Ulm Neuer Außenminister für berufliche Schulen

Ulm / UTE GALLBRONNER 13.09.2016
Wechsel nach 13 Jahren: Lorenz Schulte übernimmt das Amt des geschäftsführenden Schulleiters der beruflichen Schulen von Gerhard Braunsteffer.

„Ein bisschen ist man in diesem Amt der Außenpolitiker der beruflichen Schulen“, fasst Gerhard Braunsteffer prägnant zusammen, was das Amt eines geschäftsführenden Schulleiters ausmacht. Besser müsste man vielleicht sagen: unter anderem ausmacht. Denn es hängt einiges mehr dran, an Verwaltung, Absprachen und Koordinierung. 13 Jahre lang hat Braunsteffer das gemeistert, neben seinen Aufgaben als Leiter der Robert-Bosch-Schule. „Zum 60. Geburtstag habe ich mir und meiner Familie etwas mehr Zeit geschenkt“, meint er schmunzelnd. Es übernimmt der Kollege von nebenan: Lorenz Schulte, Chef der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule.

Die Chemie stimmt unter den Herren vom Kuhberg, das ist bekannt. Vieles wird gemeinsam gesprochen und ausgetüftelt. „Wir haben ein gutes Verhältnis unter allen Schulleitern der beruflichen Schulen in Ulm“, betont Schulte. Dritter im Bundes ist Markus Pfeil, seit vergangenem Jahr Chef der List-Schule.

Als Braunsteffer die Geschäfte vor 13 Jahren übernahm, war Schulte gerade Rektor der Steinbeis-Schule geworden. Beide eint ihr Werdegang: Erst die Ausbildung – der eine Maschinenbauer, der andere Elektrotechniker –, dann der Wechsel ins Schulsystem. Beide waren in der Schulverwaltung, haben gelernt, wie Ministerien ticken, und dann ihre Aufgaben in Ulm übernommen.

Mit 39 Jahren ist Braunsteffer Schulleiter. „Vielleicht“, sagt er, „machen wir das auch eine zu lange Zeit.“  Denn der 52-jährige Schulte hat ebenfalls schon 13 Jahre in der leitenden Position auf dem Buckel. Es sei schade, dass es in Deutschland keine Kultur gebe, solche Ämter nur auf Zeit zu übernehmen. In der Schweiz etwa sei es völlig normal, dass man wieder zurück ins Glied gehe. „Bei uns wird das nicht toleriert“, sagt Braunsteffer.

Nun also müsste der 60-Jährige nicht mehr über den Tellerrand hinausblicken. Zumindest nicht mehr offiziell. Er kann sich ganz auf die Bosch-Schule konzentrieren, denn den Lobbyisten gibt nun Schulte. Wenngleich er diesen Begriff gar nicht so gerne hört: „Aber es stimmt schon. Man muss Wege suchen, wie man an die Politik herankommt, um für unsere Schüler etwas Positives zu bewirken. Geld, das da ist, kann nicht zweimal ausgegeben werden.“

Kontakte pflegen mit Partnern aus der Wirtschaft, zu anderen Schularten, zu Kollegen und nicht zuletzt die Mitarbeit in den Gremien der Stadt – all das steht noch mehr auf Schultes Agenda. Dabei ist er froh, mit der Stadt einen aktiven Schulträger an seiner Seite zu haben. Einen, mit dem sich etwas entwickeln lässt.

Beispiel Flüchtlinge. Was das „Vorbereitungsjahr Arbeit und Beruf für Jugendliche ohne Deutschkenntnisse“ (VABO) betrifft, hält Schulte ohnehin die Fäden in der Hand: „Da sind wir jetzt auf einem guten Weg, was die Koordinierung angeht.“ Die soll bald über die Stadt erfolgen. Doch schon jetzt ist einiges anders als im Vorjahr: „In dieser Woche werden alle geprüft, die den drei beruflichen Schulen zugeteilt sind.“ Es geht um Schulbildung, Vorkenntnisse und auch Interessen, damit nicht jemand Holz feilen muss, der lieber Kranke pflegen würde. Erst danach werden die Klassen aufgeteilt.

Mit der Praxis ist das aber so eine Sache. Denn den Werkstatt-Unterricht gibt es nicht mehr oder höchstens noch marginal. Statt im vergangenen Jahr 30 bis 33 Lehrerstunden pro Schüler, stellt das Land nur noch 22 bis 28 bereit. Weggefallen ist der fachpraktische Unterricht, der durch Deutschstunden ersetzt wird. Eine Fehlentscheidung, wie beide Schulleiter sagen. „Beim gemeinsamen Arbeiten lernt man viel schneller als in der Schulbank“, sagt Schulte.

Außerdem ist er enttäuscht, dass das VABO nicht gleich zweijährig angelegt ist. Die Jugendlichen mussten überzeugt werden weiterzumachen. „Nach einem Jahr sind sie einfach noch nicht soweit“, sagt Braunsteffer. Die meisten machen weiter, gehen jetzt in eine reguläre Vorbereitungsklasse.

Das Thema Flüchtlinge wird Schulte weiter auf seiner Agenda haben. Doch auch andere Themen wollen in naher Zukunft vorbereitet sein: In zwei Jahren sind die ersten Gemeinschaftsschüler fertig. Hier will man ein Konzept entwickeln, wie sie an den beruflichen Schulen weitermachen können.

Drei Bereiche

Gymnasien Brigitte Röder ist die geschäftsführende Schulleiterin der Ulmer Gymnasien. Die Rektorin des Kepler-Gymnasiums geht 2017 in den Ruhestand. 

Großauftrag Die weitaus meisten Schulen vertritt Ulrike Mühlbayer-Gässler. Die Leiterin der Bodelschwing-Schule ist für Grund-, Real-, Werkreal- und Förderschulen zuständig.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel