Parkhaus Tiefgarage am Bahnhof soll im Herbst 2020 öffnen

Ulm / Chirin Kolb 27.03.2017

Die Bauarbeiten für die Tiefgarage am Bahnhof haben begonnen, und auch das Eröffnungsdatum steht schon fest: 1. August 2020 – sofern alles planmäßig läuft. Das neue Parkhaus mit 540 Stellplätzen auf vier Ebenen wird sich optisch an der Tiefgarage in der Neuen Mitte orientieren und soll den Nutzern noch mehr Komfort bieten, sagt Klaus Linder, Geschäftsführer der Ulmer Parkbetriebsgesellschaft (PBG). Sie betreibt die städtischen Parkhäuser und ist Bauherr der Tiefgarage.

Stellplatzbreite Jeder der 540 Parkplätze in der Tiefgarage wird 2,50 Meter breit. Zum Vergleich: Die Stellplätze in den Parkhäusern am Rathaus, Deutschhaus und Congress Centrum Nord messen 2,40 Meter in der Breite, im Fischerviertel und im Salzstadel 2,30 bis 2,40 Meter.

Ausstattung Das Parkhaus wird mit einem zentralen Treppenhaus und vier Aufzügen erschlossen. Für gute Beleuchtung sorgen unter anderem LED-Lichtbänder an den Wänden. Mobilfunkempfang gibt es auf allen vier Ebenen.

E-Mobilität In der Tiefgarage werden laut Linder rund 16 Ladesäulen eingebaut. In einer zukünftigen Ausbaustufe wären bis zu 144 Ladesäulen möglich – an jedem vierten Parkplatz also. Die Kabel könnten über die Lichtbänder verlegt werden. Ob dieser Ausbau verwirklicht wird, hänge auch von der Entwicklung der Elektromobilität ab. „Aber die Voraussetzung wird geschaffen.“

Zufahrt Das Parkhaus soll für Autofahrer gut erreichbar sein: über einen unterirdischen Kreisverkehr. Wer zum Beispiel aus Richtung Zinglerstraße kommt, fährt in der Friedrich-Ebert-Straße in einen Tunnel und erreicht über den Kreisel die Tiefgarage. Das erspart das Queren der Straßenbahngleise, sorgt andererseits aber für Mehrkosten.

Die Kosten liegen nach der Berechnung des Generalplaners Scherr und Klimke bei 52 Millionen Euro – allerdings nicht nur für die Tiefgarage. Die Summe kommt so zustande: Das Parkhaus kostet rund 36 Millionen Euro, die unterirdische Passage, die Bahnhof, Tiefgarage, Sedelhöfe und Bahnhofstraße verbindet, fast 9 Millionen Euro. Auf Verkehrs­provisorien während des Baus entfallen rund 3,5 Millionen Euro, auf das Projektumfeld und künftige Ausbaustufen 2,5 Millionen.

Finanziert wird die Tiefgarage zu einem großen Teil von der Parkbetriebsgesellschaft: über Kredite von 20 Millionen Euro und 15 Millionen Euro Eigenkapital, unter anderem aus den Erlösen aus anderen Parkhäusern und dem Verkauf der Sedelhof-Tiefgarage. Rund 17 Millionen Euro muss die Stadt Ulm beisteuern.

Die Passage wird „heller, breiter, schöner“ als die alte, sagt Linder. Und: tiefer. Sie liegt auf rund 6 Metern statt wie bisher 3,40 Meter. Damit werde unter anderem das Niveau des Untergeschosses der Sedelhöfe berücksichtigt.

Die Tiefgarage entsteht in so genannter Deckelbauweise. Das heißt: Der Deckel wird zuerst gebaut, darunter wird dann ausgebaggert. Anders wäre der enge Zeitplan mit allen anderen Baustellen am Bahnhof nicht zu halten, sagt Eva-Maria Zimmermann von der Koordinierungsstelle Großprojekte. Denn sobald der Deckel im Frühjahr 2018 fertig ist, werden auf ihn die provisorischen Schienen verlegt. Die Straßenbahn fährt dann übergangsweise auf dem Tiefgaragendeckel.

Seit in der Friedrich-Ebert-Straße gebaut wird, parken laut Linder weniger Autos im Deutschhaus. Die Zahlen in anderen Parkhäusern sind dagegen gestiegen, eine genaue Auswertung liegt aber noch nicht vor.

Bisher kein Bombenverdacht

Kampfmittel Der Bahnhof war 1944/45 bevorzugtes Ziel alliierter Bomben. Deshalb rechnet die Stadt damit, beim Bau der Tiefgarage auf Kampfmittel zu stoßen. Die Stadt hat einen Kampfmittelsondierer beauftragt, der das Gelände vorsorglich untersucht und die Bauarbeiten begleitet. Rund die Hälfte der Fläche ist abgearbeitet, berichtet Klaus Linder von der Ulmer Parkbetriebsgesellschaft. Das erfreuliche Ergebnis: „Bisher gibt es keine Verdachtsmomente.“

Risiko Ein Bombenfund könnte die Bauarbeiten finanziell und zeitlich beeinflussen. Beziffert wird das Risiko in den städtischen Plänen nicht, da es schlecht abzuschätzen sei. Die Stadt hat aber einen detaillierten Notfallplan erarbeitet, der zum Beispiel die Evakuierung in einem Radius von 500 Metern vorsieht.