Notfallmedizin Neuer Rettungshubschrauber im Einsatz

Ulm / swp 29.05.2018
Höhere Reichweite, mehr Platz für Ärzte und Geräte: Das bietet der neue ADAC-Hubschrauber am Ulmer Bundeswehrkrankenhaus.

Nur einer fehlte gestern bei der offiziellen In­dienststellung von „Christoph 22“, dem neuen ADAC-Rettungshubschrauber am Bundeswehrkrankenhaus – und das war Christoph 22 selbst. Kurz vor 14 Uhr hob der Helikopter samt dreiköpfigem Team zum Notfalleinsatz ab, die Festreden fanden ohne ihn statt.

Wenigstens war ein erfahrener „Flying Doctor“ am Boden geblieben. Prof. Matthias Helm hat mit dem neuen Hubschrauber des Typs  H 145 in den vergangenen Wochen schon Erfahrung gesammelt. „Wir haben jetzt viel mehr Platz als im Vorgänger H 135,“  sagte der Oberstarzt. Mehr medizinisches Gerät passe ins Innere, auch die Bedienungsfreundlichkeit sei besser geworden – immens wichtig, denn bei der Versorgung von Schwerstverletzten und Notfallpatienten kommt es darauf an, dass jeder Handgriff wie am Schnürchen abläuft.

Darüber hinaus ist die neue Maschine technisch leistungsfähiger als sämtliche Vorgänger. Sie kann auch diffizile Landeplätze ansteuern, bei einem Triebwerksausfall springt ein Ersatztriebwerk ein, das Navigationssystem ist vom Feinsten. Generalarzt Dr. Ralf Hoffmann sprach vom „Mercedes unter den Rettungshubschraubern“, Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC-Luftrettung, immerhin noch vom „Audi A 6“. Zumindest in Sachen Kosten ist beides maßlos untertrieben. Mit fast 10 Millionen Euro Anschaffungskosten (inklusive des medizinischen Interieurs) ist der neue Christoph etwa doppelt so teuer wie der alte. Man habe sich auch deshalb für die größere Hubschraubervariante entschieden, weil Ulm ein wichtiger Ausbildungsstandort für die Luftretter sei, sagte Bruder. Mit Ulm hat der ADAC nun seinen jüngsten Flottenwechsel abgeschlossen. Sukzessive wurden deutschlandweit 17 ältere Helikopter durch neue ersetzt.

Für Prof. Lorenz Lampl ist die Hubschrauberrettung ein „essenzieller Beitrag zu medizinischer Chancengerechtigkeit“. Auf dem Land lebende Menschen dürften in individuellen Notfallsituationen nicht schlechter gestellt sein als Städter mit schneller Anbindung an die Rettungskette und eine Klinik, sagte  der Klinische Direktor der Notfallmedizin am Bundeswehrkrankenhaus Ulm, der selbst seit 35 Jahren Hubschraubereinsätze fliegt und in zwei Monaten in den Ruhestand geht. „Der Herzinfarkt in Ballendorf ist vielleicht nicht so spektakulär wie der schwere Unfall auf der Autobahn, aber er ist genauso lebensbedrohlich.“ 

Jeder zweite Notfall ein Herzinfarkt oder Schlaganfall

1629  Einsätze hat der Ulmer Rettungshubschrauber 2017 geflogen. Seit dem Beginn der Luftrettung in Ulm 1971 waren es 46 000 Einsätze.

53 der Fälle im letzten Jahr waren internistische Notfälle wie ein Herzinfarkt, 12 Prozent waren Verkehrsunfälle.

33 Mitarbeiter gehören zum Ulmer Luftrettungsteam: 20 Notärzte,
10 Rettungssanitäter sowie 3 Piloten.

22 ist die Zahl, die dem Ulmer Rettungshubschrauber „Christoph“ zugeordnet ist.  „Christoph“ heißen alle 50 ADAC-Hubschrauber, die deutschlandweit an 36 Standorten stationiert sind, benannt nach dem Schutzpatron der Reisenden. Bei den Zahlen gibt es kein System.

2003 begann am Standort Ulm die Kooperation zwischen Bundeswehr und ADAC. Die Streitkräfte stellen Mediziner und Sanis, der ADAC stellt Hubschrauber und Piloten.

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