Neu-Ulm / MAGDI ABOUL-KHEIR  Uhr
"Kino ist das Größte", sagt Roland Sailer. Mit dem Dietrich in Neu-Ulm betreibt er das größte Filmtheater der Region - und das macht er jetzt noch größer. Grund zum Feiern gibt es in dem Kino ohnehin.

Feiern lässt sich noch schöner, wenn gleich mehrere Anlässe zusammenkommen. Im Neu-Ulmer Dietrich Filmtheater herrscht nun wirklich Feierstimmung: Das Kino begrüßt im Mai seinen zehnmillionsten Besucher, im Juni feiert es seinen 20. Geburtstag, und demnächst eröffnen zwei weitere Säle.

Der kluge Kino-Mann baut an: Rund 1,5 Millionen Euro investiert Betreiber Roland Sailer in die nochmalige Vergrößerung des Dietrich, beide neuen Säle fassen jeweils 130 Zuschauer. Damit wird das Dietrich elf Säle mit insgesamt 2760 Plätzen zählen und zu den drei größten Kinos in Bayern gehören.

Und damit baut Sailer auch seine Vormachtstellung als Kinobetreiber in der Region aus. Denn zur Sailer GbR gehören neben dem Dietrich noch das Obscura (zwei Säle, 360 Plätze) und die Lichtburg (240 Plätze) in Ulm. Die Konkurrenz besteht aus dem Xinedome-Multiplex (acht Säle, 1800 Plätze), das zu den Union Filmtheatern der Münchner Familie Englbert gehört, und dem Mephisto (zwei Säle, 300 Plätze), das vom Filmbüro Augsburg betrieben wird. Nach der Erweiterung des Dietrich gibt es in Ulm/Neu-Ulm dann insgesamt 24 Kinosäle mit knapp 5500 Plätzen - die von mehr als einer Million Besucher jährlich frequentiert werden. Ulm/Neu-Ulm ist durchaus eine Kinostadt.

Im Juni 1993 hatte Sailer, der damals seit kurzem das Capitol in Vöhringen und das Obscura im Roxy betrieb, das Dietrich eröffnet - das ehemalige Riesenkino der US-Truppen im Wiley-Areal, das er in drei Säle umbaute. Den Zuschlag bekam er erst nach zähen Verhandlungen, da auch die Ufa mit im Rennen gewesen war. Sailer investierte Millionen ins Dietrich, baute es 1996 zum Sieben-Saal-Multiplex um, 2002 folgte eine weitere Vergrößerung um zwei Säle und der Bau des Parkhauses.

Mit technischen Neuerungen Schritt zu halten, war dem Ingenieur Sailer stets wichtig: Als erstes Kino in Schwaben bot das Dietrich 3D, heute zählt es fünf Säle mit 3D-Technik, alle Kinos sind komplett digitalisiert. Mit der Firma Kinoton wurde stets auf professionellen Sound geachtet, derzeit wird in allen Sälen Dolby 7.1 als Standard geboten. "Die Zuschauer zahlen gutes Geld, dafür können sie auch etwas verlangen", sagt der 55-Jährige.

Roland Sailer, der von 2000 bis 2007 auch die Kammerlichtspiele in der Hirschstraße, von 2002 bis 2009 das Eislinger Schlosstheater und bis vergangenen Herbst das Capitol in Vöhringen betrieb, wollte das Dietrich bereits 2010 erneut erweitern. Schließlich hatte sich die Konkurrenzsituation in der Region - das Dietrich hat ein geographisch ziemlich großes Einzugsgebiet - durch das Cineplex in Memmingen und das neue Kinocenter in Günzburg verändert. Doch dann kam erstmal die Übernahme und durchaus kostspielige Sanierung der Lichtburg dazwischen, die Sailer mittlerweile seit zwei Jahren betreibt.

Also wurde die Erweiterung des Dietrich mit dem Sendener Architekturbüro Maslowski aufgeschoben, doch nun ist es soweit. Der Rohbau ist abgeschlossen, derzeit wird am Innenausbau gearbeitet. Kino zehn soll zum 20. Geburtstag des Dietrich am 18. Juni eröffnet werden, Kino elf soll am 4. Juli folgen.

Ein Überangebot durch das Wachstum der Kinolandschaft in der Doppelstadt befürchtet Sailer nicht wirklich. Da ohnehin fast jede Woche eine Flut an Neustarts in die Kinos kommt, ist sein Credo: Wenn der Kuchen groß genug ist, bleibt für alle genug. Durch mehr Abspielstätten kann er sein Filmangebot verbreitern und muss Streifen nicht zu schnell aus dem Programm nehmen. Noch ein Grund zum Feiern.