Verkehr Noch keine Entscheidung, ob Tempo 30 bleibt

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Eggingen/Wiblingen / CAROLIN STÜWE 01.09.2015
Die Mehrheit der Egginger und Wiblinger hält an Tempo 30 fest. Ein Mitglied des Petitionsausschusses des Landtags hörte sich die Wutbürger vor Ort an.

In Eggingen wird am Ortsausgang Richtung Erbach nur noch selten 70 Stundenkilometer schnell bergab gefahren, wo früher 50 und nun nur 30 erlaubt ist. In Wiblingen genießen die Anwohner ebenfalls den reduzierten Verkehrslärm auf den Tempo-30-Abschnitten der Ortsdurchfahrt. Aber: Es kam auch schon vor, dass ein Autofahrer angehalten und mit dem Messer bedroht wurde, weil er nicht schneller als 30 gefahren war.

Das erzählten Anwohner bei zwei Ortsterminen am Freitag. Eingeladen dazu hatte der Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete und OB-Kandidat Martin Rivoir. Letztendlich konnte er die Anwesenden aber nur vertrösten: „Wir werden einen Weg suchen, dass der Petitionsausschuss des Landtags sich für die Beibehaltung von Tempo 30 in den Durchfahrtsstraßen entscheidet.“

Wir, dazu gehört auch Nik Sakellaroiu, Obmann der SPD-Landtagsfraktion im Petitionsausschuss und zugleich Berichterstatter für die Petitionen gegen die Aufhebung von Tempo 30. Zur Vorgeschichte: Nachdem schon Tempo 30 in beiden Ortsdurchfahrten galt, hatten auswärtige Pendler Widerspruch eingelegt. Daraufhin hatte das Regierungspräsidium den Widersprüchen stattgegeben und die Rückkehr zu Tempo 50 gefordert. Weil aber der gesamte Ortschaftsrat Eggingen und die SPD-Süd in Wiblingen Petitionen einreichten, gilt nun solange Tempo 30, bis der Petitionsausschuss eine Entscheidung trifft.

Sakellaroiu machte sich, noch bevor der Ausschuss die Akten auf den Tisch bekommt, vor Ort ein Bild von den Verkehrssituationen und der Stimmungslage. In Eggingen – gekommen waren 17 Bürger – klagten Anwohner über den Schwerlastverkehr, der die Maut und den Tempo-30-Abschnitt auf der Bundesstraße 311 in Erbach umfahre und innerorts Fußgänger gefährde. Insgesamt wurden vor den Sommerferien pro Tag mehr als 7000 Fahrzeuge gezählt. „Uns stinkt der Lärm gewaltig“, sagte ein Anwohner.

Zwei Frauen hingegen sind strikt gegen Tempo 30 auf Hauptstraßen. Sie seien als berufstätige und in der Familie stark eingespannte Frauen „immer auf 180“ und könnten nicht in den Ortschaften „hinter Rentnern herschleichen“, schimpfte eine gebürtige Eggingerin.

In Wiblingen – erschienen waren rund 40 Bürger – beschwerten sich Anwohner der Ortsdurchfahrt Richtung Illerkirchberg. Dort wurde früher nachts 80 gefahren. Und selbst frühmorgens war der Lärm unerträglich. Die Empfindung von Lärm sei immer subjektiv, meinte Sakellaroiu. Die Lärmmessungen hätten bisher nicht ausgereicht als Argumente. Und Gefahrenstellen fehlten auch. Dazu eine Frau: „Müssen erst Menschen tödlich verunglücken, damit man uns ernst nimmt?“

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