ noch „herzlich“. Er ist nur eins: demagogisch. Was mag sich der Autor (und der Herausgeber dieses Magazins) dabei gedacht haben mit diesem Artikel, dessen Sprache – und dessen leitende Gedanken – mit Angst- und Hassformulierungen durchsetzt sind und der ganz systematisch und beständig mit unbelegten Behauptungen operiert?

Da werden Zahlen genannt, etwa die von angeblich rund 500.000 unregistrierten Geflüchteten, die bereits 2015 in der BILD-Zeitung auftauchten und vom Bundesinnenminister umgehend als „absurd" zurückgewiesen wurden. Da werden pauschal „Flüchtlinge, Migranten und Zuwanderer“ völlig undifferenziert unter Generalverdacht gestellt, da wird herabgewürdigt („Maghrebgebildete“), gedemütigt, angegriffen und verletzt. Wie schon die Philosophin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Carolin Emcke, in ihrem Buch »Gegen den Hass“ schreibt: „Gehasst wird ungenau. Präzise lässt sich nicht gut hassen. Mit der Präzision käme die Zartheit, das genaue Hinsehen oder Hinhören, mit der Präzision käme jene Differenzierung, die die einzelne Person mit all ihren vielfältigen, widersprüchlichen Eigenschaften und Neigungen als menschliches Wesen erkennt. Sind die Konturen aber erst einmal abgeschliffen, sind Individuen als Individuen erst einmal unkenntlich gemacht, bleiben nur noch unscharfe Kollektive als Adressaten des Hasses übrig, wird nach Belieben diffamiert und entwertet, gebrüllt und getobt: die Juden, die Frauen, die Ungläubigen, die Schwarzen, die Lesben, die Geflüchteten, die Muslime.“

Wir als Organisationen, die auf verschiedenen Feldern der Zivilgesellschaft in Ulm und der Region Ulm/Neu-Ulm aktiv sind und deren gemeinsames Anliegen eine humane Gesellschaft für alle ist, die den Artikel 1 des deutschen Grundgesetzesals zentrale Richtschnur ihres Handelns sehen, betonen: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das heißt: Die Würde aller Menschen ist unantastbar.

Hass und Gewalt gegen Menschen – in diesem Falle gegen geflüchtete Menschen – entsteht nicht aus dem Nichts, Hass bricht nicht plötzlich auf, nein, er wird gezüchtet und inszeniert. Er wird auch und insbesondere sprachlich inszeniert.

Das Fatale an Auslassungen wie denen von Herrn Feucht ist, dass hier Menschen mit all ihren oft traumatischen – und teilweise noch immer traumatisierenden – Erfahrungen ausschließlich als Kollektiv und niemals als Individuum auftauchen,stets und immer wieder als „rückständige Barbaren“ beschrieben werden. Herr Feucht arbeitet – und das nicht zum ersten Mal bei seinen „Einwürfen“ – mit jenen Abkürzungen des Denkens, die nur noch mit fertigen Zuschreibungen und Urteilen operieren, das heißt mit dem karikaturhaft verzerrten und zugerichteten Einheits-Flüchtling, Einheits-Migranten und Einheits-Zugewanderten.

Wir denken, dass es die verlegerische Pflicht des KSM Verlags sein muss, eine Kolumne, die mit dem Begriff des „Quergedachten“ kokettiert, in Wahrheit aber völlig unausgegorene, schlicht „verquere“ Ansichten des Herrn Feucht propagiert,vor einem Abdruck sorgfältig zu prüfen. Diese Sorgfaltspflicht ist uns in diesem Fall nicht erkennbar. Wir erwarten, dass dies in Zukunft anders wird. Weil es sonst schlicht „offenem und ehrlichem Journalismus“ fundamental widerspricht.

AK Flucht&Asyl (Uni Ulm)

Amnesty International, Bezirk Ulm/Neu-Ulm

ATTAC Ulm

Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm

Behindertenstiftung Tannenhof

Bündnis für eine agrogentechnikfreie Region (um) Ulm

Bündnis Menschenrechtsbildung e. V.

Bündnis STOP TTIP, CETA, TISA, MERCOSUR, JEFTA Alb-Donau-Iller

BUND-Kreisverband Ulm

Chor Kontrapunkt Ulm e. V.

Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg e. V.

Festival Contre Le Racisme (Uni Ulm)

Flüchtlingsrat Ulm/Alb-Donaukreis e. V.

Förderverein des Behandlungszentrums für Folteropfer Ulm e. V.

Frauennetz West e. V.

Freiwilligenagentur „engagiert in ulm“ e. V.

friedensbewegt-ulm

Eine Welt-Regionalpromotorin

Helferkreis Erbach e. V.

Initiative Grundeinkommen Ulm

Initiative „Stopp Abschiebung“

Interkultureller Garten Ulm

Lateinamerika-Komitee Ulm e. V.

NaturFreunde Ulm

Offene Kirche Ulm/Blaubeuren

Partnerschaft Ulm-Tukuyu

Politischer Stammtisch Ulm/Neu-Ulm

RehaVerein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e. V.

Stiftung Menschenrechtsbildung

terre des hommes Deutschland e. V./AG Ulm-Neu-Ulm

Tibet Initiative Deutschland e. V., Regionalgruppe Ulm/Neu-Ulm Ulmer

Ärzteinitiative, Regionalgruppe des IPPNW Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e. V.

Ulmer Netz für eine andere Welt e. V.

Ulmer Volkshochschule e. V.

Verein für Friedensarbeit e. V.

Verein Ulmer Weltladen e. V.

Zentrale Bürgeragentur ZEBRA e. V.