Ulm Neunte Bildungsmesse startet am Donnerstag

Ui, da gibt’s was zu Staunen: Wie ihre Medizintechnik-Produkte funktionieren, erklärten die Auszubildenden Marc Bollinger (rechts) und Jessica Weber am Stand von Ulrich Medical.
Ui, da gibt’s was zu Staunen: Wie ihre Medizintechnik-Produkte funktionieren, erklärten die Auszubildenden Marc Bollinger (rechts) und Jessica Weber am Stand von Ulrich Medical. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Christine Liebhardt 22.02.2018
In den Messehallen präsentieren sich bis Samstag an 280 Ständen Arbeitgeber aus der Region. Sie buhlen um Auszubildende.

Wir als Unternehmer müssen die immer seltener werdende Spezies der Azubis regelrecht einfangen.“ Zwar ist es am Mittwoch reichlich geschäftig zugegangen beim Aufbau der Ulmer Bildungsmesse, Netze hat IHK-Präsident Peter Kulitz in den Hallen in der Friedrichsau dann aber doch keine ausgeworfen. Ein Jagdgehege sei die Messe für Jugendliche und ihre Eltern zwar nicht. „Aber ein Informationsgehege.“ Im Angebot ist von heute an bis Samstag vieles, was bei der Orientierung auf dem Weg ins Berufsleben helfen soll – mit klarem Fokus auf die duale Ausbildung.

Denn: „Auch die duale Ausbildung ist attraktiv und gut vergütet“, schwärmte Gunter Czisch am Mittwoch auf einem Presserundgang. „Die Unternehmen werben heute um Auszubildende wie um Kunden.“ Der Oberbürgermeister hatte selbst vor 38 Jahren seine Ausbildung zum mittleren Dienst bei der Stadt begonnen. Heute organisieren Stadt und IHK die mittlerweile neunte Bildungsmesse – sie findet alle zwei Jahre statt – gemeinsam. „Das ist eine gute Gelegenheit, sich anzuschauen, was sich bei den Unternehmen tut“, findet Gerhard Semler, Leiter der Abteilung Bildung und Sport „Das ist inzwischen Hightech, das muss man erfahren.“

Schwerpunkt Berufsschulen

Der „Markt der Möglichkeiten“ (Czisch) überschlägt sich schier vor Superlativen: größte Bildungsmesse im Land, größte Messe auf dem Gelände, 280 Aussteller auf 7345 Quadratmetern, mehr als 1000 Bildungsangebote (siehe Infokasten). Damit da nicht der Überblick verloren geht, sind die Hallen grob nach Themen bestückt: In der Donauhalle präsentieren sich berufliche Schulen, Hochschulen und Universitäten. „Die beruflichen Schulen sind ein Schwerpunkt, denn Ausbildung ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft funktioniert“, sagt Czisch. Allein in den vergangenen Jahren hat die Stadt im Rahmen der Bildungsoffensive 3 rund 58 Millionen Euro in die beruflichen Schulen investiert, fast 10 000 Schüler aus der ganzen Region werden an ihnen unterrichtet.

In Halle 1 und 2 finden sich Dienstleister und Handwerk; in Halle 3 Verwaltung, Bildung und Soziales; und in den Hallen 5, 6 und 7 die Industrie. Das Besondere: An den Ständen stehen Auszubildende aus den Unternehmen, die interessierte Jugendliche informieren. „Die verstehen sich ganz anders und haben eine gleiche Interessenslage“, findet Peter Kulitz, „da müssen wir Alten gar nicht mehr antreten“.

Jessica Weber und Marc Bollinger sind gerade mit dem Aufbau des Standes von Ulrich Medical beschäftigt. Weber, 21 Jahre jung, hat die ersten zweieinhalb von insgesamt viereinhalb Jahren im so genannten „Ulmer Modell“ hinter sich: Sie lernt Industriemechanikerin und studiert gleichzeitig Medizintechnik. Wenn sie fertig ist, hat sie nicht nur einen Gesellenbrief in der Tasche, sondern auch einen Bachelor. „Ich habe mich damals auch auf der Bildungsmesse informiert“, erzählt die Blausteinerin. „Auf das Ulmer Modell bin ich dann ganz klassisch über eine Anzeige in der Zeitung gekommen.“ Sie schätzt daran, dass sie dauerhaft Gehalt bekommt und sich spezialisieren kann: „Nur Maschinenbau war mir zu allgemein.“

Ihr Kollege, der 19-jährige Marc Bollinger, lernt nach der Mittleren Reife im dritten Jahr Werkzeugmechaniker für medizinische Instrumente. Ulrich Medical war die Partnerfirma seiner Schule, ein Probetag im Betrieb hat ihn von einer Ausbildung überzeugt. Er ist zufrieden mit seiner Wahl: „Viele gehen weiter in die Schule, obwohl das vielleicht nicht das Richtige ist.“

Sein Beispiel zeigt: Schon lange reicht es nicht mehr, sich als Unternehmen nur zu präsentieren. „Der Fachkräftemangel ist sehr intensiv und momentan eine Wachstumsbremse“, sagt Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall Ulm. Trotz „jeder Menge Arbeitsplätze, besten Zukunftsaussichten, hervorragender Bezahlung“: Vor allem ITler, Elektroniker, Mechatroniker und Schweißer fehlen in der Branche. Über Bildungsnetzwerke versuchen die Unternehmen deshalb, schon frühzeitig in Kontakt mit Schülern zu kommen, berichtet Maier. „Das geht alles nicht von heute auf morgen, aber langsam setzt ein Umdenken ein, dass auch eine Ausbildung zu einem auskömmlichen Leben verhilft.“

Info Geöffnet ist die Messe am Donnerstag, von 9 bis 16 Uhr, Freitag von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Auch Eltern sind angesprochen

Information Auf dem Weg, junge Talente und Ausbildungsbetriebe zusammen zu bringen, spielen auch die Eltern der Schüler eine Rolle, weiß IHK-Präsident Kulitz: „Sie haben oft ein großes Wort mitzureden und sollten sich deshalb auch informieren.“

Programm Während der Messe gibt es viele Vorträge und Kurzpräsentationen von Berufen. Sie sind in der Programm-Broschüre der Messe zusammengefasst. Am Donnerstag geht es beispielsweise um 11 Uhr um „Ausbildungsmöglichkeiten für junge Migrantinnen“ (Raum 8) oder um „Überbrückungsmöglichkeiten nach dem Abitur“ (14 Uhr, Raum 8). Morgen, Freitag, richtet sich „Hilfe, mein Kind sucht einen Beruf!“ an Eltern (15 Uhr, Raum 7), ebenso „Berufsorientierung – eine Herausforderung für die ganze Familie“ (16 Uhr, Raum 8).

SÜDWEST PRESSE Auch diese Zeitung ist auf der Bildungsmesse vertreten: Mit einem Stand in Halle 1.

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