Die Stadt Ulm hat in Tübingen bei einem Stocherkahnbauer eine neue Solarfähre für 50.000 Euro bauen lassen, weil die alte mit ihren 14 Jahren keine Zulassung mehr erhalten hatte. Die neue liegt aber noch vertäut beim Bootshaus am Wasserkraftwerk Böfinger Halde. Denn erst Ende des Monats wird die zuständige Schifffahrtskommission zur Zulassungsprüfung nach Ulm kommen. „Voraussichtlich Anfang Juli kann die neue Fähre in den Regelbetrieb gehen“, sagt Michaela Schwark, die Geschäftsführerin der Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm, die wiederum für die Solarflotte zuständig ist. Dazu gehören noch zwei Solarboote, die schon seit Anfang Mai auf der Donau ihre Runden drehen.

Wie funktioniert die Solarflotte mit den diversen Booten?

Das Solarboot „Neu-Ulm“ kann bis zu zwölf Fahrgäste befördern, das Boot „Ulm“ bis zu 20. Der Bootsunterbau erinnert an einen Katamaran, und auf dem Dach sind Solarfolienmodule montiert. Mit der maximalen Batterieladung von 320 Amperestunden (Ah) kann jedes Boot selbst bei schlechtem Wetter eine Strecke von bis zu 80 Kilometern zurücklegen – bei einer Geschwindigkeit von bis zu acht Stundenkilometern. Die Fähre indes funktioniert nach dem Prinzip einer Gierfähre (siehe Infokasten unten). Speziell auf der Donau ist die Fortbewegung abhängig vom Wasserabfluss (der auch vom Kraftwerk geregelt wird), der Wassertiefe und nicht zuletzt vom Wind. Die kleinen Solarmodule dienen nur für die Beleuchtung abends an Bord.

Seit wann gibt es die Boote?

Die alte Solarfähre war 14 Jahre im Einsatz mit insgesamt 180.000 Fahrgästen. Das Solarboot „Neu-Ulm“ ist der Prototyp der deutschen Solarboote und wurde 1996 als Diplomarbeit in Stuttgart entworfen und von der Firma Kopf in Sulz am Neckar gebaut. „Es wurde in Ulm getauft und wird seither, nach einigen Umbauten, als Fahrgastschiff von der Solarstiftung betrieben“, sagt Michaela Schwark. Das Solarboot „Ulm“ wurde im Allgäu gebaut und transportiert seit 2016  Fahrgäste vom Metzgerturm zum Barfüßer und zurück. „Die Anschaffungskosten für das Solarboot Ulm lagen bei 287.000 Euro“, sagt die Geschäftsführerin.

Wie geht es weiter mit der Ulmer Solarboot-Flotte?

Die Abschreibung des Solarboots „Ulm“ läuft insgesamt zehn Jahre. „Also werden wir spätestens 2026 mit dem Gemeinderat gemeinsam entscheiden müssen, ob wir weiter in die gesamte Flotte investieren“, sagt Bau- und Umweltbürgermeister Tim von Winning.  Die neue Fähre sei jetzt schon von der Stadt finanziert worden, weil die Solarstiftung nur noch eine „Verbrauchsstiftung“ ist. Das heißt, das Geld wird bloß noch in Projekte zur Förderung der Energiewende gesteckt in Zusammenarbeit mit dem Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Ob die Stadt künftig die Flotte weiterfinanziert oder eine andere Organisation, sei bislang noch unklar. Denn: „Wir haben jährlich ein Betriebsdefizit von 70.000 Euro, den Ausgaben von 85.000 Euro stehen Einnahmen von nur 15.000 Euro gegenüber“, sagt von Winning.

Wann sind die Solarboote unterwegs?

Die Solarboote starten samstags, sonn- und feiertags von 14.30 bis 16 Uhr und fahren dann etwa 30 Minuten lang die Runde Metzgerturm – Adlerbastei – Barfüßer – Adlerbastei – Metzgerturm. Erwachsene zahlen pro Kurzstrecke 1 Euro, pro Runde 3 Euro. Kinder bis 14 Jahre zahlen nichts. Mieten kann man die Solarboote unter www.solarstiftung.de. Das kostet in der ersten Stunde je nach Bootsgröße 100 und 150 Euro.

Was war das Ziel der Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm?

Dazu sagt Peter Jäger, der sich zuletzt um die Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm und die Wasserfahrzeuge gekümmert hat: „Die Solarboote haben nicht nur eine Zukunft wie alle E-Mobile, sondern sie sind Zukunft.“ Dies vor allem jungen Fahrgästen zu vermitteln, sei Auftrag der Solarstiftung. Inzwischen hat die Solarflotte insgesamt rund 250.000 Fahrgäste befördert. Die ehrenamtlichen Kapitäne – darunter sind auch Frauen – informieren über die Solar- und die Brennstoffzellen-Technologie.

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Wodurch sich die Gierfähre bewegt


Funktion: Eine Gierfähre hängt an einem langen Drahtseil, das sich kurz vor der Fähre aufteilt. Ein Seilende ist am Bug und eines am Heck der Fähre befestigt. Verändert sich die Länge der Enden zueinander, verändert sich auch der Anstellwinkel der Fähre zum Strom. Nur dieses Einstellen der Seilenden geschieht mit Motorkraft. Der Druck des anströmenden Wassers drängt sie an das Ufer. Das Drahtseil wird im Fluss verankert.