Zeitweise ähnelte der Info-Abend der Stadtverwaltung zu den Bauvorhaben rund um den Bahnhof einem Seminar für Ingenieure, Architekten und Verkehrsplaner. Doch die knapp 50 Zuhörer im Kornhaus blieben bei der Stange, stellten interessierte und oft sachkundige Fragen. Viele Projekte kommen am Bahnhof zusammen. Baubürgermeister Tim von Winning und sein Team brachten die Bürger auf den neuen Stand.

Bahnhofplatz Im Oktober prasselte ein Sturm der Kritik auf die Planer ein, als sie den Stadträten die Entwürfe für den künftigen Bahnhofplatz und die Haltestellen präsentierten, von „Verhüttelung“ war die Rede. Stadt und die Architekten-Arbeitsgemeinschaft Hummert, Hullak, Rannow überarbeiteten die Entwürfe.

Entstanden ist „ein urbaner Platz mit Aufenthaltsqualität“, sagte der Projektleiter der Stadt, Peter Rimmele. Das große Dach am Bahnhofseingang und die beiden langgestreckten an den Haltestellen seien nun aus einem Guss. Sie bestehen aus Metallelementen, die wie aufgefaltet aussehen. Der Spritzschutz an den Haltestellen ist überarbeitet, Bäume sollen ein „wichtiges Element“ sein. Beschlossen ist noch nichts. Der Bauausschuss befasst sich am Dienstag mit den Plänen.

Um den Platzcharakter zu betonen, setzt die Stadt auf einen einheitlichen Bodenbelag: auf dem Platz, den Fahrspuren, der Nahverkehrstrasse. Gedacht ist an einen Guss-Asphalt mit Einschlüssen, der an einen Terrazzo-Belag erinnern und „einen wertigen Eindruck“ machen soll.

Die Steige für Busse und Straßenbahnen sind 105 Meter lang. Diese Größe sei nötig, um abends den „Rendezvous-Verkehr“ zu ermöglichen: Busse und Bahnen warten am Bahnhof aufeinander, um das Umsteigen ohne lange Wartezeiten zu ermöglichen.

Fahrradspuren An der Friedrich-Ebert-Straße führen auf beiden Seiten entlang der Fahrspuren Radwege am Bahnhof vorbei. Der Richtung Olgastraße endet an der Keltergasse.

Platzabschluss Um den Bahnhofplatz nach Süden zu fassen, sei aus städtebaulicher Sicht ein neues Gebäude nötig, sagte von Winning. Es würde den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) optisch abtrennen vom Platz. Dass dadurch am ZOB eine Hinterhofsituation entstehe, wie ein Bürger befürchtete, glaubt von Winning nicht. Im Gegenteil. „Ein Haus, in dem etwas stattfindet, ist abends besser als ein leerer ZOB.“

Die Nutzung des Neubaus ist noch unklar. Im Erdgeschoss könnten laut Bürgermeister Radstellplätze, Sozialräume für Busfahrer oder ein Bäcker entstehen.

ZOB Um den Neubau zu ermöglichen, muss der ZOB verkleinert werden. Gegen diese Pläne waren IHK und Regionalbusunternehmer schon im Herbst Sturm gelaufen. Die Stadt hält aber nach zwei von ihr in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudien einen verkleinerten ZOB weiterhin für ausreichend und leistungsfähig. Entscheidender Faktor dafür seien weder die Zufahrt noch die Zahl der Bussteige oder deren Anordnung, sagte Verkehrsplaner Torsten Fisch. Sondern: die Ausfahrt. Zu Spitzenzeiten wollen zu viele Busse gleichzeitig raus, es entstehe Rückstau im ZOB. Um dies zu verhindern, seien beispielsweise veränderte Taktzeiten und Ampelsteuerung möglich.

Taxis Sie sollen sich künftig auf der Seite der Post aufstellen: mit Halteplätzen direkt am Bahnhof und Nachziehplätzen weiter Richtung Norden.

Kiss & Ride Die Kurzzeithalteplätze für Autofahrer, die nur schnell jemanden zum Bahnhof bringen oder abholen, möchte die Stadt in der Schillerstraße unterbringen. Über den Fußgängersteg sind die Bahnsteige von dort aus direkt und ohne Umweg über das Bahnhofsgebäude erreichbar.

Verkehrsführung Richtung Post führt künftig für Autofahrer nur ein Weg hinein: von der Olgastraße her. Hinaus geht es nur nach rechts Richtung Neue Straße. Linksabbiegen von der Friedrich-Ebert-Straße zur Post ist dann ebenso unmöglich wie Linksabbiegen von der Post in die Olgastraße, weil der Autoverkehr die Gleise nicht überqueren soll.

Mittelfristig 2000 Fahrradstellplätze


1500 Abstellplätze für Räder sollen am Bahnhof zunächst entstehen. Wenn in ein paar Jahren das Theaterviertel entwickelt und die Zeitblomstraße zur Fahrradachse aus der Oststadt bis zum Bahnhof wird, sollen rund 500 weitere dazukommen. Denn der Radverkehr zum Bahnhof wird zunehmen, meint Baubürgermeister Tim von Winning.

800 bis 1000 Fahrradstellplätze sollen im künftigen Parkhaus der Deutschen Bahn in der Schillerstraße unterkommen. Sie sind gedacht für Pendler, die aus dem Westen zum Bahnhof fahren.

300 Abstellmöglichkeiten soll es in der Nähe der Post geben. Weitere Radparkplätze sind am Fußgängersteg geplant.