Kommentar Ulmer Innenstadt: Nur noch Party?

Will man in Ulm noch Leute in der Stadt wohnen haben – oder nur noch Party? Das fragt sich unser Redakteur Frank König.
Will man in Ulm noch Leute in der Stadt wohnen haben – oder nur noch Party? Das fragt sich unser Redakteur Frank König. © Foto: vk
Ulm / Frank König 31.08.2018
Der Konflikt zwischen Freizeit- und Wohninteressen wird in der Ulmer City bei „Hans im Glück“ deutlich.

Im Zuge des Wandels vom Handelsstandort zur Fressmeile geraten in Ulm zunehmend Anwohner unter die Räder: durch Lärm und Hamburger-Abluft. Was für die einen ein Ausgeh­erlebnis ist, wird für manche Citybewohner zum Alptraum. Vor allem wenn sie wie am nördlichen Münsterplatz viel Liebe und Geld in die Sanierung einer Immobilie aus dem Mittelalter investiert haben und plötzlich den Kamin eines Fettabscheiders vor die Dachterrasse gesetzt bekommen.

Die Verärgerung der Investoren ist verständlich, zumal bei den Auflagen anscheinend mit zweierlei Maß gemessen wird.  Bei der Gelegenheit taucht im Umfeld auch die Frage auf, warum das Gastronomie-Verbot für das frühere Eierstock-Areal nicht greift. Andererseits dürfte „Hans im Glück“ zweifellos zu einer Attraktion werden. Die Abwägung der Interessen ist für die Stadt sicher nicht einfach.

Müssen sämtliche Freizeitinteressen bedient werden?

Gleichwohl muss sich das Rathaus fragen lassen, ob sämtliche Event- und Freizeitinteressen in diesem Umfang bedient werden müssen. Gastronomen hinterfragten zuletzt auch, wie das Weinfest einfach mal so auf drei Wochen verlängert werden konnte – die ganze Zeit mit riesigem Werbeplakat auf dem Münsterplatz, darauf massive Reklame: bezahlt oder nicht?

Der Fall Kohlgasse/Münsterplatz 20 ist sicher ein Präzedenzfall: Will man in Ulm noch Leute in der Stadt wohnen haben – oder nur noch Party?

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