Bei der Städtewerbung sind die Würfel gefallen. Die Stadt Ulm trennt sich von ihrem bisherigen Partner Wall und vergibt die öffentlichen Werbeflächen im Zuge einer europaweiten Ausschreibung an das Kölner Unternehmen Ströer und dessen Tochtergesellschaft Deutsche Städte Medien (DSM). Mit dem börsennotieren Anbieter von Media-Außenflächen wurde ein langfristiger Vertrag bis 2031 geschlossen.

Die Entscheidung für die Vergabe der Konzessionsrechte fiel kurz vor dem Feiertag, wie das Rathaus nun mitteilte. Dazu OB Gunter Czisch in einem State­ment: „Erstmals werden digitale Werbemedien in Ulm aufgestellt“.

Die Umrüstung von Wall auf Ströer startet mit Vetragsbeginn Anfang 2018. Dazu heißt es in der Mitteilung: „Im ersten Quartal wird umgeräumt.“ Dadurch entstünden allerdings nur kleinere, kurzfristige Baustellen – im ohnehin baustellen-geplagten Ulm.

Die neuen Anlagen von Ströer sollen sich demnach durch ein „zurückhaltendes und elegantes Design“ auszeichnen. Sie ersetzen alle bisherigen Werbe-Anlagen von Wall, die, wie berichtet, teils zuletzt wegen der Bauarbeiten an der Straßenbahnlinie 2 nochmal umplatziert werden mussten.

Der neue Vertrag räumt der DSM das Recht ein, bis zu 90 Werbesäulen, 25 großflächige Anlagen, 213 City-Light-Poster-Vitrinen und zudem 16 sogenannte Monofuß-Anlagen im Stadtgebiet aufzustellen und werblich – dabei eben auch digital mit bewegten Bildern, animierten Bildwechseln und Einblendungen – zu nutzen. Unterm Strich würden etwas mehr Flächen als an Wall vermietet, erläuterte die Stadt auf Anfrage, So kämen Standorte in Industrie- und Gewerbegebieten hinzu.

Zu den Konditionen des Deals heißt es lediglich: „Im Gegenzug erhält die Stadt jährlich ein Entgelt.“ Die DSM habe bei der Ausschreibung, an der sich mehrere Firmen beteiligt hätten, das wirtschaftlichste Angebot abgegeben.

Die DSM übernimmt auch die 14-tägige Reinigung der Wartehäuschen an den Haltestellen, die als Werbeflächen dienen. Die Stadt übernimmt zum Januar 2018 entsprechend der Vertragslage alle Wartehäuschen von Wall und muss sie selber instandhalten.

Gegen Wildplakatierung

Im Zuge der Veinbarung mit dem Ströer-Konzern wird nun offenbar auch eine Forderung der Kulturschaffenden in Ulm erfüllt. Sie können an „Kultursäulen“ kostenlos plakatieren. Dies soll aus Sicht des Rathauses auch dazu beitragen, die Wildplakatierung einzudämmen. Dabei wurde, wie aus Unterlagen hervorgeht, eine interessante Lösung gewählt: Die Litfaßsäulen werden in der Mitte durch einen Metallring geteilt, die untere Hälfte steht kostenlos für die Kultur zur Verfügung. Es gibt jedoch auch eine Handvoll separater, kompletter Kultursäulen.

Der  Vertragswechsel hat auch zur Folge, dass drei von Wall betriebene Toilettenanlagen abgebaut werden. Eine Anlage musste bereits der Baustelle am Bahnhof weichen. Nun kommen auch die drei Restanlagen am Ehinger Tor, am Willy-Brandt-Platz und Saumarkt weg. Ersatz ist so lange nicht in Sicht, bis das „gesamtstädtische Toilettenkonzept“, das die Stadtverwaltung derzeit entwickelt, auf dem Tisch liegt.

Die DSM war schon früher, damals noch als DSR Deutsche Städte-Reklame, in Ulm vertreten. Sie hatte ab 1974 die Werbeflächen in Ulm vermarktet. Die blauen Wartehallen stehen noch heute an einem Großteil der Ulmer Haltestellen. Ströer betreut die Ulmer Anlagen von Stuttgart aus, während Wall eine Niederlassung in Ulm hatte.

Der Hauptausschuss des Gemeinderats hatte die Ausschreibung für die Städtereklame vor einem Jahr nicht-öffentlich beschlossen, weil nun nach 20 Jahren  der Vertrag mit Wall ausläuft. Czisch hatte damals gesagt, die Neuvergabe sei vergleichbar mit der Vergabe von Konzessionen für Buslinien oder Nutzungsrechten für Netze. Es gehe außerdem um stadtgestalterische Fragen.

Ströer betreibt 300 000 Werbeträger


Konzern Die DSM gehört zum börsennotierten Ströer-Konzern in Köln.  Es handelt sich um eine international agierende Firma im Bereich Außenwerbung und Stadtmöblierung.Ströer betreibt etwa 300 000 Werbeträger, Umsatz 2016: 1,12 Milliarden Euro.