Bau Nuwog-Mieter klagen nach Sanierung über Mängel

Außen schön und innen Probleme: Das Nuwog-Modellprojekt in Offenhausen läuft noch nicht rund.
Außen schön und innen Probleme: Das Nuwog-Modellprojekt in Offenhausen läuft noch nicht rund. © Foto: Lars Schwerdtfeger
EDWIN RUSCHITZKA 21.04.2016
Es sollte eine modellhafte Sanierung sein, doch die Mieter sind alles andere als zufrieden mit dem Ergebnis. In den Häusern der Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft in Offenhausen ist gehörig der Wurm drin.

Am Montag, 2. Mai, soll in der Pfuhler Straße in Offenhausen ein Fest gefeiert werden. Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauministerium und SPD-Chef in Bayern, ist angekündigt, andere Redner auch. Die Neu-Ulmer Wohnungsgesellschaft (Nuwog) will eine modellhafte Sanierung unter dem Titel "Effizienzhaus Plus im Altbau" preisen. Musikanten sind bestellt, ein kleiner Imbiss soll gereicht werden. Doch den Mietern in den Häusern 10 bis 14 ist alles andere als nach feiern zumute.

Ganz im Gegenteil. Sie sind sauer, weil sie seit dem Einzug im Herbst über zum Teil erhebliche Mängel in den Häusern klagen, die 1938 gebaut wurden und 2013/14 aufwendig saniert worden sind. Insgesamt sind zwei Häuserreihen betroffen, die Pfuhler Straße 4 bis 8 und 10 bis 14. Abgerechnet sind die Kosten noch nicht, aber das Budget beträgt insgesamt vier Millionen Euro. Viel Geld also für ein Vorhaben, das beispielgebend sein soll.

Das Malheur fängt damit an, dass die moderne Heizung, die ihre Energie über eine Erdwärmepumpe und eine Photovoltaikanlage gewinnen soll, vom ersten Tag an nicht funktioniert hat. Sie sei immer wieder ausgefallen, in den Zimmern sei es über den Winter zuweilen kalt gewesen, schildern die Mieter. Wiederholt sei an der Heizung herumgeschraubt worden. Offenbar vergeblich. Letztlich rückten Elektriker an, verlegten auf dem Kellerboden ein Starkstromkabel - und jetzt werden die Häuser mit Strom geheizt, entweder "volle Pulle" oder gar nicht. Ökologisch? Ökonomisch? Die Mieter lachen, obwohl ihnen gar nicht nach lachen zumute ist. Mehr noch: Von Wänden und Decken platzte zuweilen der Putz ab, es gibt Risse und in den Abgängen zum Keller schimmelt es. In den Zimmern stehen die Schränke schief, weil das Bodenniveau nicht ausgeglichen ist.

Und dann sind da noch die angebauten und überdachten Holzbalkone, die das Haus von außen eigentlich ganz nett aussehen lassen. Für die Mieter ist das allerdings nur ein schöner Schein: Die Bretter liegen lose zusammen, wenn es regnet, tropft das Wasser auf die Tische und Stühle im ersten Stock und von dort aus auf die Terrassen im Erdgeschoss. Apropos Terrasse: Die Zutrittstüren lassen sich zum Lüften nur ganz öffnen und nicht kippen. Aus Angst vor Einbrechern bleiben die Türen und Fenster den ganzen Tag und die Nacht über geschlossen. Kein Wunder, dass schnell die Rede von Pfusch und Murks ist.

Was die Mieter auch ärgert, sind die ihrer Meinung nach überzogenen Vorschriften der Nuwog. Hinter dem Haus ist eine große Wiese angegelegt worden, die man nicht nutzen soll. Spielgeräte für Kinder, Stühle oder Tische? Alles verboten. Der Zugang zum Haus Nummer 10 ist unbefestigt und soll so auch bleiben. "Alle schleppen Sand, Steine und Dreck ins Haus", ärgert sich die Mieterin. Auch vor dem Haus darf nichts verändert werden. Wer einen Wind- oder Sichtschutz zum Nachbarhaus aufstellt, handelt gegen den Mietvertrag.

Und dann ist da noch die Bepflanzung in den Rabatten vor dem Haus zur Pfuhler Straße hin. Alles soll so bleiben, wie es ist. Individuelle Lösungen mit eigenen Blumen sind bei der Nuwog unerwünscht.

Fast alle Klagen sind bei der Nuwog angekommen. Geschäftsführer Andreas Heipp ist alles andere als glücklich darüber. Aber er kann den Ärger in vielen Fällen nachvollziehen, wie er der SÜDWEST PRESSE gegenüber zugegeben hat. Das Ganze sei ein Modell-, also ein Pilotprojekt. "Es gab keine Schubladen mit entsprechenden Plänen, aus denen wir uns hätten bedienen können", sagt er. "Wir haben uns gegen einen Abbruch entschieden." Aber die große Kunst sei es gewesen, Häuser aus dem Jahr 1938 so umzubauen, dass sie höchsten energetischen Ansprüchen genügen. Bislang sei das noch nicht gelungen.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass mittlerweile die dritte Firma mit der Technik betraut sei. Eine Firma habe Insolvenz anmelden müssen, von einer anderen Firma habe man sich getrennt, weil sie die notwendige Qualität nicht gebracht habe. "Wir haben unseren Mietern schon einiges abverlangt", gibt Heipp zu. Was die Strom- und Heizkosten betrifft, soll niemand schlechter gestellt werden.

Aber Heipp kann nicht allen Ärger verstehen. Dass man die Fenster nicht lange oder andauernd öffnet, sei der Heizungstechnik geschuldet. Eine Stoßlüftung sei eben gefordert. Auch sollten sich die Mieter stromsparende Geräte anschaffen, wofür es Zuschüsse gibt. Was die Vorgaben des Mietvertrags betrifft, dass keine Veränderungen auf der Terrasse oder in den Rabatten vorgenommen werden dürfen, will Heipp die Situation nochmals prüfen. "Individualität muss schon sein, sie darf nur nicht zulasten der Nachbarn gehen."