Wahlen Nur wer sich einmischt, kann mitgestalten

Ulm / Ulrike Schleicher 17.05.2018

Wenn Frauen damit fertig sind, darüber nachzudenken, ob sie kompetent genug für eine Führungsposition sind und Familie und Beruf unter einen Hut bekommen, haben Männer den Job längst bekommen. Das ist einer der Gründe, warum Gleichberechtigung noch nicht Realität ist. Sagt Landtagspräsidentin Muhterem Aras. Und plädiert für mehr Selbstvertrauen und Quoten. Sie selbst ist der Beweis, dass man als Frau und als Frau mit internationalen Wurzeln – sie ist Kurdin – Politik erfolgreich mitgestalten kann. Sie ist die erste Landtagspräsidentin in Baden-Württemberg, war Stimmenkönigin bei Wahlen (Die Grünen) und begann ihre politische Laufbahn als Kommunalpolitikerin in Stuttgart.

Nicht besser, nicht schlechter

Darüber, wie mehr Frauen in Stadtparlamente gewählt werden können, sprach die 52-Jährige  im Stadthaus. Eingeladen hatte neben anderen der überparteiliche Arbeitskreis „Mehr Frauen in den Gemeinderat“. „Frauen gehören in die Kommunalpolitik“, sagte Aras. Dort werde Politik für die Dinge des Alltags in einer Stadt gemacht. „Es ist elementar, dass wir mitbestimmen.“ Frauen seien nicht besser und nicht schlechter als Männer, hätten aber eine andere Perspektive.

Ulm sei mit einem Frauenanteil von 45 Prozent im Gemeinderat einer der Vorreiter, wohl ein Verdienst des überparteilichen Arbeitskreises, der aktiv auf Frauen zugehe und sie zu politischer Arbeit motiviere. Im Hinblick auf die anstehende Kommunalwahl 2019 sei es jetzt Zeit, sich zu vernetzen und Strategien zu entwickeln. „Die Listen werden im Herbst aufgestellt.“

Dass Gleichberechtigung Vorteile bringt, stellte Aras anhand einer Studie der Softwarefirma SAP vor. Das Ergebnis: Frauen sowie nationale Vielfalt brächten bis zu 35 Prozent mehr Gewinn. Sie plädierte für eine verbindliche Frauenförderung. „So lange bis der Kulturwandel vollzogen ist und Gleichberechtigung kein Thema mehr ist.“