Marisa dos Santos stand gerade im dichten Gedränge an der Kasse eines Sandwich-Imbisses in London und blickte gedankenverloren durch den Raum, als ihr Handy vibrierte. Der Blick aufs Display riss sie aus ihrem Tagtraum. Eine E-Mail. Von ihrer Agentur. „Hi, gute Neuigkeiten ...“ – Marisa stellte ihren Kaffeebecher beiseite und setzte sich. Erst dann las sie weiter – „... für dich. Du bist gebucht für Rituals. Du fliegst nächste Woche nach Indien.“ Auf einen Moment der Ungläubigkeit folgte Freude pur. Die Ulmerin hatte soeben den bisher größten Job ihrer Modelkarriere ergattert.

Großes Shooting in Indien für Kosmetikfirma „Rituals“

Auch zweieinhalb Jahre später leuchten Marisas grün-braune Augen immer noch, wenn sie von der Szene im Schnellrestaurant und den darauffolgenden Erlebnissen erzählt. „Es sind Momente wie diese, für die man in meinem Beruf lebt“, sagt sie rückblickend. Im Auftrag des niederländischen Kosmetikunternehmens reiste Marisa in indische Stadt Jaipur. Goldgelber Sand, Dünen – magische Kulisse. Ein 60-köpfiges Produktionsteam kümmerte sich am Set um die perfekte Inszenierung des Shootings. Make-up-Pinsel wedelten durch Marisas Gesicht, Hände zupften an ihrem Kleid. Blick, Pose, Blitzlicht. Pause. Outfitwechsel. Neue Kameraeinstellung. 20 Stunden lang volle Konzentration. Das Ergebnis: Stimmungsvolle Fotos, die in den Rituals-Stores rund um den Globus zu sehen sind.

Marisa dos Santos: Immer wieder auf Kurzurlaub in Ulm

Es war dieses Engagement, das Marisas bisher erfolgreichste Jahre als Model einläutete. Die Halbbrasilianerin – 1,78 Meter groß, langes braunes Haar, Schönheitsfleck auf der linken Wange – ist in den Modemetropolen der Welt unterwegs. Steht in Madrid, Mailand sowie Paris vor den Kameras und auf den Laufstegen. „Fernweh zu haben ist in dieser Branche definitiv von Vorteil“, betont die 25-Jährige. Dennoch freut sie sich immer wieder, wenn sie zwischen ihren Reisen einen Kurzurlaub in ihrer Heimatstadt einlegen kann und ihre „Familie, Freunde und das Ulmer Münster“ wiedersieht.

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Während der Pubertät wurde das Ulmer Model gemobbt

Im Schatten des höchsten Kirchturms der Welt, in der Hirschstraße, wurde Marisa im Alter von sechs Jahren bei einem Stadtbummel mit ihrer Mutter entdeckt. Eine Frau wollte das hochaufgeschossene junge Mädchen unbedingt für ihren Kindermode-Katalog ablichten lassen. Marisa war neugierig und absolvierte kurze Zeit später ihr erstes Shooting. „Ich hatte auf Anhieb Spaß“, erinnert sie sich. „Rückblickend bin froh, dass dieses Erlebnis so positiv war, sonst hätte ich vielleicht gar nicht weitergemodelt.“ Schließlich seien Kinder- und Jugenderfahrungen prägend. Gute wie schlechte. Letztere sammelte Marisa als Teenager an der Realschule in Weißenhorn, als sie von ihren Klassenkameraden aufgrund ihres dünnen Körpers und ihrer langen Beine gemobbt wurde. Bohnenstange, Knochen, Giraffe: Spitznamen so vielfältig wie verletzend.

Partys und Exzesse: Die Versuchungen im Leben eines Models

Es war eine Zeit, die noch heute ihr Selbstvertrauen beeinträchtigt, räumt Marisa ein. Manchmal hadert sie mit ihrem Äußeren, fühlt sich nicht gut genug. „Ein labiles Selbstwertgefühl kann man sich als Model nur bedingt erlauben“, erklärt sie, „was überhaupt nicht geht, ist ein schwacher Charakter.“ Das merkte Marisa, als sie sich nach ihrer Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten mit 19 Jahren dazu entschied, das Modeln zu ihrem Hauptberuf zu machen und sich bei den Agenturen in den großen Städten vorstellte. Club-Exzesse und Drogen gehören zum Geschäft, doch Marisa lehnte stets ab. „Viele junge Frauen können diesen Versuchungen nicht widerstehen“, weiß sie.

Auf der Aftershowparty mit Leonardo DiCaprio und Cara Delevingne

Auch ohne verbotene Substanzen zu konsumieren, hat Marisa im Kreise der Reichen und Schönen bereits zahlreiche Partys gefeiert. Beispielsweise auf den Filmfestspielen im französischen Cannes. Beim Aftershow-Event kam sie mit der Hollywood-Ikone Leonardo DiCaprio ins Gespräch, tanzte gemeinsam mit dem Supermodel Cara Delevingne zur Musik.

Irgendwann möchte es Marisa der weltberühmten Britin gleichtun und das Cover einer Vogue-Ausgabe zieren. „Mit meiner Kampagne für Rituals oder den Shootings für Vero Moda und Art Deko habe ich in jüngerer Vergangenheit gute Referenzen gesammelt“, so Marisa, „natürlich ist es aber noch ein weiter Weg zu diesem Traum.“