Ulm / Von Christoph Mayer 150 neue Wohnungen entstehen bis 2021 auf dem ehemaligen Gelände von Gummi Welz. Wettbewerbssieger ist ein Stuttgarter Architekturbüro.

Sechs von unterschiedlichen Architekten eingereichte Entwürfe hatte das 14-köpfige Preisgericht aus Stadträten, Mitgliedern der Stadtverwaltung und externen Experten am Freitag zu begutachten. Das Urteil fiel einstimmig aus. Für sein Konzept der Neubebauung des ehemaligen Welz-Areals in der Ulmer Weststadt erhält das Stuttgarter Architekturbüro Orange Blu den ersten Preis. „Überzeugt hat uns, dass der Entwurf die baulichen Strukturen der Umgebung mit einbezieht“, sagt Baubürgermeister Tim von Winning. Das neue Stück Weststadt sei kein Fremdkörper, füge sich ideal in die Nachbarschaft ein. Auch der von Bäumen gesäumte Quartiersplatz kam bei den Juroren gut an. „Das wird ein identitätsstiftender Ort für alle Bewohner“, ist von Winning überzeugt.

Reichlich Platz für Gewerbe

Das zwischen Einstein-, Magirus- und Söflinger Straße gelegene Quartier wird kein reines Wohngebiet. Vorgesehen ist auch Gewerbe – wohlgemerkt keines, das Lärm und Dreck macht. Büros, Arztpraxen, vielleicht ein Lebensmittelladen oder eine Bäckerei sollen insbesondere an Einstein- und Magirusstraße konzentriert werden. Im Innern des Viertels ist eine Kindertagesstätte vorgesehen. Ob sich der anvisierte Mix aus 60 Prozent Wohnungen und 40 Prozent Gewerbe realisieren lässt oder ob letztlich nicht doch ein höherer Anteil als Wohnfläche genutzt wird, bleibt abzuwarten. „Das kann man nicht erzwingen“, sagt Investor Volker Munk.

Grundsätzlich gilt jedoch, dass die Stadt mit der Mix-Vorgabe eine neue Richtung einschlägt. Wird neu gebaut, sollen künftig Mischgebiete entstehen, Arbeit und Wohnen in einem Quartier vereint werden. Auf das ehemalige Areal der Gummifirma Welz bezogen heißt das, 350 Menschen könnten dort wohnen, 50 Arbeitsplätze entstehen.  Der Zeitplan sieht vor: Satzungsbeschluss vor der Sommerpause 2018, dann Baubeginn, Bauzeit drei Jahre.

Der Investor ist in Ulm eine bekannte Größe. Die Firma Munk hatte den größten Teil des knapp 19 000 Quadratmeter umfassenden Grundstücks   bereits vor neun Jahren gekauft, nachdem die Firma Gummi Welz ins Neu-Ulmer Gewerbegebiet umgezogen war. Die Stadt Ulm hatte seinerzeit auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet, Bedingung: Munk entwickelt das Quartier im Einvernehmen mit der Kommune und lässt einen Wettbewerb zu. Weil die langjährigen Mietverträge alle Ende dieses Jahres auslaufen, nimmt das Projekt nun Fahrt auf. Die bisherigen Mieter der alten Welz-Gebäude – darunter ein Sanitärgroßhandel, eine Kunststoffverarbeitungsfirma oder die Caritas – müssen  an andere Standorte umziehen.

60 Millionen investieren

Volker Munk spricht von einer Investitionssumme von 60 Millionen Euro. Die 15 Gebäude mit 150 Wohnungen  sollen bis 2021 bezugsfertig sein, es handele sich überwiegend um Eigentums-, aber auch um Mietwohnungen. Munk spricht von  Wohnraum im „mittelpreisigen Segment“, der durchschnittliche Quadratmeterpreis liege bei 4000 Euro. Für eine 100 Quadratmeter große Eigentumswohnung  würden somit 400.000 Euro fällig.

Sozialen Wohnungsbau wird es nicht geben. Zwar hatte der Gemeinderat im Zuge der jüngsten Wohnungsbaudebatte einen Anteil von 30 Prozent an öffentlich geförderten Wohnungen  festgelegt. Doch die Regelung gilt nur für neue Projekte, nicht für solche aus dem Jahr 2008.

Wettbewerbsentwürfe öffentlich ausgestellt

Planungsgebiet Nicht das ganze Areal wird ab 2018 bebaut. So ist ein der Stadt gehörendes Eckgrundstück noch bis Ende 2023 vermietet. Ein angrenzendes, an der Einsteinstraße gelegenes Grundstück befindet sich im Privatbesitz.

Besichtigung Die Wettbewerbsentwürfe sind am Freitag, 4. August im Gebäude Magirusstraße 30 öffentlich ausgestellt. Von 16 bis 18 Uhr kann man sie anschauen. Außerdem steht eine Mitarbeiterin der Firma Munk als Ansprechpartnerin zur Verfügung.