Ernte Südwesten: Obst in Hülle und Fülle

Ulm / Carolin Stüwe 03.08.2018

In Gärten, auf Streuobstwiesen und in Feldgehölzen hängen die Obstbäume so voll, dass hier und da bereits Äste abgebrochen sind. Der Hauptgrund für die Rekordernte: „Wir hatten letztes Jahr im April Frost, der viele Blüten hat erfrieren lassen“, sagt Karl-Heinz Glöggler, Obst- und Gartenbauberater für Ulm und den Alb-Donau-Kreis beim Landratsamt.

Entsprechend schlecht fiel die Ernte aus, so dass die Bäume mal eine Pause einlegen konnten. Umso mehr Blüten wurden, wie üblich, bereits im August und September angelegt. Sie überwinterten geschützt als Knospen und sorgten im Frühjahr für eine außergewöhnliche Blüte. „Dann klappte die Befruchtung, und bisher hatten wir noch keinen Hagel“, nennt Glöggler zwei weitere Gründe für den reichen „Behang“.

Ausdünnen der Bäume

Wie kann man verhindern, dass die Bäume zusammenbrechen? Erwerbsobstbauern „bürsten“ im Frühjahr bereits die Hälfte der Blüten ab, und im Juni werden noch mal etliche kleine Früchte ausgebrochen. „Nur so gibt es ordentliches Obst“, sagt Glöggler. Aber das Ausdünnen ist nur bei kleinen Plantagenbäumen praktikabel. Bei Hochstämmen auf Streuobstwiesen oder im Garten bleibt jetzt nur, wo möglich, die schweren Äste mit Stangen abzustützen.

Aufgrund der Fülle sind die Äpfel und Birnen im Hobbyanbau kleiner als sonst. „Sollte es nicht bald ausreichend regnen, werden sie auch klein bleiben oder sogar vorzeitig herunterfallen“, prophezeit Dieter Schwarzendorfer, der zweite Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Jungingen. Dennoch freut er sich über den „tollen Ertrag“ bei Kern- und Steinobst. Nun hoffen seine Vereinsmitglieder, dass die Saftereien und Mostereien Ende August/Anfang September auch alle Äpfel und Birnen annehmen.

Die Firma Molfenter Fruchtsäfte hat jetzt erst mal Betriebsferien bis zum 19. August. „Danach werden wir überlegen, ab wann wir das regionale Obst annehmen“, sagt Martin Molfenter vom Getränkemarkt. Er nimmt dann gerne Äpfel, Birnen und Quitten an. Der naturtrübe Apfelsaft wird eingelagert und später als hundertprozentiger Direktsaft verkauft oder mit Quittensaft gemischt. Der reine Quittensaft sei eher etwas für Liebhaber, die daraus Gelee herstellen.

Jakob-Fischer-Apfelmus

Überhaupt wird die reiche Obsternte Marmeladengläser, Kühltruhen und Einmachgläser füllen. Landfrau Elisabeth Häußler aus Eggingen kam diese Woche schon ins Schwitzen beim „Eindünsten“ von Renekloden, den grüngelben Edelpflaumen. In der Kühltruhe liegen bereits jede Menge Kirschen. Und weil kürzlich auf ihrer Streuobstwiese ein dicker Ast am Baum der alten Sorte Jakob Fischer abgebrochen ist, gab es Apfelmus zum Nachtisch. Demnächst will sie an einer Feldhecke noch wilde Mirabellen ernten, die vielerorts schon reif abfallen.

Und was macht sie mit den vielen Tomaten, die botanisch gesehen mit ihrer Fruchtrispe zu den Beeren zählen? Die roten Früchte kommen in den Salat, aus den grünen Tomaten kocht sie ein Chutney nach altem Rezept (siehe Infokasten). „Das schmeckt gut zu gegrilltem Fleisch.“

Info: Richtig recyceln

Abgebrochene grüne Äste kann man zu den EBU-Gartenabfallplätzen bringen, sagt Abfallberaterin Ute Seibt. Fallen dabei aber Äpfel ab, gehören diese, sofern sie nicht verwertet werden, in die Biotonne. Bringt man größere Mengen Fallobst auf den Recyclinghof, kostet dies bis 200 Kilogramm 10 Euro.

Chutney aus grünen Tomaten

Zutaten 3 Pfund grüne Tomaten, 1 Pfund Zwiebeln, 1/8 l Weinessig, 1 Pfund Zucker, 2 gestr. TL Mehl, 1 EL Senf, 3 TL Curry, 1 EL Ingwerpulver, 1 EL Cayennepfeffer, 1 TL Curcuma, Salz.

Zubereitung Tomaten in Scheiben und Zwiebeln in Ringe schneiden, einsalzen und über Nacht kühl stellen. Am nächsten Tag die entstandene Flüssigkeit abgießen, aber 1/8 Liter davon auffangen. 1/8 Liter Weinessig dazugeben und alles zu dem Tomaten-Zwiebel-Mix hinzufügen. Die Masse eine Stunde bei kleiner „Flamme“ kochen lassen, immer wieder umrühren. Vom Herd nehmen und mit Zucker, Mehl, Senf und den Gewürzen vermischen und weitere 15 Minuten kochen lassen. Das Chutney noch heiß in Gläser füllen und diese fest verschließen.

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