Der Geldbeutel wird immer dicker? Klingt gut, liegt aber vor allem an den Kassenzetteln, die sich dort sammeln. In den vergangenen Wochen sind es noch mehr geworden. Denn seit 1. Januar sind Händler und Gastronomen dazu verpflichtet, stets einen Bon auszustellen und diesen ihren Kunden zur Verfügung zu stellen. Die meisten geben den Bon in Papierform heraus, es gibt aber auch digitale Alternativen. Der Grund für die Bonpflicht: Die Bundesregierung will damit Steuerhinterziehungen verhindern. Notwendiger Schritt oder unnötiger Zettelwahnsinn? Bei der Bonpflicht scheiden sich die Geister – auch in Ulm.

Kevin Alizade vom Foodtruck „Illerbuben“

Kevin Alizade von den Illerbuben (links) ist von der Bonpflicht genervt.
Kevin Alizade von den Illerbuben (links) ist von der Bonpflicht genervt.
© Foto: Privat

Kevin Alizade, „Illerbuben“: „Die Bonpflicht nervt. Seit Januar verbrauchen wir pro Tag fast eine ganze Thermorolle an der Kasse unseres Foodtrucks. Ich will mir gar nicht ausmalen, wie viel zusätzliches Papier nun in Deutschland weggeschmissen wird. Alles auf Kosten der Umwelt.“

Ahmad Nassrollah vom Fruchtrausch

Fruchtrausch-Betreiber Ahmad Nassrollah berichtet, dass ein Großteil seiner Kunden die Kassenzettel im Laden lässt.
Fruchtrausch-Betreiber Ahmad Nassrollah berichtet, dass ein Großteil seiner Kunden die Kassenzettel im Laden lässt.
© Foto: Fruchtrausch

Ahmad Nassrollah, Fruchtrausch: „Wir werden von den Kunden oft gefragt, warum wir ihnen den Kassenzettel anbieten. Viele wissen nämlich noch nichts von der Bonpflicht. Wir leisten dann Aufklärungsarbeit. Meine Beobachtung ist: Nahezu alle Kunden lassen den Zettel liegen.“

Ralf Gnamm von der Metzgerei Geydan-Gnamm

Die Verkäuferinnen bei Geydan Gnamm in der Platzgasse lassen ihren Kunden die Wahl: Bon oder Schokobon.
Die Verkäuferinnen bei Geydan Gnamm in der Platzgasse lassen ihren Kunden die Wahl: Bon oder Schokobon.
© Foto: Heike Viefhaus

Ralf Gnamm, Geydann-Gnamm: „Für uns ist die Bonpflicht nichts Neues. Wir geben seit 40 Jahren Kassenzettel heraus. Die Aufregung im Januar haben wir daher gelassen wahrgenommen. Für jeden Kunden, dem die Zettelwirtschaft zu viel wird, haben wir übrigens Nervennahrung: Wer den Bon nicht mitnehmen möchte, bekommt ein „Schokobon.“

Sebastian Frenzel von der Vinothek im Fischerviertel

Sebastian Frenzel, Storeleiter der Vinothek im Fischerviertel, kritisiert die Umsetzung der Bonpflicht.
Sebastian Frenzel, Storeleiter der Vinothek im Fischerviertel, kritisiert die Umsetzung der Bonpflicht.
© Foto: Alexander Kern

Sebastian Frenzel, Vinothek im Fischerviertel: „Der Gedanke, Steuerhinterziehungen verhindern zu wollen, ist natürlich nachvollziehbar. Es ist gemeinhin bekannt, dass vor allem in der Gastronomie oftmals getrickst wird. Vor diesem Hintergrund musste die Politik tatsächlich etwas tun. Die eingeführte Bonpflicht finde ich jedoch wenig zielführend. Sie hat Papierverschwendung zur Folge und ist mit Sicherheit keine Allzweckwaffe gegen Steuersünder.“

Sebastian Schmid vom Dietrich-Theater in Neu-Ulm

Sebastian Schmid vom Dietrich-Theater in Neu-Ulm hofft, dass "findige Köpfe" eine Lösung entwickeln, um den durch die Bonpflicht entstehenden Papiermüll zu vermeiden.
Sebastian Schmid vom Dietrich-Theater in Neu-Ulm hofft, dass „findige Köpfe“ eine Lösung entwickeln, um den durch die Bonpflicht entstehenden Papiermüll zu vermeiden.
© Foto: privat

Sebastian Schmid, Dietrich-Theater: „Elektronische Kassensysteme haben wir im Dietrich-Theater, in der Lichtburg, im Mephisto und Obscura schon lange. Unsere Besucher erhalten nun nur noch den Bon in gesetzlich vorgeschriebener Form beim Kauf einer Kinokarte sowie von Snacks und Getränken. Über Sinn und Unsinn der Bonpflicht und dass dabei so viel Sondermüll durch das mit Chemikalien behandelte Thermopapier verursacht wird, wurde viel diskutiert – ich hoffe, dass findige Köpfe umweltschonende Lösungen entwickeln. Die Maßnahme an sich ist ja gut: Ich bin für Steuergerechtigkeit.“