Die Passanten, die ihn sahen, trauten ihren Augen nicht: Am Dienstagmorgen gegen 8 Uhr spazierte ein kleiner Biber in den Grünanlagen beim Ulmer Finanzamt herum. Gesehen hat ihn unter anderen auch Niels Zimmermann, der gerade mit dem Auto vorbei fuhr. „Der Biber wollte offensichtlich über die Hauptstraße Richtung Ehinger Tor“, sagt er. Ausgerechnet den Weg über die sechsspurige Straße beim Finanzamt Richtung Ehinger Tor hat sich der Biber ausgesucht. Da, wo garantiert alle schnell fahren. Natürlich viel zu gefährlich für das Tier, das eigentlich im Wasser lebt und keine Ahnung von Ampeln hat. Also versuchten die Passanten ihn davon abzuhalten, darunter auch zwei Mitarbeiter der EBU.

Biber war wohl auf der Suche nach einem Partner

Zimmermann sei schnell zu seinem Büro gefahren, um sein Handy zu holen: „Ich wollte ein Foto machen“, sagt der Chef der alt eingesessenen Ulmer Werbeagentur Schönle, Zimmermann & Partner.

Biber kann sich dank Helferin in Garten retten

Eine Frau und zwei Mitarbeiter der EBU seien ebenfalls auf den Biber aufmerksam geworden und versuchten, das Tier von seiner selbstmörderischen Absicht abzuhalten. Dass sich der Biber verlaufen habe und mitten in der Stadt nicht nur auf Autos, sondern auch auf Menschen getroffen sei, habe ihm nicht gefallen. „Der war fertig mit den Nerven“, betont Zimmermann. Bei der Rettungsaktion legten die beiden Müllkontrolleure durchaus psychologisches Geschick an den Tag: „Sie haben mit ihm geredet“, erzählt Rudolf Bock von den EBU. Mit Erfolg. Der Biber habe angehalten, als sie ihn dazu aufgefordert hatten. Danach versuchten sie, ihn in einen kleinen Garten an der Thränstraße zu locken, eine hilfsbereite Frau öffnete das Törchen.

Feuerwehr Ulm rückt wegen Biber aus

Inzwischen sei auch die Feuerwehr gerufen worden. „Ja, wir sind angerückt und haben ihn eingefangen“, bestätigt ein Sprecher der Feuerwehr Ulm. Der Biber sei relativ widerstandslos in die Tierauffangbox gegangen.  „Er schien müde.“

Biberbeauftragter: Tier soll schnell wieder an Gewässer

Ein Telefonat mit dem hiesigen Biberbeauftragten ergab, dass er schnell  an ein Gewässer gebracht werden soll. „Deshalb haben wir ihn am Sandhaken in Wiblingen bei Donau und Iller ausgesetzt.“

Biberausflug kein Einzelfall in Ulm

Die Geschichte ging zwar gut aus, lässt aber Fragen offen. So sei in der Vergangenheit des öfteren ein Biber in der Stadt herumspaziert, erzählt der Feuerwehrmann. Auch bei der Polizei im Hof des Neuen Baus etwa. Ist es vielleicht der selbe Biber? Wenn ja, warum treibt er sich bei Behörden herum?

Warum war der Biber dort in Ulm unterwegs?

Vielleicht aber habe er den Weg von der Blau zur Donau gesucht, um eine Partnerin zu finden, wie Niels Zimmermann vermutet, der aufgrund seiner Freizeitbeschäftigung – das Fliegenfischen  –  über Biber Bescheid weiß. Am allermeisten interessiert die Beteiligten jedoch, warum das putzige Nagetier, insofern es ist von der Blau her gekommen ist,  nicht eine andere Route gewählt hat. „Da wäre er besser über die Schillerstraße gegangen, wenn er zur Donau wollte“, meint etwa Bock. Und Zimmermann empfiehlt beim nächsten Mal, auf die kleinen Nebenstraßen auszuweichen.