Adventsschmuck Nordmanntanne ohne Genehmigung aufgestellt

Selbst ist die Frau: Auch das Wengenviertel braucht Weihnachtsschmuck, findet Martina Finke. Gestern stellte sie in der Ulmer Gasse eine Nordmanntanne auf, obgleich die Stadt ihren Antrag abgelehnt hatte.
Selbst ist die Frau: Auch das Wengenviertel braucht Weihnachtsschmuck, findet Martina Finke. Gestern stellte sie in der Ulmer Gasse eine Nordmanntanne auf, obgleich die Stadt ihren Antrag abgelehnt hatte. © Foto: Lars Schwerdtfeger
CHRISTOPH MAYER 30.11.2016

Sie steht fast schon trotzig an der Ecke Walfischgasse/Ulmer Gasse: eine mit roten Christbaumkugeln und goldenen Schleifen geschmückte Nordmanntanne. Sie ist gewissermaßen die deutlich abgespeckte Variante dessen, was Martina Linke ursprünglich vorhatte. Die Ladenbesitzerin aus der Sterngasse wollte das Wengenviertel vorweihnachtlich dekorieren, ihre Motivation ist weniger christlich als vielmehr ökonomisch. „Wir Gewerbetreibenden rund um Stern-, Walfisch- und Ulmer Gasse sind total abgehängt.“ Da seien zum einen die vielen Baustellen, zum anderen die dadurch weggefallenen Parkplätze. Die Folge: deutlich weniger Kundschaft und damit – in der umsatzträchtigen Vorweihnachtszeit besonders unerfreulich – deutlich geringere Einnahmen.

„Dagegen muss man doch was tun dürfen“, findet Linke. Zumal die unmittelbar benachbarte Flaniermeile Hirschstraße wie auch die Platzgasse in vorweihnachtlichem Glanz erstrahlen. Schon im Juli hatte Linke der städtischen Sanierungstreuhand einen Plan vorgelegt, um das Quartier adventlich aufzupeppen – und so den optischen Anschluss an die übrigen City-Händler zu halten, Beleuchtungskonzept inklusive. Doch bei der Stadt sei man darüber nicht begeistert gewesen. Man sei dabei, ein gesamt-innerstädtisches Konzept zu erarbeiten, aber das gehe nicht so schnell: nicht vor nächstem Jahr.

„Wir haben in diesem Jahr Umsatzeinbußen. Wir müssen jetzt reagieren“, sagt Linke, die die städtische Absage nicht begreift. Zumal der Stadt keine Kosten entstanden wären. „Ich hätte alles aus eigener Tasche bezahlt.“ Wenigstens einen Weihnachtsbaum hat die streitbare Frau nun aufgestellt. „Noch nicht einmal dafür habe ich eine Genehmigung der Stadt bekommen“, sagt sie.

Dass die Stadtverwaltung das gestern Mittag unbotmäßig aufgestellte Nadelgewächs entfernen lässt, steht derweil allerdings nicht zu befürchten. Stadtplaner Dirk Feil von der Sanierungstreuhand sagt: „Ich glaube, da kann man mal ein Auge zudrücken.“ Und auch Rainer Türke von den Bürgerdiensten winkt weihnachtsmilde ab. „Ich habe kein Verbot ausgesprochen.“ City-Manager Henning Krone klatscht sogar Beifall: „Ich finde es immer gut, wenn von Händlern und Gewerbetreibenden Initiativen ausgehen.“

Was ein einheitliches vorweihnachtliches Beleuchtungskonzept angeht, verteidigt Krone allerdings die städtische Haltung. „Das ist eine längerfristige Angelegenheit.“ Es gelte von Glühbirnen („Stromfresser“) auf umweltfreundlichere LED-Leuchten umzustellen. Vor nächstem Jahr sei das nicht zu bewerkstelligen. „Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.“