Performance Künstlergruppe Moving Rhizomes probt für ihr neues Stück

Die Tänzer Giulia Insinna, Richard Oberscheven und Lorenzo Ruta (von links) übersetzen mit Choreograf Pablo Sansalvador philosophische Fragestellungen in Bewegung.
Die Tänzer Giulia Insinna, Richard Oberscheven und Lorenzo Ruta (von links) übersetzen mit Choreograf Pablo Sansalvador philosophische Fragestellungen in Bewegung. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Claudia Reicherter 25.10.2017
Die interdisziplinäre Künstlergruppe Moving Rhizomes probt für ihr neues Stück „What Makes Us Human?“. Uraufführung ist am 3. November im Saal des Stadthauses.

Rachmaninoffs cis-Moll-­Pre­lude klingt noch lange nach im Ohr. Auch die Bilder, die Giulia Insinna, langjähriges Compagniemitglied am Theater Ulm, und Richard Oberscheven, in Frankfurt ausgebildeter Balletttänzer, in einem nicht eben romantischen Pas-de-deux dazu kreieren, bleiben im Kopf. Wunderschön und elegant mit ihrem leuchtend roten Haar, wenn auch gegen Ende gnadenlos ihre Überlegenheit ausspielend, die Eine. Fließend und sanft und zu Theaterrepetitorin Eva Llorante Diáz’ schneller werdendem Klavierspiel zunehmend unterlegen leidend, der Andere.

„Sie stellen die Dualität dar“, erklärt Dramaturgin Cecilia Espejo, die die Probe im Neu-Ulmer Tanz-Studio mit Pablo Sansalvador, Choreograf und ebenfalls langjähriger Tänzer in Roberto Scafatis Ensemble am Theater, leitet. „Natur und Maschine. Oder Natur und Mensch.  Der Mensch gewinnt. Leider sind wir ja auch nicht immer nett zur Natur.“ Die 42-Jährige lächelt bedauernd.

Espejo und Sansalvador haben vor zwei Jahren das Sparten ebenso wie Nationalitäten vereinende Ulmer Künstlerkollektiv Moving Rhizomes ins Leben gerufen. Dazu lädt die Gruppe, deren Name auf extrem widerstandsfähige kleine Pflanzen verweist, jeweils weitere Mitwirkende ein.

Beim ersten Auftritt mit „Crossing Paths“ auf dem Münsterplatz war es ein Percussionist, 2016 arbeiteten sie für „Before I Die“ ein halbes Jahr intensiv mit einer Gruppe männlicher Flüchtlinge und luden dazu Profi-Tänzer aus diversen europäischen Ländern ein. Zum neuen Rhizomes-Projekt, diesmal zusätzlich zur Crowdfunding-Finanzierung gefördert von der Stadt, arbeiten die Initiatoren seit Anfang des Jahres mit Schulkindern. Die erarbeiteten als „Moving Kids“ eigene Choreografien und halfen, das Bühnenbild für „What Makes Us Human?“ zu erschaffen.

Die Gruppe scheint sich auf philosophische, dazu emotional wie intellektuell tief berührende Themen spezialisiert zu haben. In der aktuellen Performance geht es also um die Definition des Menschlichen. Das Thema ist erneut komplex: Wie sehen wir uns – wie die anderen? Was macht uns im Grunde menschlich oder unmenschlich? Wie soll unsere Zukunft aussehen? Fragen, die wie der kampfartige Pas-de-deux an die Nieren gehen können.

Doch andere Teile der für den Stadthaussaal auf drei Bühnen konzipierten und von Projektionen begleiteten Performance wirken harmonisch und leicht: etwa, wenn Lorenzo Ruta und Oberscheven die feuerhaarige Insinna zu mobyhaften Synthieklängen hochheben und durch den Raum tragen, als wäre sie eine Feder.

Dazu fräst sich wie eingangs schon Rachmaninoffs „Prelude“ Dan Glazers abgehackt intonierter Chaplin-Text tief ins Ohr: „We are human – How can we make a transition?“ in Dauerschleife.

Tänzer, Musiker, Schauspieler, Licht- und Tonkünstler sowie Kinder

Termine Die Performance „What Makes Us Human?“ wird am 3. November im Stadthaus ur­aufgeführt und ist dort auch am 4. und 5. zu sehen, und zwar je zwei Mal: um 19.30 und 21.15 Uhr. Beteiligt sind vom Künstlerkollektiv Moving Rhizomes Pablo Sansalvador (Choreografie) und Cecilia Es­pejo (Produktion/Dramaturgie), Giulia Insinna, Damien Nazabal, Rich­ard Oberscheven, Daniel Perin, Lorenzo Ruta (Tänzer), Anne Schumacher und Eva Llorente Díaz (Cello/Klavier), Andreas Usenbenz (Sounddesign), Guido Stuch und Andreas Hauslaib (Produktionsdesign) sowie Dan Glazer (Schauspieler, Sprecher) und am Samstag die Moving Kids mit 32 Schülern der Freien Waldorfschule Römerstraße und Daniela Molina Garfias.

Tickets Karten im Vorverkauf gibt es im Pressehaus der SÜDWEST PRESSE, Frauenstraße 77, im Stadthaus, bei SWU traffiti in der Neuen Mitte und online über Reservix. Karten im Vorverkauf zu erwerben, empfiehlt sich, da zu jeder Aufführung nur 80 Zuschauerplätze zur Verfügung stehen. cli