Ulm Gastronomie: Ratskeller und Vapiano happy, Hans im (Un-)Glück

Ulm / Von Frank König 27.08.2018
Einiges los in der Ulmer Gastro-Szene. Doch während es bei den einen rund läuft, müssen andere noch für ihr künftiges Glück kämpfen.

In der lokalen Gastronomie herrscht viel Bewegung. Soeben wurde klar, dass Ebbo Riedmüller zwar Pächter im „Ratskeller“ bleibt, aber ein neues Konzept für Essen und Trinken plant. In diesem Fall wurden mit der Stadtspitze Fakten geschaffen wurden. Die Genehmigung für die Burger-Kette „Hans im Glück“ in der ehemaligen Buchhandlung Herwig am nördlichen Münsterplatz lässt dagegen weiter auf sich warten - es liegen Proteste von Anwohnern wegen der erwarteten Abluft vor.

Alles klar ist ansonsten bei Vapiano. Die Bonner Restaurant-Kette zieht nach einer Kernsanierung des Modehauses Honer voraussichtlich im April 2019 mit italienischer Live-Küche zwischen der Neuen Mitte und Münster ein.

Auch bei Starbucks läuft der Einzug in die Räumlichkeiten neben dem Ulmer Münster. Das Schild hängt bereits über dem Eingang.

Die Entscheidung in Sachen Ratskeller ist neu, auch ein Ausstieg Riedmüllers stand zur Debatte. Der Gastronom sagte in seinem Sommerdomizil in Italien, er wolle an schwäbischer Küche festhalten, aber das Konzept revolutionieren: „Man kann Maultaschen oder Linsen mit Spätzle so und so machen.“ Die Arbeiten an der neuen Speisekarte laufen schon. Die aufwendige Einrichtung des 2008 eröffneten Lokals möchte Riedmüller freilich nicht verändern. So gibt es im Ratskeller Kupfermotive mit historischen Ulmer Persönlichkeiten.

Nochmal zehn Jahre

Riedmüller wird nach der Einigung den zum Jahresende auslaufenden Pachtvertrag nochmal um zehn Jahre verlängern. Er beschäftigt rund 50 Mitarbeiter in dem weitläufigen Lokal mit Außenbewirtschaftung, für die es nahtlos weitergeht. Der Chef der Barfüßer-Gruppe hat mit OB Gunter Czisch und Finanzbürgermeister Martin Bendel auch die Konditionen des Pachtvertrags neu verhandelt: „Das geht sicher nicht nach oben.“ Die Angelegenheit geht im Herbst in den Hauptausschuss des Gemeinderats.

Bendel hatte zuletzt die Verhandlungen mit Riedmüller bestätigt. Es werde in jedem Fall zu konzeptionellen „Anpassungen“ kommen. Die Stadt lege im Ratskeller allerdings Wert auf eine „gute Gastronomie“, mit der die „breite Bürgerschaft“ angesprochen werde: „Das wird kein Straßenimbiss.“ Das Lokal solle vielmehr eine „gute Adresse“ bleiben.

Konkurrenz nebenan

Riedmüller kündigte ein pfiffiges Konzept mit aufgehübschter Speisekarte an. Er sehe das Ganze als Chance, die niveauvolle schwäbische Küche neu zu präsentieren, ohne am Preis zu drehen. Die Neuaufstellung des Ratskellers ist nach seinen Worten kein Resultat der starken innerbetrieblichen Konkurrenz durch den nur einen Steinwurf entfernten neuen „Barfüßer“: „Das hat mit dem Barfüßer nichts zu tun.“ Konkurrenz gehöre nun mal zum Geschäft, schließlich werde im gleichen Umfeld auch Vapiano eröffnen. Er betont: „Der Barfüßer war schon immer eigenständig.“

Hans im (Un-)Glück

Während in der Neuen Mitte mit neuen Restaurants (Vapiano) und neuen Konzepten (Ratskeller) somit alles im Fluss ist, stockt die Ansiedlung der Münchner Burger-Kette „Hans im Glück“: weil betroffene Anwohner zwischen Münsterplatz und Kohlgasse das Vorhaben offenbar auch mit juristischer Hilfe kritisch unter die Lupe nehmen.

Seitens der Stadt bestätigte Rathaussprecherin Marlies Gildehaus entsprechende Verzögerungen im Bauantragsverfahren. Es müssten „wichtige Punkte hinsichtlich der Ablufttechnik“ geklärt werden. Dabei wolle sich die Stadtverwaltung keinesfalls unter Druck setzen lassen: „Es besteht kein Zeitdruck.“

Die Stadt gibt ansonsten keinen näheren Auskünfte. Das Stadtplanungsamt wolle auch die Einwender nicht nennen, „um keinerlei Spekulationen zu befeuern“. Alles hänge davon ab, „wann die nachgeforderten Unterlagen eingereicht werden“.

Probleme bei Nachbarn

Die Problematik wird am Münsterplatz 20 vor Ort deutlich: mit zwei Innenhöfen und verschiedenen Geschäften wie auch dem Lederspezialisten Schiffer sowie dem Zugang zur City-Arztpraxis. In dem Quartier befinden sich auch Loft-Wohnungen mit Dachterrasse. Außerdem ist unweit entfernt rückversetzt in der Kohlgasse ein modernes Wohngebäude entstanden. Es ist zu vermuten, dass vor allem die Wohnungsinvestoren kein Interesse daran haben, in Zukunft mit dem Duft gebratener Hamburger zu leben. In der Citypraxis ist die Initiative ebenfalls bekannt.

Optimismus

Gleichwohl ist Vermieter Peter Werdich zuversichtlich, dass die Umbauarbeiten für „Hans im Glück“ Anfang 2019 starten können. Er weist darauf hin, dass im Rahmen des laufenden Strukturwandels deutschlandweit vermehrt Handelsflächen in Gastronomie umgewidmet werden. Dazu komme die große Resonanz bei den Verbrauchern: „Die Gastronomie ist auf dem Vormarsch, solche Konzepte boomen ohne Ende.“ Das zeige in Ulm auch der Erfolg des „Barfüßers“.

Verbraucher gegen Anwohner

Werdich geht deshalb davon aus, dass die Stadt die Wünsche der Verbraucher nicht außer Acht lässt und nicht ausschließlich die Interessen der Anwohner in den Vordergrund stellt. Schließlich gehe es um eine lebhafte Innenstadt. Dennoch scheint es so, dass etliche Partien an der Anwohnerinitiative beteiligt sind.

Plan B

Werdich bestätigte, dass er alternativ mit einem Textilfilialisten als potenziellem Mieter in Kontakt steht.

Starbucks

Der Trend zur Systemgastronomie zeigt sich auch ein paar Meter weiter neben dem neuen Rewe-Citymarkt. Dort ist inzwischen der Schriftzug für das Starbucks Coffee House angebracht.

Starbucks demnächst neu am Münsterplatz

Standort Starbucks hatte erstmals im März schon länger laufende Gerüchte über eine Ansiedlung in Ulm bestätigt. Aus München hieß es, man werde im Sommer am Münsterplatz 16 ein neues Coffee House eröffnen. Das Logo hängt schon, der Innenausbau läuft. Das Coffee House bedeutet einiges Prestige für Ulm, zumal Starbucks global an vielen interessanten Locations vertreten ist. Starbucks (Seattle) betreibt laut „Handelsblatt“ etwa 28 000 Filialen.

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