Niedrigwasser Niedrigwasser in Flüssen und Seen nicht kritisch

Ulm/Neu-Ulm / Christine Liebhardt, Carolin Stüwe 18.08.2018

Bei Freiburg spazieren Menschen durch ein ausgetrocknetes Flussbett der Dreisam. In Ellwangen pumpen Feuerwehrmänner Frischwasser in einen sauerstoffarmen Stausee. So lauteten landesweit die Nachrichten mangels Regen. Und zwischen Ulm und Neu-Ulm stehen die Menschen allabendlich beinahe in der Mitte des Flusses. Das Wasser steht ihnen dabei allerdings nicht bis zum Hals, sondern reicht kaum mehr hüfthoch. Was sagen die Experten zum Niedrigwasser?

„Hier gibt es keinen Grund zur Besorgnis“, beruhigt Bernd Jünke, Pressesprecher der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm. Ja, die Donau führe derzeit sehr wenig Wasser hinsichtlich Stromproduktion, „aber das haben wir immer wieder mal erlebt“. Als er jedoch die Abflusszahlen von Dienstag abruft, staunt er trotzdem: nur 37 000 Liter (37 Kubikmeter), die pro Sekunde die Donau hinunterfließen, „das hatten wir diesen Sommer tatsächlich noch nicht.“ Etwas Regen, irgendwo entlang der Iller reichte zwar aus, um den Abfluss am Mittwoch rasch wieder auf 45 000 Liter ansteigen zu lassen; gestern war er aber schon wieder auf 35 500 Liter gesunken. Zum Vergleich: Bei einem mittleren Hochwasser sind es 580 000 Liter pro Sekunde. Und bei Hochwasser mit 1000 000 Litern „ist es eine Katastrophe“.

Da aber selbst Ende Juli nur noch 57 000 Liter gemessen wurden, hatten die Stadtwerke schon vor Wochen eine der beiden Kraftwerks-Turbinen ausgeschaltet. Die Leistungsfähigkeit sei schon stark verringert, sagt Jünke, denn am besten arbeiten die Turbinen bei 80 000 Litern pro Sekunde. Mit Sorgenfalten sei aber erst zu rechnen, wenn offiziell Niedrigwasser herrscht und die Abflussmenge unter 22 000 Liter in der Sekunde fällt. Dann müsse eventuell auch die zweite Turbine abgeschaltet werden, die momentan nur zur Hälfte ausgelastet ist.

Allerdings: „Ein feuchter Herbst gleicht alles wieder aus“, versichert Jünke. „Das hatten wir alles schon mal.“ Etwa 2003, als der Jahrhundertsommer auch in Ulm nicht nur lang und trocken, sondern auch viel heißer war.

Selbst ums Trinkwasser müssten sich weder Ulmer noch Neu-Ulmer Sorgen machen, weder in Qualität noch Menge gebe es Einbußen. Allerdings wird zurzeit etwa ein Viertel bis ein Drittel mehr gefördert: Liegt die Menge im Jahresdurchschnitt bei rund 22 000 Kubikmetern am Tag, sind es in Ulm derzeit um die 30 000 Kubikmeter. „Das liegt vor allem am Gießwasser.“

Das eigentliche Thema sei aber ohnehin nicht, dass die Donau wenig Wasser führt, sondern vielmehr die Temperatur und der Sauerstoffgehalt der Gewässer. Doch da kann wiederum der Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm Entwarnung geben: „Wir haben Glück gehabt, es gab bisher kein Fischsterben“, sagt Vorsitzender Martin Glöggler. Ein bisschen Regen und kühlere Nächte hätten schon wieder Abhilfe geschaffen. Die Fischer würden an Hochsommertagen die betreffenden Gewässer wie Donau, Iller sowie diverse Baggerseen im Donautal kontrollieren. Aber bisher habe noch kein akuter Handlungsbedarf bestanden, das sauerstoffarme Wasser umzuwälzen.

Da die Fische jedoch bei Hochsommerwetter ohnehin im Stress sind und die Iller zeitweise 24 Grad warm war – kritisch wird es ab 25 Grad Wassertemperatur – ging bei über 30 Grad Lufttemperatur ein Rundschreiben an die 1100 aktiven Vereinsmitglieder raus, dass sie in der Iller nicht angeln sollen. Denn es passiere immer wieder, dass auch junge, „untermaßige“ Fische am Haken hängen. Zwar werden diese kleinen Forellen, Äschen und Rotaugen in der Regel abgeködert und wieder ins Wasser geworfen, aber diesen Zusatzstress überleben sie bei Hitze nicht.

Wo der Pegelstand gemessen wird

Pegel Auf einem Display unterhalb der Adenauerbrücke ist auf Neu-Ulmer Seite jederzeit der Pegelstand der Donau abzulesen. Er betrug gestern 1,21 Meter. „Bad Held“ heißt die dortige Messstelle, und die dort erfassten Zahlen werden auch im Internet veröffentlicht. Zu finden sind sie unter der Adresse www.hnd.bayern.de, dort bei der Stationssuche „Bad Held“ eingeben. Oder man lädt die amtliche Hochwasser-App „Meine Pegel“ aufs Smartphone.

Daten Auch weitere Zahlen finden sich im Internet, wie die Abflussgeschwindigkeit. Ebenso, ab welchem Wasserstand Überflutungen drohen: Ab 4,30 Meter etwa steht die Gartenanlage beim Donaubad unter Wasser.

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