"Wenn man Schizophrenie verstanden hat, hat man einen Großteil des menschlichen Gehirns verstanden", sagt Dr. Dennis Kätzel, "denn es gibt kaum einen Hirnbereich und kaum eine Hirnfunktion, die von dieser Krankheit nicht beeinflusst sind." Im kommenden Wintersemester wird der Neurowissenschaftler, der derzeit am University College London und der University of Oxford arbeitet, eine Juniorprofessur an der Universität Ulm antreten. An das Ulmer Institut für Angewandte Physiologie gelockt hat ihn nicht nur die Unterstützung des Rückkehrprogramms für medizinische Spitzenforscher der Else Kröner-Fresenius-Stiftung und der German Scholars Organisation e.V. (GSO) über rund 110.000 Euro, sondern auch die Unterstützung durch die Institutsleiterin, Professorin Birgit Liss, die Medizinische Fakultät, und die Universität Ulm.

Bereits während seines Doppelstudiums der Humanbiologie und Philosophie mit dem Nebenfach klinische Psychologie an der Universität Marburg war Kätzel von der weitestgehend unverstandenen Erkrankung Schizophrenie fasziniert. Bis heute kann dieses psychiatrische Krankheitsbild, das sich unter anderem durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen auszeichnet, nicht ursächlich behandelt werden. Was im Gehirn von Schizophreniekranken passiert, versucht Kätzel im Mausmodell nachzuvollziehen. Dabei setzt er zum Beispiel auf die Optogenetik: „Mit dieser Methode lassen sich genetisch spezifizierte Neuronen im intakten Hirn durch Licht an- oder ausschalten. Auf diese Weise können wir die Funktion einzelner Zelltypen sehr direkt identifizieren“, erklärt Kätzel, dessen Doktorvater, Professor Gero Miesenböck, Oxford, Wegbereiter der Optogenetik war. In Ulm wird der Juniorprofessor, der seine Methodenkenntnisse in weltweit führenden Optogenetik-Laboren in Stanford, Yale, am MIT und eben in Oxford erworben hat, ein elektrophysiologisches und verhaltensbiologisches Labor aufbauen. In dieser Einheit will er das Verhalten von genetisch veränderten Mäusen untersuchen, die als Modelle für Schizophrenie und andere psychiatrische Erkrankungen eingesetzt werden. Neben ihrem Sozialverhalten, ihrer Motivation und ihrer Gedächtnisleistung hat der Forscher natürlich auch die Gehirnzellen der Nager im Blick: „Verbessern sich die Symptome der Tiere, wenn wir bestimmte Nervenzellen ein- oder ausschalten, könnten diese eine kausale Rolle bei der Schizophrenie spielen“, so Kätzel.


Der Botenstoff Dopamin spielt bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle, da seine Aktivität bei der Krankheit aus dem Gleichgewicht geraten zu sein scheint. Forscherinnen und Forscher um Professor Birgit Liss und ihr Team untersuchen eben dieses Dopamin-System und dessen Fehlfunktionen seit vielen Jahren. Gemeinsam wollen Kätzel und Liss nach molekular definierten Angriffspunkten für mögliche neue medikamentöse Therapien suchen. Daher wollen die beiden Professoren ihre wissenschaftlichen Arbeiten am Institut für Angewandte Physiologie in Ulm zusammenzuführen. Weiterhin strebt der Juniorprofessor Kätzel Kooperationen mit Wissenschaftlern um Professor Albert Ludolph der Uniklinik für Neurologie,sowie dem Institut für Anatomie und Zellbiologie mit Professor Tobias Böckers an, die in den Bereichen neurodegenerative Erkrankungen beziehungsweise Autismus forschen.