Kirchengeschichte Neuer Blick auf die Reformation in Ulm

Dr. Gudrun Litz mit dem neuen Buch am Modell des Weinhofs, wo heute noch die Reformationsakten der Stadt Ulm lagern. Diese umfassen das Geschehen in der Zeit von 1517 bis 1600 und sind für die Historiker wertvolle Quellen bei ihrer Arbeit.
Dr. Gudrun Litz mit dem neuen Buch am Modell des Weinhofs, wo heute noch die Reformationsakten der Stadt Ulm lagern. Diese umfassen das Geschehen in der Zeit von 1517 bis 1600 und sind für die Historiker wertvolle Quellen bei ihrer Arbeit. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Ulm / Verena Schühly 07.11.2018

Die Feierlichkeiten zum Reformationsgedenkjahr 2017 sind längst verklungen, vergangene Woche ist bereits der 501. Jahrestag über die Bühne gegangen. Dennoch klingt der Ulmer Veranstaltungsreigen nach: Ganz aktuell gestern Abend im Schwörhaus bei der Vorstellung des Buchs „Vielstimmige Reformation in den Jahren 1530 bis 1548“ durch die drei Herausgeber Dr. Gudrun Litz vom Stadt­archiv, Dr. Susanne Schenk und Prof. Volker Leppin vom Lehrstuhl für Kirchengeschichte an der Uni Tübingen.

Der Band enthält die Beiträge einer Tagung renommierter Wissenschaftler, die im Mai 2017 in Ulm stattgefunden hat und bei der es darum ging, die Reformationsgeschichte der Reichsstadt in ihrer Vielstimmigkeit darzustellen. Denn in Ulm gab es in jenen mittleren Jahren der Reformation – anders als in anderen Städten – lutherische, zwinglianische, oberdeutsche, täuferische und spiritualistische Strömungen. Der Rat der Stadt ließ deren Vertreter gewähren, ebenso die noch verbliebenen Katholiken, und übernahm die Funktion des Moderierens. Jeder dieser einzelnen theologischen Positionen ist ein Kapitel gewidmet.

Dem schließen sich Städteporträts von Straßburg, Basel und Augsburg an. Weil sie der Bezugsrahmen sind, mit denen die Ulmer Akteure jener Zeit in engem Kontakt standen.

Die Basis für die Forschungen der Historiker und Kirchengeschichtler, deren Früchte die einzelnen Beiträge des Bandes sind, sind die Ulmer Reformationsakten. Im Stadtarchiv stehen 40 Regalmeter an Originaldokumenten mit Briefen, Gutachten, Predigtmitschriften, anderem Quellenmaterial sowie Ratsprotokolle aus den Jahren 1517 bis 1600.

Im Zuge des Reformationsjubiläums wurde ein besonderes Forschungsprojekt aufs Gleis gesetzt, gemeinsam finanziert von Stadt und Landeskirche: Die Arbeit der Pfarrerin und Kirchengeschichtlerin Susanne Schenk gibt dem Buch den Titel. Sie forscht über „Ulmer Vielstimmigkeit: Die Konflikte der 1540er Jahre um Sozialethik, Abendmahl und spiritualistische Frömmigkeit“ im Rahmen einer Habilitation.

Und nicht nur Schenk ist regelmäßig im Stadtarchiv zu Gast. „Die Forschung geht weiter“, sagt Gudrun Litz – und das bald noch auf breiterer Grundlage. Das Stadtarchiv hat Mittel bewilligt bekommen, um 2019 auch das letzte Drittel der Reformationsakten im Detail zu erschließen und in Form einer Datenbank allen Interessierten zugänglich zu machen. Ein „mindestens mittelfristiges Großziel“ wäre eine neue Gesamtdarstellung der Reformationsgeschichte in Ulm, die erste und bisher einzige stammt von Theodor Keim und ist 1851 erschienen.

Tagungsband ab heute erhältlich

Tagungsband Das Buch „Vielstimmige Reformation in den Jahren 1530 - 1548“ ist herausgegeben von Gudrun Litz, Susanne Schenk und Volker Leppin. Erschienen ist es als Band 16 der Reihe Dokumentation, Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm im Kommissionsverlag W. Kohlhammer, Stuttgart. ISBN 978-3-17-036393-9. Es hat 250 Seiten, 19 Abbildungen und ist gebunden. Zu haben ist das Buch zum Preis von zehn Euro im Buchhandel sowie im Schwörhaus am Weinhof.

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