Nur wenn alle Mitwirkenden auf dem Wohnungsmarkt gemeinsam handeln, kann die große Wohnbau-Offensive der Stadtverwaltung in Ulm gelingen. Das sagte OB Gunter Czisch am Montag beim offiziellen Spatenstich für das Gemeinschaftsprojekt „Schwamberger Hof“ von UWS und Ulmer Heimstätte. Dabei entstehen, wie berichtet, auf einem ehemaligen Parkplatz bei AOK und Arbeitsagentur insgesamt 78 Wohnungen. Czisch nannte das Zusammenwirken des städtischen und genossenschaftlichen Unternehmens ein „leuchtendes Beispiel“ für entsprechende Kooperationen.

Er erinnerte an die komplexe Geschichte des Areals zwischen Schwamberger Straße, Bachstraße und Wichernstraße, das 2014 wieder vom Land an die Stadt ging. Das Grundstück war demnach auch mal für die Bürgerdienste im Gespräch, die ihr neues Domizil nun an der Olgastraße bekommen. Nun werde daraus ein Quartier für die Oststadt, sagte Czisch, das mehr Leben in diesen Stadtteil bringt: „Das Projekt setzt Impulse für das Wohnen in der Stadt.“ Es handle sich um ein Musterbeispiel für die Innenentwicklung. Vor allem: „Es gibt selten so viel Platz in der Stadt.“

„Mitten in der Stadt“

In dem vom Büro Hähnig Gemmeke in Tübingen geplanten Gebäude sollen nach den Vorstellungen des Stadtoberhaupts Familien mit Kindern, aber auch Senioren unterkommen: „Es gibt viel Bewegung in der Demographie.“ Czisch machte kein Geheimnis daraus, dass für das Bauprojekt ein großer Parkplatz weggefallen ist. Berufspendler könnten jedoch Ersatz im Umfeld finden. Für die späteren Bewohner des Schwamberger Hofs werde Mobilität hingegen sehr einfach sein, denn sie lebten „mitten in der Stadt“.

Für die UWS verwies Geschäftsführer Frank Pinsler ebenfalls auf die kommunale Wohnbau-Offensive, mit geplanten 3500 Wohnungen in fünf Jahren: „Das ist sehr sportlich.“ Er zeigte sich erfreut darüber, dass die städtische UWS nach langer Pause wieder eine Kooperation mit der Heimstätte eingehen konnte. Auf diese Weise hätten das größte kommunale und größte private Wohnbauunternehmen die Kräfte gebündelt. Pinsler erläuterte dem Publikum beim Spatenstich – darunter viele Stadträte –, dass im Schwamberger Hof ein Drittel geförderte Sozialwohnungen für Menschen mit wenig Einkommen entstehen.

Barrierefreiheit sehr wichtig

Seitens des Vorstands der Heimstätte sagte Christoph Neis, damit könne eine Lücke zumindest teilweise geschlossen werden, die wegen vorübergehend fehlender sozialer Wohnbauförderung des Landes entstanden sei. Eine wichtige Qualität des neuen Schwamberger Hofs sei außerdem die Barrrierefreiheit, die man im Altbestand nicht immer nachträglich realisieren könne.

Umfragen der Heimstätte unter ihren insgesamt 2445 Mietern hätten jedoch gezeigt, dass Barrierefreiheit ein großer Wunsch älterer Menschen ist, die somit nicht unbedingt auf fremde Hilfe angewiesen sind und länger ein selbstbestimmtes Leben führen können. Neis sagte, man sei in der zuletzt stark in der Weststadt engagierten Genossenschaft froh darüber, nun wieder in der Oststadt Akzente setzen zu können: „Das ist der erste Neubau in der Oststadt seit Jahrzehnten.“ Auch hier verfüge die Heimstätte über einen nennenswerten Wohnungsbestand. Heimstätte und UWS haben das regionale Bauunternehmen Motz mit den Bauarbeiten beauftragt. Der Aushub für die Tiefgarage hat begonnen.

Beide Partner investieren insgesamt 22 Millionen Euro


Neubau Der „Schwamberger Hof“ von UWS und Heimstätte soll bis 2020 fertig werden. Insgesamt entstehen 78 Wohnungen – mit zwei, drei und vier Zimmern. Mindestens ein Drittel der Wohnungen soll für Mieter mit geringen Einkommen zur Verfügung stehen, dafür gibt es soziale Fördermittel des Landes. Im Erdgeschoss entsteht auch eine Gewerbefläche.

Investition Die Partner investieren annähernd 22 Millionen Euro in das Projekt, etwa zwei Drittel davon die größere UWS. Der Neubau ist das Ergebnis eines Architektur-Wettbewerbs und soll insbesondere durch verschiedene Fassaden-Elemente wie Klinker und Putz einen besonderen Charakter erhalten. Auf dem Gelände befanden sich zuvor etwa 100 Parkplätze.