Frauenstraße 113 verkauft Das „Swobsters“ in Ulm muss ausziehen

Ulm / Beate Rose 17.09.2018
Das Haus Frauenstraße 113 ist verkauft und wird saniert. Die großen Wohnungen werden zu Zwei-Zimmer-Wohnungen. Der Mieter des Lokals im Erdgeschoss muss ausziehen.

Ob das Zehnjährige im Lokal „Swobsters“ noch in den Räumen in der Frauenstraße 113 gefeiert werden kann? Der Wirt Sebastian Swoboda (41), von allen nur „Swob“ genannt, weiß es nicht. Im September 2009 hatte er sein Lokal eröffnet, noch bis Ende September nächsten Jahres läuft sein Mietvertrag. Nur: „Der Vermieter würde mich gerne früher draußen haben, denn gehen muss ich so oder so.“

Alle anderen Bewohner im Haus werden bis Ende diesen Monats ausgezogen sein, die letzten spätestens in der ersten Oktoberwoche. „Ich habe den Mietern angeboten, den Umzug zu zahlen, wenn sie vor Ende Dezember gehen.“, sagt der neue Eigentümer. Das wird so kommen. Bereits diese Woche wird das Haus eingerüstet, eine Kernsanierung steht bevor.  

Was mit dem Haus Frauenstraße 113 aktuell passiert, spiegelt eine Geschichte, an der sich auch ablesen lässt, wie sich der Ulmer Wohnungsmarkt entwickelt. Der neue Eigentümer hat klare Interessen, er will Geld verdienen, was er offen sagt. Dafür wird er das Haus sanieren, was offenbar beim Gebäude, das Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde, bitter nötig ist. Wirt „Swob“ bestätigt das. So sind im Lokal im Erdgeschoss etwa Rohre leck.

 Seit den 1960er Jahren wurde am Haus nichts mehr gerichtet, sagt der neue Eigentümer, der übrigens der Sprecher einer Eigentümergemeinschaft ist, zu der seine Frau und sein Schwager gehören. Dass die Gemeinschaft ein Haus mit Mängeln übernimmt, war ihr bewusst, als sie es im März diesen Jahres von einer Erbengemeinschaft gekauft hat. Der Sprecher der Eigentümer möchte nicht mit seinem Namen in den Medien erscheinen, aus persönlichen Gründen. Doch dazu bekennt er sich: Der Mann – 37 Jahre alt, Deutscher mit türkischer Herkunft, aufgewachsen in der Oststadt – will die bisherigen über 100 Quadratmeter großen Wohnungen im ersten und zweiten Stock und die etwas kleineren im Dachgeschoss zu Ein- und Zwei-Zimmer-Apartments umbauen. „Da ist die Nachfrage sehr groß.“ Vor allem unter Studenten oder Ingenieuren sollen die neuen Mieter gefunden werden, wohlgemerkt unter denjenigen Studenten, die sich die Mieten leisten können. Denn die werden natürlich ordentlich ausfallen oder „angemessen“ für kernsanierte Wohnungen. Schließlich sollen dann der Fußboden und Putz neu sein, das Dach neu gedeckt. Und: „Die Lage ist hervorragend. Nicht weit zur Innenstadt.“

Unter Studenten beliebt

Auch die Miete für „Swob“ und sein „Swobsters“ würde steigen. Dessen dreijähriger Pachtvertrag läuft im September 2019 aus. Den hatte „Swob“ noch mit der damaligen Eigentümerin, die im Haus wohnte, ausgehandelt. Die Pacht sei, sagt er, „wirklich fair“ gewesen. Die Frau verstarb, die Erben verkauften. Die neuen Eigentümer haben sich im März vorgestellt und ihr Sprecher habe Swob bald erklärt, dass das Lokal hergerichtet wird – und dann werde eine höhere Miete verlangt. „Das kann ich mir nicht leisten“, sagt Swob. Bleiben würde er zwar gern, aber das ist nicht möglich. Sein Fifties-Lokal sei vor allem unter Studenten beliebt. Dort sitzen die Gäste auf Sesseln aus den 50er Jahren. An der Theke ist ein Hawaii-Fransen-Sonnenschirm aufgespannt. Tikis grüßen von der Theke. Livekonzerte gibt es dort inzwischen sechsmal im Jahr, denn Swob ist auch Gitarrist der Band „The Bombs“.

Die neuen Eigentümer haben auch Pläne mit dem Lokal, doch die seien noch nicht spruchreif, wie ihr Sprecher auf Nachfrage sagt. Je früher das Swobsters auszieht, umso besser für die Eigentümer und den Umbau, „da wir die Handwerker nicht ein zweites Mal bestellen müssten“, verdeutlicht ihr Sprecher.

Suche gestaltet sich schwierig

Für Wirt „Swob“ ist die Entwicklung nicht erfreulich. Schließlich habe sich das „Swobsters“ wieder zum Studententreff entwickelt, was es bei seiner Gründung, damals als „113“, schon gewesen ist. Für Szenetreffs sei es nicht einfach in Ulm, geeignete und bezahlbare Räume zu finden. Noch hat Swob kein Glück gehabt. Entweder sei die Miete schier unerschwinglich oder er habe auf Bewerbungen keine Antwort erhalten. Zwar möchte er das „Swobsters“ als Fifties-Lokal erhalten. Gastronomisch hat er sich Gedanken über ein neues Konzept gemacht. Er könne sich vorstellen, tagsüber geöffnet zu haben und Kleinigkeiten zum Essen anzubieten. „Ich suche weiter“, sagt Swob.

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Das „113“, ein legendärer Szene-Treff

Entstehung Das Café 113 hat der Gastronom Paul Staffen zusammen mit Götz Reinhold zu Beginn der 80er Jahre eröffnet und zwar in der Frauenstraße 113. Das „113“ entwickelte sich schnell zum Szene-Laden, denn Staffen gelang es immer wieder, interessante Musikgruppen fürs Lokal zu buchen. Ebenso hatte er eine Nase für Trends in Sachen Einrichtung und Getränke und nicht zuletzt fürs Zeitungsangebot. „Wiener“ hing dort als erstes aus in Ulm.

Wandel Später eröffnete Staffen das Café Plus, die Disco „Myers“ und den „Wiley-Club“. Mit 44 Jahren stieg er aus dem Kneipiersleben aus und flog an seinem Geburtstag nach Brasilien, wo er sich ein neues Leben aufbaute. Fürs „113“ folgten wechselvolle Jahre. So war es unter anderem, lange bevor der jetzige Wirt „Swob“ dort mit seinem „Swobsters“ einzog, auch mal ein Lokal für Fußballfans kroatischer Herkunft.

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