Medizin Obacht bei künstlichen Hüften und Knien

Prof. Heiko Reichel: Nicht jede neue OP-Methode ist die beste.
Prof. Heiko Reichel: Nicht jede neue OP-Methode ist die beste. © Foto: Uni
Ulm / Roland Schütter 06.08.2018

Die Werbung für künstliche Hüft- und Kniegelenke findet Prof. Heiko Reichel oft grenzwertig. In seinem Vortrag in der Reihe „Wissen erleben – Uni Ulm in der Stadtmitte“ warnte der Ärztliche Direktor der Orthopädischen Uniklinik am RKU vor falschen Erwartungen. „Da wird dem Betrachter vorgegaukelt, er könne mit diesem oder jenem Produkt nach der OP drei Meter hohe Sprünge machen“, monierte der Experte vor gut 150 Zuhörern.  Das sei irreführend.

Doch auch Patienten hätten vielfach falsche Vorstellungen, glaubten,  nach einer Gelenk-OP Ballsportarten ausüben zu können. Wovon Reichel aus Belastungsgründen abrät. Auch Kampfsport und Marathonlauf  seien tabu. Schwimmen, Segeln, Nordic Walking, Skilanglauf und Golf seien ideal. Wegen der Belastung des Knies mit dem sechsfachen Körpergewicht beim Bergabstieg solle man Stöcke benutzen. Tennis würde er nur auf Granulat und Sandplätzen spielen und beim Alpin-Ski auf harte, steile Pisten verzichten. Bei Extremsport müsse eventuell eine Maßorthese zur Stabilisierung eingesetzt werden.

Generell zähle die Endoprothetik an Hüft- und Kniegelenken zu den erfolgreichsten operativen Eingriffen. Zu 99 Prozent seien diese sicher und funktionierten – meist länger als 15 Jahre. „Die neu gewonnene Lebensqualität ist für Patienten ein großer Gewinn“, so der Orthopäde. Zumal der Bewegungsanspruch im Alter gestiegen sei. „Glauben Sie aber nicht jeder neuen Methode“, forderte Reichel auf.

Hüft-und Knie-OPs sind wirtschaftlich lukrativ, da sie bis zu 7000 Euro Gewinn abwerfen und für manche schwächelnde Klinik somit die Chance zur Sanierung bieten.

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