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In Ulm soll ein neues Nato-Kommandozentrum eingerichtet werden. Die Entscheidung fällt im Juni beim Treffen der Verteidigungsminister.

Die Bundeswehr will das neue Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte der Nato in Ulm ansiedeln. Es soll am Standort des Multinationalen Kommandos Operative Führung eingerichtet werden, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag mit. Die offizielle Entscheidung des westlichen Militärbündnisses fällt beim Nato-Verteidigungsministertreffen im Juni 2018. Zeitweise war für das sogenannte Joint Support and Enabling Command (JSEC) auch der Standort Köln-Bonn im Gespräch.

Vom Standort Ulm erwartet die Bundeswehr Synergieeffekte. Das seit 2013 in der dortigen Wilhelmsburgkaserne stationierte Multinationale Kommando mit Stabsoffizieren aus rund einem Dutzend Ländern soll von diesem Sommer an jederzeit in der Lage sein, Nato-Kriseneinsätze mit bis zu 60.000 Soldaten zu führen.

Mit der Stärkung ihrer Kommando- und Streitkräftestruktur reagiert die Nato vor allem auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Im Zuge der Entspannungspolitik waren die Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten enorm reduziert worden. Von den zeitweise mehreren Dutzend Hauptquartieren sind nach Nato-Angaben heute nur noch sieben übrig. Sorgen bereiten neben dem Zustand von militärisch nutzbaren Straßen- und Schienenverbindungen in Richtung Osten vor allem bürokratische Hürden beim Transport von Truppen und Ausrüstung.

Neben Deutschland werden vermutlich die USA ein weiteres Kommando aufbauen, um die Transportwege zwischen Nordamerika und Europa über den Atlantik besser zu sichern. Dabei geht es auch um den Schutz sensibler Infrastruktur. Im Atlantik liegen zum Beispiel Datenkabel, über die Internet- und Kommunikationsverbindungen laufen.

Das bereits in Ulm befindliche Multinationale Kommando soll die Fähigkeit zur Führung großer Militäreinsätze bei der Nato-Übung „Trident Jaguar“ im Mai im Nato-Trainingszentrum im norwegischen Stavanger unter Beweis stellen. Nach der erwarteten Zertifizierung durch die Nato soll das Kommando ab Juli 2018 für ein Jahr in ständiger Bereitschaft bleiben, um innerhalb von maximal 60 Tagen Nato-Einsätze im Ausland führen zu können.