Ulm Fernbus-Haltestelle noch immer ohne Toiletten und Unterstände

Nur das Vordach des Ticketverkaufs bietet Schutz.
Nur das Vordach des Ticketverkaufs bietet Schutz. © Foto: irgendwer
Ulm / Ulrike Schleicher 27.08.2018

Gut, schlecht, noch schlechter

Die gute Nachricht: Die Bauarbeiten für die Bussteige bei der Fernbushaltestelle in der Eberhard-Finckh-Straße sind abgeschlossen.

Die schlechte: Es fehlen Unterstände für die Wartenden, wenn es regnet. Und  Toiletten.

Noch schlechter: Die Infrastruktur wird vermutlich erst gegen Ende des Jahres fertig, sagt Torsten Fisch, eigentlich Leiter der Task Force Linie 2, der sich zudem mit dem Thema Fernbusbahnhof auseinandersetzen muss.

Der Grund

„Der Hersteller der Unterstände hat so viel zu tun, dass er es nicht früher schafft“, erklärt Fisch. Alternativen gäbe es nicht.

Zum Thema Toiletten: „Eurolines“, die Deutsche Touring, die an der Haltestelle ihre Tickets verkaufe, habe sich verpflichtet, Toilettencontainer aufzustellen. „Dieser Verpflichtung ist sie bislang nicht nachgekommen.“ Auch die Androhung rechtlicher Schritte habe bislang  nichts gefruchtet.

Auf Kosten der Reisenden

So weit er wisse, seien im Unternehmen gerade gravierende Veränderungen im Gange. „Von daher verzögert sich das alles wahrscheinlich.“ Den Fahrgästen aus Ulm, aus vielen deutschen Städten und aus dem Ausland – die Busse fahren schließlich in alle Richtungen – hilft das wenig. Sie werden regelrecht im Regen stehen gelassen - nur das Vordach des Ticketcontainers bietet ein wenig Schutz.

Ganz ohne Klo

Jüngst waren  nicht einmal mehr die beiden Dixie-Klos aufgestellt und eine Frau irrte nach einer Toilette suchend auf den Straßen umher. „Das ist ja unmöglich. Was soll man in so einem Fall denn machen?“, fragte sie verärgert. Auch die Ticketverkäuferin sieht das so: „Es wäre schön, wenn sich jemand mal um uns kümmert.“ Beschwerden hagelt es laut Fisch auch von den umliegenden Betrieben: Über Unrat im Gebüsch.

Klo-Situation nicht akzeptabel

Die Situation an diesem Tag  sei eine Ausnahme gewesen, sagt Fisch. Inzwischen seien  zwei Dixie-Klos wieder aufgestellt. Zum Leidwesen der Fahrgäste und der CDU-Fraktion im Ulmer Gemeinderat, die offensichtlich um die Verhältnisse in so einer Toilette weiß. In einem Antrag an den OB heißt es deshalb „...die Situation der Toiletten ist bisher noch nicht befriedigend gelöst. Die beiden bisher zur Verfügung stehenden Dixie-Toiletten reichen nicht aus und werden zu selten geputzt“, schreibt die Fraktion. Die aktuellen Zustände seien sowohl für ankommende Fahrgäste als auch für die Anwohner nicht akzeptabel. So schnell wie möglich solle deshalb ein Toilettencontainer aufgestellt werden. 

Kosten und Unwissenheit der Stadt

Die Stadt investiert in den Umbau rund 245.000 Euro. Das Geld hatte der Bauausschuss im Ulmer Gemeinderat im November frei gegeben. Ende April hatten die Bauarbeiten begonnen und sollten eigentlich Ende August abgeschlossen sein.

Wie viele Busunternehmen und welche im einzelnen Ulm inzwischen anfahren, ist Fisch nicht bekannt. „Die Lizenzen werden vom zuständigen Regierungspräsidium erteilt, die Städte müssen zwar zustimmen.“ Aber: Fährt ein Unternehmen Ulm nicht mehr an, weil es sich nicht lohnt, so wisse das niemand.

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Stadtsucht Betreiber für Anlage

Finanzierung Erst 2013 fiel das Fernverkehrsmonopol der Bahn. Seitdem dürfen innerdeutsch Fernbusse fahren. Das Geschäft boomt, aber die Städte fühlen sich vom Bund allein gelassen und verlangen eine finanzielle Beteiligung an der Infrastruktur. Nicht nur in Ulm fehlen Toiletten, Kiosk und Unterstände, zum Beispiel auch in Göttingen und Köln.

Betreiberkonzept Die Stadt Ulm finanziert den Umbau freiwillig. Langfristig besteht das Ziel, für den Fernbusbahnhof einen Betreiber zu finden. Dieser soll für einen reibungslosen Betriebsablauf sowie für die Reinigung, den Winterdienst usw. verantwortlich sein. Der Betreiber solle sich über die Nutzungsgebühren der Buslinien, WC-Gebühren und den Kiosk finanzieren. Ausgeschrieben sei der Job noch nicht, so Fisch.

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