Ulm / cmy  Uhr
Der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch schaltet sich in den Fall um gekündigte Wohnungen in Böfingen ein. Er will beim Vermieter Protest einlegen.

Der aus dem Raum Biberach stammende Vermieter, der allen Mietern eines Böfinger Hauses gekündigt hatte, um mit WG-Zimmern künftig ein Vielfaches an Einnahmen erzielen zu können, wird Post vom OB erhalten. „Ich werde mich in einem Brief an die Anwälte des Eigentümers wenden, um unser Unverständnis deutlich zu machen“, heißt es in einem Schreiben Gunter Czischs an einen der gekündigten Mieter, der den OB um Hilfe gebeten hatte.

Wie Czisch schreibt, könne die Stadt im konkreten Fall leider nichts unternehmen, ungeachtet der Tatsache, dass „solche Methoden inakzeptabel sind und bei vielen Menschen ein Gefühl des Ausgeliefertseins erzeugen“. Auch er habe sich über das Vorgehen des Vermieters „sehr geärgert“.

Die Stadt trage eine Mitschuld an Wildwestmethoden auf dem Wohnungsmarkt, findet ein Bewohner.

Weniger Spekulanten

Generell weist Czisch darauf hin, „dass in Ulm Spekulanten weniger ihr Unwesen treiben können als anderswo“. Die Stadt sei größter Grundstückseigner. „Die Ulmer Bodenpolitik ermöglicht es, einen hohen Anteil der Baugrundstücke nach Grundsätzen zu vergeben, die vom Gemeinderat beschlossen werden.“ Dazu gehörten aktuell 30 Prozent geförderte Wohnungen zur Miete im Geschosswohnbau, wenn ein Dritter von der Stadt ein Grundstück haben möchte. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft UWS und die Genossenschaften hätten einen hohen Marktanteil.  „Sie bauen derzeit an der Kapazitätsgrenze.“ So betrage das Bauvolumen der UWS allein 2019 fast 50 Millionen Euro. „Mehr geht schon deshalb nicht, weil wir schon jetzt Mühe haben, Bauaufträge vergeben zu können.“

In den nächsten Jahren würden mit den Gebieten Safranberg, Am Weinberg oder dem Egginger Weg große Baugebiete mit Geschosswohnungen bebaut, damit der Druck aus dem Markt geringer werde. Gleichwohl wolle er nicht verhehlen, dass der soziale Wohnungsbau jahrelang bundesweit vernachlässigt worden sei.

„Die niedrigen Zinsen und der oft gierige Blick auf hohe Renditen animieren auch Investoren, auf dem Rücken langjähriger Mieter ihre Ziele zu erreichen“, schließt Czischs Schreiben. Solche Fehlentwicklungen ließen sich auch in Ulm nicht gänzlich verhindern. „Deshalb ist eine öffentliche ‚Anklage’ richtig.“

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