Ulm / Chirin Kolb Das ehemalige Gummi-Welz-Gelände im Ulmer Westen soll mit Wohnungen und Gewerbeflächen bebaut werden. Das Ziel ist eine Aufwertung des ganzen Viertels.

In der Weststadt kommt auf einem zentralen, bedeutenden Grundstück eine neue Entwicklung in Gang. Das ehemalige Gelände von Gummi Welz, begrenzt von Einstein-, Magirus- und Söflinger Straße, soll bebaut werden. Entstehen soll nach den Vorstellungen der Stadtplaner ein urbanes, verdichtetes Wohngebiet mit gewerblichen Nutzungen. Das Verhältnis zwischen Wohnen und Gewerbe soll bei 60 zu 40 liegen.

Gummi Welz hatte seinen Standort Anfang 2008 verlegt. Die Stadt Ulm verzichtete auf ihr Vorkaufsrecht für das Grundstück, so dass die Firma Munk Bauen und Wohnen zum Zug kam. Ihr gehört der größte Teil des Grundstücks. Bedingung der Stadt war allerdings, dass Munk das Quartier im Einvernehmen mit der Stadt entwickelt, die nötigen Erschließungs- und Freiflächen unentgeltlich auf die Stadt überträgt und in einem Gutachterverfahren den besten Entwurf prämieren lässt.

Eine neue Entwicklung des Grundstücks scheiterte aber an langjährigen Mietverträgen. Sie laufen Ende des Jahres aus, so dass nun wieder Bewegung in die Sache kommt, wie Volker Jescheck, der Leiter der Abteilung Stadtplanung, im Stadtentwicklungsausschuss sagte. Die Firma Munk will die Gebäude auf ihrem Grundstück bereits 2018 abreißen lassen.

Entstehen soll stattdessen ein Quartier mit rund 150 Wohnungen, 10.000 Quadratmeter für gewerbliche Nutzungen und eine Tiefgarage. Das „Nebeneinander von Wohnen und Gewerbe“ sei prägend für diesen Teil der Weststadt und soll sich auch auf diesem Grundstück wiederfinden. Auch Handel soll möglich sein, allerdings nur für die Nahversorgung. Die Stadtplaner gehen davon aus, dass die Gewerbeeinheiten eher zu den Straßenseiten hin entstehen und im Blockinneren Wohnungen gebaut werden. Die Häuser können entlang der Straßen fünf bis sechs Geschosse hoch werden, punktuell seien auch noch höhere vorstellbar. Das Grundstück hat laut Jescheck jedenfalls „großes Potenzial“.

Allerdings wird nicht das ganze Areal, das zum Planungsgebiet gehört, neu bebaut – zumindest nicht sofort. Vor allem entlang der Einsteinstraße nicht. Denn das Eckgrundstück, das der Stadt gehört, ist noch bis Ende 2023 vermietet. Das angrenzende und an der Einsteinstraße gelegene Grundstück befindet sich in Privateigentum und soll nicht neu genutzt werden.

Das Areal liegt im Sanierungsgebiet Weststadt II. Nicht zum Plangebiet gehört das Schuhhaus Siegle. Dieses Gebäude aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts bleibt stehen.

Die Haupterschließung für das neue Quartier soll über die Magirusstraße erfolgen. Mit ihrem Zustand sind die Stadtplaner nicht zufrieden, weshalb sie „an Attraktivität und städtischem Charakter gewinnen“ soll. Das Quartier selbst wird verkehrsberuhigt; eine neue Verbindungsstraße von der Söflinger Straße zur Einsteinstraße ist nicht vorgesehen. Auch für Fußgänger und Radfahrer soll es Verbesserungen geben. Langfristig sind Fuß- und Radwege geplant von der Söflinger Straße bis zur Griesgasse in Richtung Blau und von der Magirusstraße quer durch bis zur Brunnengasse.

Gummi Welz zog schon 2008 weg

Standort Das Unternehmen Gummi Welz hatte seinen Standort jahrzehntelang an der Magirusstraße im Ulmer Westen. Seit Anfang 2008 produziert das Unternehmen auf bayerischer Seite an der Otto-Renner-Straße. Gummi Welz stellt unter anderem Gummidichtungen, Isolationssysteme, Formteile und Profile aus Gummi her.