. Bei der Produktion von Schweinefleisch nennt man das Phänomen Schweinezyklus. Bei hohen Marktpreisen springen so viele Schweinehalter auf, dass ein Überangebot entsteht, und die Preise verfallen. Folglich wird es unattraktiv, Schweine zu mästen. Das Angebot sinkt, die Preise steigen, und der Zyklus beginnt von neuem.

Die Milchbauern, so scheint es, schlittern gerade in einen Milchzyklus hinein. Mit dem Unterschied, dass der Markt, in dem sie sich bewegen, nicht mehr so eng begrenzt ist wie vor 80 Jahren, als der Begriff Schweinezyklus entstand. Ihr heutiger Markt ist nicht mal mehr auf Europa beschränkt. Agrarwirtschaft funktioniert weltweit. Milchprodukte, welche die Milchwerke Schwaben in Schwaighofen herstellen, verkaufen sich längst auch in Italien, Indien und China. Andererseits: Wenn Franzosen oder Polen, US-Amerikaner oder Argentinier mehr Milch produzieren, so hat das durchaus seinen Einfluss auf den heimischen Markt.

"Der Markt wird immer schnelllebiger", hielt Karl Baisch, Vorstandsvorsitzender der genossenschaftlich organisierten Milchwerke, während ihrer Vertreterversammlung in der Donauhalle gestern fest. "Es wurde noch nie so viel Milch ermolken wie heute." Was sich auf den Preis auswirkt. 2011 wurde der Liter noch mit 35,56 Cent netto vergütet; 11 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Aktuell pendelt er bei knapp 33 Cent, zeigte Geschäftführer Fritz Fallscheer auf. Und der Preis bewegt sich weiter nach unten. Fallscheers Fazit: "Nach einem für die Milchwirtschaft erfreulichen Jahr 2011 sind die Erwartungen für 2012 eher gedämpft."

1184 Milchbauern liefern nach Schwaighofen. 2011 habe jeder dieser Bauern im Schnitt 256 342 Kilogramm Milch (ein Kilogramm entspricht etwa einem Liter) zur Molkerei geschickt, berichtete Fallscheers Geschäftsführer-Kollege Jakob Ramm. 2010 waren es 240 967 Kilo. Damit hätten die Milchwerke die höchste Menge Milch in ihrer 90-jährigen Geschichte verarbeitet. "Die Käserei war mit einer Produktion von 20 000 Tonnen im Dreischichtbetrieb voll ausgelastet."

Auf diese Käseproduktion setzen die Milchwerke verstärkt. Im zurückliegenden Sommer haben sie mit dem Bau eines 20,8 Millionen Euro teuren neuen Werks begonnen. In dem sollen von November an jährlich etwa 30 000 Tonnen Käse hergestellt werden.