Der Ausstellungskatalog hat eine Größe von sieben mal fünf Zentimeter. Und auch der Empfangssekt wurde in winzigen Bechern verteilt. Zum Tag des offenen Ateliers der Kunstetage Neu-Ulm am Wochenende richtete der Kunstbauraum eine Miniaturausstellung im Lift ein. "Wir wollten eine Ausstellung machen, die sich vom Normalen abhebt", sagte Christian Greifendorf, einer der Künstler. Das Thema: die Ambivalenz von Raum. "Da ist der Aufzug als ein Nicht-Ort für den Künstler hochinteressant", erklärte er die Idee, die hinter der Ausstellung stand.

Den Raum neu wahrnehmen - das könne man nun mit den neun kleinen Kunstwerken, die eigens für die Lift-Ausstellung angefertigt wurden, und die in dem alten Aufzug der Kunstetage am Heiner-Metzger-Platz gekonnt installiert wurden. Baujahr des Aufzugs: 1984. Tragfähigkeit: 300 Kilogramm oder vier Personen. "Nauf odr naa" hat Greifendorf seine drei mal vier Zentimeter großen Tonarbeiten genannt, die, gleich über den Knöpfen im Aufzug hängend, verschiedene Pfeile abbilden. "Durch das Überprägen von Pfeilen ergeben sich neue Pfeile", erklärte der Künstler seine Arbeit. "Und in einem Raum, der eigentlich keiner ist, wird die Richtung fast entscheidend", sagte er.

Aber auch die Geschwindigkeit, die Helga Dangel in ihrem 10 mal 10 Zentimeter großen Werk "Bruchstücke" ausdrückt. "Denn Geschwindigkeit kann man in einem Aufzug nicht machen, man ist ihr ausgesetzt", sagte sie, überlegte, und korrigierte sich: "Nicht ausgesetzt. Man ist ein Teil von ihr."

Verschiedene Aspekte haben die neun Künstler in dem Lift realisiert, mit verschiedenen Materialien. Emil Kräß hat mit einer Bleistift-Zeichnung und einer Collage den Technik-Aspekt hervorgehoben, Dorothea Grathwohl "Drei denkende Narzissten auf drei liegenden Aufzügen", so ihr Arbeitstitel. Von Augustias Fernandez Gracia hingen drei Acryl-Kunstwerke im Lift, Sibylle Meßner hat in einem kleinen Karton "Aufsteiger" realisiert, und Susanne de la Fuente Miniatur-Holzfiguren.

Ebenfalls mit Acryl hat Caritt Reichl das Zusammentreffen von Bewegung abgebildet. "Nicht nur die Größe wird bei einer Gruppenausstellung im Lift auf ein winziges Format beschränkt, auch die Thematik passt sich diesem Alltäglichen, als auch magischen Ort an", sagte Richard Géczi, der mit Zuckertusche in drei kleinen Bildern das oben und unten, Himmel und Hölle umsetzte. Die Miniaturen hängen auch abfotografiert im ersten Stock der Kunstetage. Dort, wo am Wochenende die vielen Künstler in ihren Ateliers ihre Kunstwerke der Öffentlichkeit präsentierten.