Martina Seng war seit der Gründung 2001 Pflegedienstleiterin des stationären Hospizes. Nach 18 Jahren ist sie im Sommer ausgeschieden. Birgit Fredl, die Seng seit Frühjahr 2015 in der Leitung unterstützt, hat seit Oktober einen neuen Leitungspartner an ihrer Seite. Axel Schaude verantwortet nun die Pflege, Birgit Fredl weiter den sozialen Bereich im stationären Hospiz.

„Wir sind Martina Seng unglaublich dankbar“, sagt Fredl. „Sie hat eine tolle Station aufgebaut.“ Schaude bestätigt diese Einschätzung. Seng habe hervorragende Arbeit geleistet, die Mitarbeiter seien nicht nur sehr motiviert, sondern auch hochqualifiziert. Schaude arbeitet zwar erst seit vier Wochen im stationären Hospiz, kann das aber durchaus beurteilen. Denn er kennt die Einrichtung mit zehn Betten schon länger: Er hat zuvor in der Brückenpflege der Uniklinik Ulm gearbeitet. Das Brückenpflegeteam unterstützt nach einem Krankenhausaufenthalt gemeinsam mit dem Hausarzt und ambulantem Pflegedienst die häusliche Pflege für Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen und arbeitet dabei auch mit dem Hospiz zusammen.

Der 49-jährige Schaude kam über den Zivildienst zur Pflege. Der gelernte Krankenpfleger und Pflegedienstleiter arbeitete unter anderem in der Uniklinik und bei der Bruderhaus-Diakonie. Solange seine Kinder klein waren, wollte er keine Leitungsfunktion, erzählt er. Das hat sich geändert. Als die Verantwortlichen des Hospizes und auch Martina Seng auf ihn zugekommen seien, habe er schließlich Ja gesagt. „Ich habe von Anfang an ein Willkommen­sein gespürt.“

Die Leitung des stationären Hospizes zu zweit zu besetzen, habe sich bewährt. Nicht nur, weil 20 hauptamtliche Mitarbeiter, 30 Ehrenamtliche und ein Hauswirtschaftsteam mit vier Leuten koordiniert werden müssen. Sondern vor allem, weil sich alles um die Wünsche und Bedürfnisse der Gäste, wie das Hospiz-Team die schwerstkranken Bewohner nennt, drehen soll. „Das Körperliche und das Seelische lässt sich hier nicht trennen“, sagt Fredl. „Die Gäste bestimmen selbst, was sie wollen.“

Konkret heißt das: Der eine Gast bringt seine Katze mit, der andere möchte mit seinem Enkel noch mal eine Kugel Eis auf der Dachterrasse schlecken, der nächste will seine Angehörigen um sich haben, die im Hospiz übernachten können. Auch junge Menschen verbringen ihre letzte Lebenszeit in der Villa auf dem Michelsberg, Mütter zum Beispiel mit kleinen Kindern, die ihre Hausaufgaben auf dem Flur machen.

Leben, lachen, weinen

Das Hospiz-Team möchte den Gästen trotz schwerster Erkrankung so viel Lebensqualität wie möglich bieten. „Wir lachen viel, es wird aber auch bitterlich geweint“, sagt Birgit Fredl. „Es ist ein Prozess des Abschiednehmens.“ Viel Zuwendung und Unterstützung brauchen auch die Angehörigen – eine Aufgabe, die oftmals zeitintensiv ist. Ohne ein gut funktionierendes, motiviertes Team wäre das nicht zu leisten, da sind sich Axel Schaude und Birgit Fredl einig.

Die beiden führen zudem zahlreiche Informationsgespräche mit Angehörigen über eine Aufnahme ins Hospiz oder Möglichkeiten, sterbende Menschen zu Hause zu betreuen. Mit Unterstützung von ambulantem Hospizdienst, Pflegedienst und spezialisierter ambulanter Palliativversorgung (SAPV) sei das in vielen Fällen gut zu schaffen. Das Hospiz-Team bemüht sich, Schwerstkranken und ihren Angehörigen die Verunsicherung zu nehmen.

Gerade Menschen, die lange oder zahlreiche Therapien durchlaufen und Hoffnung genährt haben, fallen in ein Loch, wenn die Ärzte ihnen eröffnen, dass die medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. „Das Leben ist dann aber oft nicht zu Ende“, sagt Schaude aus seiner Erfahrung. „Es kann noch eine breite Spanne dazwischen liegen.“ Sie sollte so gut wie möglich gestaltet sein, für den todkranken Menschen und seine Angehörigen.

Letzte Lebenszeit im Hospiz


130

Menschen sind im vergangenen Jahr im stationären Hospiz aufgenommen worden, mehr als 500 hatten angefragt.

91

Prozent hoch war die Belegungsquote der zehn Betten.

517

Beratungsgespräche hat das Leitungsteam des Hospizes 2017 geführt. In vielen Fällen ging es auch darum, Angehörige zu unterstützen, die Schwerstkranke zu Hause pflegen, oder ihnen Möglichkeiten der Unterstützung aufzuzeigen.