Kirche Neuer Pfarrer für die Neu-Ulmer Petruskirche

Johannes Knöller vor der Kanzel in der Petruskirche.
Johannes Knöller vor der Kanzel in der Petruskirche. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Neu-Ulm / Verena Schühly 18.07.2018

Es war ein fröhlicher und freudiger Tag, bei dem wir alle in geschwisterlicher Verbundenheit gefeiert haben.“ So beschreibt Johannes Knöller, der neue geschäftsführende Pfarrer der Petruskirche den Tag seiner Amtseinführung. Die Freude war nach einem anstrengenden halben Jahr wohlverdient. Denn mit Knöller kommt kein normaler Pfarrer ins Amt, sondern einer, der in einer anderen Kirche  eine leitende Position hatte: Die vergangenen acht Jahre bekleidete der 53-Jährige das Amt eines Superintendenten der evangelisch-methodistischen Kirche in Südwestdeutschland.

Also war ein Kirchenwechsel nötig: von den Methodisten zur evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern. „Die Methodisten sind auch eine evangelische Kirche“, macht Knöller bei der Frage nach den Unterschieden erst mal die Gemeinsamkeiten deutlich. Zahlenmäßig sind beide aber kaum zu vergleichen: In ganz Deutschland gibt es nur rund 50 000 methodistische Christen. Die Kirche „ist sehr ökumenisch und nicht auf Abgrenzung aus“, beschreibt er eine Grundhaltung.

Geboren ist Johannes Knöller in Langenau. „Aber ich habe keine Erinnerungen an den Ort“, sagt er. Sein Vater war dort nur wenige Jahre als Methodistenprediger tätig. Als er selbst das Abitur in der Tasche hatte, wollte er wissen, „was an der Frömmigkeit eigentlich dran ist“. Deshalb begann er sein Studium in Tübingen: evangelische Theologie, Philosophie und Chemie. Weil er sich auch vorstellen konnte, Lehrer zu werden. Doch dann fiel die Entscheidung für den Pfarrerberuf.

 Da stand er zum ersten Mal vor der Frage: methodistische oder evangelische Richtung? Den Ausschlag gab ein Spruch des Großvaters. „Er sagte immer: Die Frau, den Fußballverein und die Kirche wechselt man nicht.“  Also wurde Knöller Prediger, erst in Aalen, dann in Reutlingen. 2010 wurde er zum Superintendenten für den Raum Bodensee, Schwarzwald, Ostalb gewählt. Dieses Amt ist vergleichbar einem Regionalbischof: Er ist der leitende Geistliche der Region, zuständig für Personal- und Strukturfragen, macht Kirchenpolitik in allen Facetten. „Das hat super Spaß gemacht“, sagt er über den Posten, in dem er viel unterwegs war.

Allerdings ist das Amt auf acht Jahre begrenzt. So musste er sich fragen: Was mache ich dann? Zurückgehen ins Glied, wo ich bislang Chef war? Bleiben, wo nun ein Nachfolger wirkt? Oder doch nochmal was Neues anfangen? Und wenn ja, was? Und wo?

So begann eine erneute Phase des Überlegens. „Die methodistische Kirche ist eine tolle Kirche“, findet Johannes Knöller nach wie vor. Aber wegen ihrer geringen Größe bietet sie nicht so viele Möglichkeiten. Über Gespräche, die er mit verschiedenen Menschen führte, und über Kontakte „gingen Türen auf“ – und schließlich ergab sich die Möglichkeit, die vakante Pfarrstelle in Neu-Ulm zu übernehmen.

Für ihn selbst und seine Theologie war der Kirchenwechsel kein Problem: „Die Nähe zu Luther ist seit dem Studium extrem hoch.“ Wohl aber für viele bisherigen Wegbegleiter und Kirchenmitglieder: „Wenn eine zentrale Person geht, löst das ein Beben aus. Da gab es Irritationen.“ Viele Erklärungen und Gespräche waren in den vergangenen Monaten nötig, um die Wogen zu glätten. Mit Erfolg: Rund die Hälfte der Menschen, die die Investitur am  Sonntag in der vollen Petrus­kirche mitfeierten, waren Mitglieder seiner bisherigen Gemeinden. Diese gelebte „geschwisterliche Verbundenheit“ war für ihn an diesem Tag das größte Geschenk.

Kitas als Neuland

In Neu-Ulm wird der 53-Jährige jetzt wieder Basisarbeit als Gemeindepfarrer machen: mit Konfirmanden und anderen Gruppen; Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen halten; Religionsunterricht geben; arbeiten im Team mit den anderen Haupt- und vielen Ehrenamtlichen. Und er ist  überdies für die Kindergärten zuständig. „Das ist für mich absolutes Neuland“, sagt er ehrlich. „Ich habe kein Konzept in der Schublade, wie evangelische Kindergartenarbeit interreligiös und multikulturell funktionieren kann. Aber ich bin offen und werde meine bisherigen Erfahrungen einbringen.“

Eine seiner ersten Amtshandlungen war ein Konfi-Camp mit 40 Jugendlichen. Knöller schmunzelt: „Ich war dort im pastoralen Team der Azubi.“ Es hat ihm gefallen, wieder „zur Klampfe zu greifen“, die Atmosphäre „war angenehm und gut“. Immerhin hat er mit einer Größe von 1,96 Meter den Überblick.

 Jetzt ist Einarbeiten angesagt und Einleben. Denn er und seine Frau Sonja Lutz-Knöller sind frisch von Pliezhausen ins Wiley umgezogen. „Wir fangen hier ein neues Leben an und müssen neue Freunde finden.“ Seine Frau, Heilpädagogin mit Schwerpunkt Demenz, hofft, bald eine Arbeitsstelle zu finden. Außerdem sucht der passionierte Ausdauersportler Anschluss. Eines ist ihm aufgefallen: „In Ulm und Neu-Ulm gibt es viele Läufer, aber die meisten sind für sich allein unterwegs.“

Ihm wäre es lieber, sich einem Verein anzuschließen, um mit anderen gemeinsam und nach einem festen Programm zu trainieren. Ambitionen hat er auch in sportlicher Hinsicht, selbst wenn die Strecken „mit dem Alter kürzer werden“. Aber ein Einstein-Halbmarathon am 23. September wäre schon ein Ziel: „Mal schauen, wie ich das hinkriege. Momentan plane ich erst mal nur von Woche zu Woche.“

Methodistische Bewegung

Gründer Die methodistische Bewegung geht auf den englischen Prediger John Wesley (1703 bis 1791) zurück. „Er reformierte die anglikanische Kirche auf der Basis von Martin Luther“, erläutert Johannes
Knöller. Im Zentrum standen soziale Reformen: Wesley setzte sich für die Abschaffung der Sklaverei ein, kümmerte sich um die aufkommende Arbeiterschaft und die Gesundheit der armen Bevölkerung. Denn er war der Überzeugung, dass Gottes Gnade für alle Menschen bedingungslos und ohne Unterschied gilt. Es ging ihm nicht um eine andere theologische Lehrmeinung, sondern um eine andere Lebensführung. „Es ist die zentrale Idee der Methodisten, dass sich Glaube sozial auswirken muss“, sagt Knöller.

Kirche Von England verbreitete sich die Glaubensrichtung mit den Auswanderern nach Amerika und kam  im 19. Jahrhundert zurück nach Europa. Die evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland hat rund 50 000 Mitglieder, ihre Pfarrer heißen Pastoren. Der internationale Weltrat methodistischer Kirchen hat 80 Mitglieder. Auch in Ulm gibt es eine evangelisch-methodistische Gemeinde: Sie trifft sich in der Erlöserkirche an der Römerstraße und ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) Ulm/Neu-Ulm.

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